Stromregulierer attackiert BKW wegen Preisaufschlag
Von Philippe Müller. Aktualisiert am 06.07.2010 2 Kommentare
Renato Talmi. (Bild: Keystone )
BKW ist überrascht
Der Berner Stromkonzern BKW zeigt sich befremdet über die harsche Kritik der Eidgenössischen Elektrizitätskommission Elcom (siehe Interview). Vor allem der Zeitpunkt der Elcom-Stellungnahme überrasche, zumal der Regulator die Details der Preissetzung noch gar nicht kenne, so BKW-Sprecher Antonio Sommavilla.
«Den Vorwurf, die BKW erhöhe die Preise auf dem Buckel der Konsumenten, weisen wir von uns.» Man schöpfe bei der Festlegung der Strompreise den gesetzlichen Rahmen noch nicht einmal aus und gebe bloss jene Kosten an die Kunden weiter, die das Gesetz explizit erlaube, so der Sprecher.
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Die Stromkonzerne BKW und Axpo haben angekündigt, die Strompreise per 2011 durchschnittlich um sechs respektive zehn Prozent anheben zu wollen. Was sagen Sie dazu?
Renato Tami: Nach unserem heutigen Wissensstand habe ich kein Verständnis für eine Strompreiserhöhung.
Warum nicht?
Es gibt zwei Möglichkeiten, Elektrizität zu beschaffen: Entweder man produziert sie selber, oder man kauft sie ein. Meines Erachtens sind die Produktionskosten nicht angestiegen, wir haben historisch tiefe Kapitalzinsen, was die Kosten senken sollte. Und kauft ein Stromlieferant die Elektrizität an der Strombörse ein, sind diese Beschaffungskosten in letzter Zeit ebenfalls gefallen. Aus volkswirtschaftlicher Sicht gibt es nach derzeitiger Beurteilung keine Rechtfertigung für höhere Strompreise.
BKW und Axpo behaupten das Gegenteil: Man habe seit rund 15 Jahren die Strompreise kaum erhöht, obwohl die Produktionskosten markant gestiegen seien.
Wenn wir die letzten 5 Jahre anschauen, so hatten wir 2007 und 2008 hohe Strompreise, weil Erdöl und Gas damals sehr teuer waren. Diese Verteuerung haben die Stromlieferanten aber mit der Preisrunde 2008 an die Konsumenten weitergegeben. Das war teilweise auch gerechtfertigt. Seither sind die Energiekosten aber wieder gesunken – die Strompreise jedoch nicht.
Sie unterstellen den grossen Stromkonzernen also, mit vorgeschobenen Argumenten eine Preiserhöhung durchdrücken zu wollen.
Ich kenne die genauen Zahlen von BKW und Axpo noch nicht. Wir werden diese einfordern und genau studieren, um dann ein Urteil zu fällen. Die Argumente, wie sie heute auf dem Tisch liegen, überzeugen mich in fachlicher Hinsicht aber nicht.
Falls sich der Eindruck der Elcom bestätigt und die Preiserhöhung als ungerechtfertigt taxiert wird, was passiert dann?
Dann können wir die Elektrizitätswerke zwingen, die Tarife für Kleinverbraucher – dazu gehören Haushalte und das Kleingewerbe – abzusenken beziehungsweise die Preise auf heutigem Niveau zu belassen. Für einen Teil der Grossverbraucher spielt heute bereits der freie Markt, da können wir die Preise nicht beeinflussen.
Die Stromproduzenten rechtfertigen die Preiserhöhung auch mit anstehenden Investitionskosten für neue Produktionsanlagen wie zum Beispiel Atomkraftwerke. Das überzeugt Sie nicht?
Gewisse Reserven für künftige Investitionen müssen die Stromlieferanten natürlich bilden. Ob dazu jedoch gerade eine Erhöhung des Strompreises nötig ist, dahinter setze ich ein Fragezeichen.
Von einem höheren Strompreis würden auch direkt die Eigentümerkantone profitieren, so auch Bern als Mehrheitsaktionär der BKW. Hinter der Strompreisdebatte stehen also auch politische Interessen.
In Zeiten der Finanzknappheit sind das für die öffentliche Hand natürlich willkommene Zuschüsse. Ich appelliere aber an die Verantwortung der Eigentümer der Elektrizitätsunternehmen, Mass zu halten.
Ab 2014 könnte der Schweizer Strommarkt frühstens vollständig liberalisiert sein. Die Elcom hätte dann deutlich weniger Einfluss als heute. Stiegen die Preise dann in astronomische Höhen?
Der Markt sollte, wenn er funktioniert, eigentlich günstige Preise bringen. Sollte der Strom aber knapper werden, müsste der Strom aus volkswirtschaftlichen Überlegungen teurer werden. Sollten im offenen Markt irgendwelche Missbräuche passieren, müsste die Wettbewerbskommission intervenieren. (Berner Zeitung)
Erstellt: 06.07.2010, 07:26 Uhr
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2 Kommentare
Man hat überall gespart! Ja guet wenn man das so sieht. Wieso heisst es Axpo Leauge und da werden paar Fränkli verlocht nicht nur als Sponsor sondern auch an Apero usw. Ich staune immer wieder auch Krankenkassen das Füllhorn für solche Dinge ist voll Antworten
Tja, Liberalisierung hat eben auch seine grossen Nachteile. Es gibt Bereiche die niemals liberalisiert werden dürfen, da die Gier in den Teppichetagen einfach zu gross und dies katastrophale Folgen haben kann. Jüngstes Beispiel ist BP, oder die engl. Bahn. Infrastruktur eines Landes sollte vom Staat kontrolliert werden. Antworten






