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Tarif reicht für eine schwarze Null

Von Fabian Schäfer. Aktualisiert am 23.08.2010 1 Kommentar

Der Vertrag der Privatklinik Sonnenhof mit den Krankenkassen Visana und KPT gibt viel zu reden: Der neue Grundversicherungstarif ist tiefer als alles, was in Bern bisher gilt. Thomas Straubhaar vom Sonnenhof nimmt Stellung.

Er hat den Tarif ausgehandelt, der die anderen Berner Spitäler
erzürnte: Thomas Straubhaar von der Privatklinik Sonnenhof. (Bild: Urs Baumann)

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Kenner der Spitalbranche

Thomas Straubhaar ist Mitglied der Geschäftsleitung der Privatklinik Sonnenhof, die in der Stadt Bern die Spitäler Sonnenhof und Engeried betreibt. Als früherer stellvertretender Leiter des kantonalen Spitalamts ist er ein profunder Kenner der bernischen Spitallandschaft.

Die Privatklinik Sonnenhof gehört mit rund 10'000 stationären Patienten im Jahr zu den grösseren Spitälern im Kanton Bern.

Herr Straubhaar, Sie haben die gesamte Konkurrenz – die öffentlichen und privaten Spitäler des Kantons Bern – in Aufruhr versetzt. Für 2010 und 2011 haben Sie für den Sonnenhof einen rekordtiefen Basispreis ausgehandelt. Die Kritik ist happig: Ihr Tarif sei zu tief und unfair.
Thomas Straubhaar: Solche Vorwürfe waren zu erwarten. Wir sind das erste Berner Spital, das im Alleingang, ohne Absprachen, einen Tarif ausgehandelt hat. Wir wollten nicht warten, bis die Gerichte den hängigen, seit Jahren dauernden Tarifstreit zwischen den Verbänden der Privatspitäler und der Krankenkassen entscheiden. Das Urteil erwarten wir erst im ersten Halbjahr 2011. Unser Ziel war, einerseits Klarheit zu schaffen, um uns unseren Kernaufgaben widmen zu können, und andererseits den ganzen Aufwand einer Rückabwicklung der verschickten Rechnungen zu minimieren.

Ist Ihr Ausscheren ein Vorbote der neuen Spitalfinanzierung, die 2012 in Kraft tritt? Sie soll zu mehr Wettbewerb und einem höheren Kostendruck führen.
Man kann das so sehen. Wir setzen uns für mehr Wettbewerb im Gesundheitswesen ein. Deshalb ist unser Handeln nur logisch.

Ihr Tarif ist eine Kampfansage an die Konkurrenz, die bisher klar höhere Abgeltungen erhält. Die anderen Spitäler werfen Ihnen nun vor, Ihr Preis sei nicht kostendeckend, nicht nachvollziehbar und nicht korrekt. Was sagen Sie dazu?
Es ist einzig und allein unsere Sache, zu beurteilen, ob ein Tarif für uns kostendeckend ist.

Ist der Tarif kostendeckend?
Sagen wir es so: Wir werden mit dem Tarif circa eine schwarze Null oder wie 2009 einen kleinen Verlust schreiben. Detaillierte Zahlen geben wir nicht bekannt. Aber dies ist gar nicht die wichtigste Frage: Entscheidend ist, dass alle Spitäler damit rechnen müssen, dass sie für ihre Leistungen ab 2012 weniger Geld erhalten als bisher. Darauf bereiten wir uns schon jetzt vor, indem wir laufend Verbesserungen im Betrieb umsetzen. So erzielen wir Einsparungen, um mit der tieferen Abgeltung über die Runden zu kommen.

Wollen Sie damit sagen, dass es wegen des neuen Tarifs Entlassungen geben wird?
Nein. Aber wenn wir die Abläufe im Spital verbessern, werden voraussichtlich auch Stellen betroffen sein. Ich möchte jedoch betonen, dass der Sonnenhof sein Personal weiterhin fair behandeln und für allfällig Betroffene Lösungen suchen wird. In erster Linie geht es dabei um den «rückwärtigen Bereich». Beim Ärzte- und Pflegepersonal ist sicher kein Stellenabbau zu erwarten. Wir wissen, dass wir zu diesen Angestellten besonders Sorge tragen müssen. Insbesondere Pflegepersonal wird schon bald sehr rar sein.

Wie ist der neue Tarif intern, bei den Angestellten, aufgenommen worden?
Ich habe nur positive Rückmeldungen erhalten, auch von Ärzten und Pflegepersonen.

