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Sylvain Astier politisiert hart und direkt

Von Urs Egli. Aktualisiert am 05.03.2010

Die Politik von Sylvain Astier (FDP) ist schnörkellos bürgerlich. Der Mann aus Moutier geht nicht zimperlich um mit seinen politischen Gegnern. Jetzt will er den Sitz des Berner Juras im Regierungsrat von der SP zurückerobern.

Sylvain Astier (FDP, neu). Die Kandidierenden wurden im Fotostudio vor einem weissen Hintergrund fotografiert – wie, war ihnen freigestellt. Aus den Aufnahmen wählten sie ihr Wunschild aus.

Sylvain Astier (FDP, neu). Die Kandidierenden wurden im Fotostudio vor einem weissen Hintergrund fotografiert – wie, war ihnen freigestellt. Aus den Aufnahmen wählten sie ihr Wunschild aus. (Bild: Andreas Blatter)

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Im Rathaus zu Bern sitzt er in der letzten Reihe, doch ein Hinterbänkler ist er nicht. Sylvain Astier liebt den Gang zum Mikrofon und seine Auftritte in den Sessionen des Grossen Rates. Der 34-jährige Freisinnige aus Moutier ist ein Mann der markigen Worte. Verbal fährt er schon mal mit schwerem Geschütz auf, wenn er einen politischen Gegner bekämpft – zum Beispiel den bernischen Gesundheits- und Fürsorgedirektor Philippe Perrenoud (SP). Astier lässt kein gutes Haar an Perrenouds Arbeit. «In der Gesundheits- und Fürsorgedirektion (GEF) besteht grosser Handlungsbedarf», weiss der FDP-Mann, der seit 2002 im Berner Kantonsparlament sitzt. Seit 1976 führe die SP in der GEF das Zepter. Da sei es «höchste Zeit, Luft zu machen», betont Astier, der Perrenoud den garantierten Sitz des Berner Juras im Regierungsrat bei den Wahlen vom 28.März abjagen will.

1975 in Paris geboren

Drei Kernthemen dominieren auf Kantonsebene die politische Arbeit von Sylvain Astier: die Bekämpfung von Missbräuchen im Asylwesen, im Ausländer- und Sozialbereich; der öffentliche Verkehr und die Jura-Frage. «Ich bin nicht gegen Ausländer, sondern nur gegen die Missbräuche in diesem Bereich», betont der Vater von zwei Söhnen, der mit einer Ausländerin verheiratet ist.

1975 in Paris geboren, hat Sylvain Astier als Auslandschweizer in Frankreich die Schulen absolviert und das Studium der Rechte in Paris abgeschlossen, gefolgt von einem postgradualen Studium in Völkerrecht an der Universität Genf. Seit einem Jahr ist er als Abteilungschef beim Bundesamt für Migration (BFM) für die fünf Schweizer Empfangs- und Verfahrenszentren für Asylsuchende und damit für mehr als hundert Mitarbeitende verantwortlich. Da stellt sich die Frage: Gerät Astier als scharfer Kritiker des Asylmissbrauchs nicht in einen Interessenkonflikt mit seinem Arbeitgeber? «Nein, ich habe keine Differenzen zur Politik des Bundes.» Berührungsängste zu Ausländern kennt er nicht. Im Gegenteil: In seinem Büro hängen Fotos von westafrikanischen Regierungsdelegationen, auf einem Korpus stehen handgeschnitzte Figuren aus Afrika. Belustigt muss da Astier an ein Begehren des politischen Gegners denken: «Die SP des Berner Juras wollte mich via den damaligen BFM-Chef Jean-Daniel Gerber entlassen.» Ohne Erfolg.

Kampf der Bürokratie

Tatsächlich ist Astier im bernischen Grossen Rat einer der Hardliner. «In der Sache politisiere ich hart und direkt, aber nie verletzend», sagt er und ergänzt: «Mit meinen politischen Gegnern habe ich keine Probleme. Ich sage allen Guten Tag, ja ich kann mit allen diskutieren und lachen», sagt Astier. Seine Politik ist schnörkellos bürgerlich.

Astier plädiert für einen schlanken Staat, für bessere Rahmenbedingungen für Unternehmen, wehrt sich gegen Bürokratiehürden, will die kantonalen Steuern auf das Schweizer Mittel senken und steht zu einem leistungsorientierten Bildungswesen mit Selektion. Gegenüber Gewalttätern und Vandalen sollen Polizei und Justiz konsequent durchgreifen, neuralgische Punkte mit Video überwachen. Das Atomkraftwerk Mühleberg soll an gleicher Stelle ersetzt und die Wasserkraftwerke an der Grimsel sollen ausgebaut werden. Und wie charakterisiert Astier selbst seinen politischen Stil? «Im Gedanken bin ich offen, habe aber eine klare Linie. Was ich sage, mache ich auch. Ich bin ein Mann der klaren Worte und bin ehrlich mit dem Volk.»

Wahlchancen? «Intakt»

Besonders am Herzen liegt dem FDP-Mann aus dem Berner Jura, der internationale Beziehungen studiert hat, die Jura-Frage. «Ich bin ein Berntreuer», sagt er stolz. Die französischsprachige Minderheit im Berner Jura müsse in Harmonie mit der deutschsprachigen Mehrheit leben. Deshalb sei er klar gegen die Separatisten, «denn diese sind eine Gefahr für den Kanton Bern». Aber Astier plädiert dafür, dass die Beziehungen zwischen den Kantonen Bern und Jura normalisiert werden.

Dass ein FDPler sich für den öffentlichen Verkehr einsetzt, ist nicht die Regel. Doch Sylvain Astier ist Pendler. Um 5.50 Uhr besteigt er in Moutier den Zug, um 7.10 Uhr ist er in seinem Büro in Wabern. Überhaupt fragt man sich, wie der Chefbeamte Beruf und Politik unter einen Hut bringt. Denn Astier sitzt im Grossen Rat, in der Assemblée Interjurassienne und im Stadtrat von Moutier. Aber er ist auch Vizepräsident der FDP Kanton Bern, Präsident der FDP Berner Jura sowie der FDP-Sektion Moutier und Umgebung. «Ich komme mit wenig Schlaf aus», antwortet Astier und ergänzt: «Alles ist eine Frage der Organisation.»

Eine ganze andere Frage ist: Wie schätzt der bernjurassische Regierungsratskandidat der Freisinnigen seine Wahlchancen ein? «Sie sind intakt.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 05.03.2010, 07:33 Uhr

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