Region
Unternehmerpreis: «Jeder Finalist ist ein Gewinner»
Von Interview: Jon Mettler, Stefan Schnyder. Aktualisiert am 26.03.2009
Markus Leibundgut steht einer sechzehnköpfigen Expertenjury vor. (Bild: Urs Baumann)
Preis für Unternehmer
Für den diesjährigen Unternehmerpreis Espace Mittelland sind nominiert: 3S Swiss Solar Systems AG, Lyss; Gstaad Palace, Gstaad; Jakob AG, Trubschachen; Schwab-Guillod AG, Müntschemier; Stettler Sapphire AG, Lyss; Ziemer Group, Port. Ab dieser Woche stellt diese Zeitung die Finalisten in einer Serie vor. Die Preisverleihung findet am 31. März in Bern statt. jnm
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Herr Leibundgut, wie beurteilen Sie die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) aus dem Wirtschaftsraum Bern?
Markus Leibundgut: Ich habe einen sehr guten Eindruck. Meine Tätigkeit als Unternehmensberater führt mich vor allem in grosse Firmen. Deshalb ist es für mich immer wieder erfrischend, in Kontakt mit KMU zu kommen. Da wird Unternehmertum jeden Tag gelebt.
Welche Stärken und Schwächen erleben Sie von den KMU?
Eine Stärke ist sicher das patronale Umfeld. Der Chef oder die Chefin ist meistens der Eigentümer der Firma. Er oder sie kennt alle Mitarbeiter und kann diesen verständlich machen, was auf dem Spiel steht. So entsteht ein Umfeld, in dem alle an einem Strick reissen. Weiter kann ein KMU schneller Entscheide treffen. Eine Schwäche ist, dass KMU nicht in allen Bereichen präsent sein können. Aus diesem Grund gibt es den Swiss Venture Club. Er verleiht nicht nur den Unternehmerpreis, sondern stellt auch Plattformen zu Netzwerken zur Verfügung.
Der Unternehmerpreis hat den Anspruch, jedes Jahr das beste KMU aus der Region zu prämieren. Was heisst das genau: «das beste»?
Dafür gibt es einen klaren Satz an Kriterien. Eine Firma muss erfolgreich gewesen sein, das heisst: profitabel und mit Zukunftsaussichten. Die Firma muss aber auch einen Beitrag zu ihrer lokalen Gemeinschaft leisten. Ganz wichtig: Sie muss Lehrstellen anbieten. Positiv bewertet die Jury zum Beispiel auch den Einbezug von Menschen mit Behinderung in den Produktionsprozess oder die Unterstützung eines Sportclubs.
Alle sechs Finalisten erfüllen diese Kriterien. Trotzdem müssen Sie drei Sieger erküren. Wasgibtaus Sicht der Jury den Ausschlag über Sieg oder Niederlage?
Erst einmal: Alle sechs Finalisten sind Sieger. Dank des Unternehmerpreises Espace Mittelland erhalten Sie eine Plattform, auf der sie ihre Meriten zeigen können. Es ist aber schon so, dass die Jury sehr hart um den Entscheid der drei Sieger ringt. Das sind teilweise sehr engagiert geführte Diskussionen mit pickelharten Argumenten. Am Schluss gibt wohl das Gesamtbild einer Firma den Ausschlag. Wenn Sie als Juror das Engagement der Belegschaft spüren, sobald sie die Produktionshallen betreten, gibt Ihnen das Vertrauen. Sie sind sich dann sicher, dass eine solche Firma auch grosse Schwierigkeiten meistern kann.
Die Jury besucht die sechs Finalisten an einem einzigen Tag. Reicht das, um ein umfassendes Bild über eine Firma zu erhalten?
Die Jury beschäftigt sich schon vorgängig sehr intensiv mit den nominierten Unternehmen. Das stellen wir dadurch sicher, dass die Jury gross und breit aufgestellt ist. Alle Jurymitglieder sind in der Region verankert und kennen die Unternehmerlandschaft bereits sehr gut. Hinzu kommt, dass die über 150 Firmen auf der langen Liste über Jahre aktiv beobachtet werden. Beim Besuch vor Ort spüren wir den Puls der Unternehmung unmittelbar. Dadurch kommt in unseren Diskussionen sehr viel mehr Qualität in die Entscheidungsfindung. Das lässt uns schlussendlich die finale Rangierung vornehmen.
Meist sind Firmen aus sehr unterschiedlichen Bereichen nominiert. Die Leistung eines Hotels kann eine Expertenjury doch kaum seriös mit derjenigen eines Medizinaltechnikunternehmens vergleichen.
Das ist in der Tat eine Schwierigkeit. In solchen Fällen wenden wir erst einmal unseren Kriterienraster an. Erst dann bewerten wir den qualitativen Teil. Dabei geht es nicht darum, absolute Wachstumszahlen zu vergleichen. Das wäre unfair, denn jeder Geschäftsbereich hat seine Eigenheiten. Vielmehr geht es darum, herauszufinden, wie die einzelnen Unternehmen in der Vergangenheit mit Schwierigkeiten umgegangen sind. Daraus lässt sich dann durchaus eine Meinung bilden.
Warum engagieren Sie sich als Unternehmensberater in der Jury des Unternehmerpreises?
Es ist meine tiefste Überzeugung, dass die KMU einen wichtigen Teil der Schweizer Wirtschaft darstellen. Ich selber bin Berner und zahle im Kanton Bern meine Steuern. Das Jurypräsidium sehe ich deshalb als Beitrag zum Wirtschaftsleben im Wirtschaftsraum Bern. Zudem ist es für mich immer wieder eine Riesenfreude, KMU im Espace Mittelland zu entdecken – dies als Gegensatz zu meiner Arbeit mit grossen Firmen. Das ist zwar auch spannend, aber auf einer ganz anderen Ebene. Aufträge von KMU habe ich auf Grund meines Engagements aber noch nie erhalten. Das ist auch nicht mein Ziel.
Wie bringen Sie sich als Präsident der Jury ins Gremium ein?
Meine Funktion ist vor allem repräsentativ. Ich bereite jedoch auch die Sitzungen vor und leite diese. Ich sorge dafür, dass die Diskussionen strukturiert ablaufen. Weiter halte ich Kontakt zu den Präsidenten der anderen Jurys. Der Unternehmerpreis wird ja nicht nur im Espace Mittelland, sondern in allen Regionen vergeben. So ist eine Konsistenz innerhalb des Swiss Venture Clubs sichergestellt.
Wenn der Kanton Bern Sie als Berater anheuern würde – was wären Ihre Ratschläge?
Der Kanton Bern muss seine Stärken besser ausspielen. Es gibt hier sehr gute Schulen und Ausbildungsmöglichkeiten für hoch qualifizierte Mitarbeiter. Diese haben einen grossen Anteil am Erfolg der mittelständischen Firmen. Auch die Lebensqualität ist ein Pluspunkt. Im Steuerwettbewerb muss der Kanton Bern den eingeschlagenen Weg konsequent weiterführen und im Vergleich zu anderen Kantonen nicht zurückfallen. Die Zeit, in der Firmen wieder beweglicher werden, wird wieder kommen. Darauf muss der Kanton Bern vorbereitet sein.
Markus Leibundgut, 40, ist Doktor der theoretischen Physik. Seit 2005 ist er Partner von McKinsey. Er lebt mit seiner Familie in Spiez. (Berner Zeitung)
Erstellt: 26.03.2009, 15:43 Uhr