Der happigste Vorwurf Ihrer Konkurrenz: Der neue Tarif werde sich zulasten Ihrer Patienten auswirken. Wird er zum Beispiel dazu führen, dass Sie Patienten früher heimschicken?
Sicher nicht. Ganz abgesehen davon, dass wir so unsere Patienten vergraulen würden, würde sich das für uns auch finanziell nicht lohnen – im Gegenteil. Schicken wir einen Patienten zu früh nach Hause, wird er bald darauf mit Beschwerden zurück ins Spital kommen. Für solche «Wiedereintritte» erhalten die Spitäler von den Krankenkassen derart tiefe Abgeltungen, dass sie null Interesse an einem solchen Vorgehen haben können.

Das gilt aber erst ab 2012.
Das stimmt, aber wir müssen unsere Abläufe schon heute auf die Regeln einstellen, die ab 2012 gelten. Das kann man nicht von heute auf morgen ändern. Wir wollen Behandlungen in überdurchschnittlicher Qualität anbieten, die im Endeffekt – davon sind wir überzeugt – günstiger sind. Schlechte Qualität können wir uns nicht leisten.

Die übrigen Spitäler argwöhnen, der Sonnenhof habe mit Visana und KPT noch weitere, geheime Vereinbarungen – vermutlich bei den Zusatzversicherungen – getroffen, um die Ausfälle in der Grundversicherung zu kompensieren. Stimmt das?
Nein. Es finden keine Kompensationsgeschäfte irgendwelcher Art statt.

Ist es Ihr Ziel, den Anteil der Zusatzversicherten zu erhöhen?
Natürlich hätten wir aus wirtschaftlichen Gründen gern mehr Zusatzversicherte. Aber 60Prozent unserer Patienten sind nur grundversichert. Das wird sich nicht gross verändern. Wir bleiben faktisch ein öffentliches Spital, das allen offensteht.

Erwarten Sie, dass ab 2012 die Abgeltungen für alle Berner Spitäler dasselbe tiefe Niveau erreichen werden wie Ihr neuer Tarif?
Ja. Prognosen sind schwierig, aber wir rechnen mit dieser Grössenordnung. Der Grund ist klar: In den meisten anderen Kantonen erhalten die Spitäler heute in der Tendenz tiefere Abgeltungen als in Bern. Da ab 2012 ein nationaler Benchmark gilt, werden die Tarife der Berner Spitäler unter Druck kommen.

Welche Folgen erwarten Sie?
Der Markt wird vor allem in der Stadt Bern zu Bereinigungen führen, wo das Angebot heute in der Tat zu gross ist. Die Spitäler in Bern werden Betten abbauen müssen.

Sie rechnen mit Spitalschliessungen in der Stadt Bern?
Diese Frage kann ich nicht beantworten, sie ist aber auch nicht relevant. Ob nun Spitäler ganz geschlossen oder nur verkleinert werden, ist nicht entscheidend; entscheidend ist, dass das Angebot an stationären Leistungen abgebaut werden muss und kann. Zu erwarten ist sicher, dass Spitäler fusionieren oder ihre Angebote untereinander viel stärker koordinieren, sodass eigentliche Fachkliniken entstehen, wie das im Ausland zu beobachten ist.

Gerade die Regionalspitäler im ländlichen Raum dürften in Schwierigkeiten kommen, wenn ihre Tarife so stark sinken.
Uns stört es nicht, wenn der Kanton gemeinwirtschaftliche Leistungen von Spitälern in der Peripherie separat – zusätzlich zur Leistungsabgeltung durch Krankenkassen und Kanton – finanziert. In ländlichen Regionen gibt es oft nicht genügend Patienten, um Spitalangebote zu Marktpreisen zu erbringen. Diese Beiträge der öffentlichen Hand müssten aber vollständig transparent sein. Wenn der Wille vorhanden ist, zum Beispiel im oberen Simmental/Saanenland eine Spitalversorgung aufrechtzuerhalten, soll die Politik zu diesem Zweck einen Beitrag sprechen. Im grössten Teil des Kantons aber – im Raum Biel, Bern, Burgdorf, Langenthal, Thun bis Interlaken – kämen solche Zusatzzahlungen sicher nicht infrage. Hier muss der Kanton ab 2012 den Markt spielen lassen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 23.08.2010, 07:41 Uhr

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1 Kommentar

christoph scheidegger

24.08.2010, 13:58 Uhr
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ich wurde durch die privatklinik sonnenhof kompetenter und freundlicher behandelt, als durch die fmi ag (spital interlaken), dort war die leistung mangelhaft (!) und die schuld dafür liegt nicht bei mir (..!!...), das habe ich getestet, solche freiheiten gönne ich mir..!!! Antworten



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