Stöckli will im Stöckli bleiben

Er hat der Stadt Biel zu wirtschaftlichem Aufschwung verholfen. Nun will der Sozialdemokrat Hans Stöckli eine zweite Amtsperiode im Ständerat antreten.

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Der Ort des Treffens war mit Bedacht gewählt: Im Kongresshaus von Biel, das Hans Stöckli einst mit viel Geld für die Expo 02 sanieren liess. Zudem fand sich an diesem Nachmittag eine Gruppe pensionierter Mitglieder des Gewerkschaftsbundes ein, was für den Sozialdemokraten zur geeigneten Wahlplattform quasi vor der Haustüre werden sollte. Hände schütteln hier und da – unter Genossen kennt man sich.

Hans Stöckli, 63, davon 20 Jahre lang Stadtpräsident von Biel, zwei Jahre Grossrat, sieben Jahre Nationalrat und seit 2011 Ständerat, hat noch nicht genug von der Politik. Und er weiss sich inzwischen vor der Wählerschaft zu inszenieren: Den Auftakt seines Wahlkampfes zelebrierte er vor einer Woche vor grossem Publikum in der neuen Tissot-Arena.

Für seine Gäste waren die Eintritte zum ersten Eishockey-Match des EHC Biel im niegelnagelneuen Stadion gratis. Der schlaue Stöckli sammelte nebenbei eifrig Sponsorengelder für seinen 200'000-fränkigen Wahlkampf. Vor vier Jahren warf er mit dem Slogan «Stöckli ins Stöckli» den amtierenden Adrian Amstutz (SVP) aus der ehrwürdigen kleinen Kammer, jetzt lautet sein Wahlspruch ebenso eingängig: «Hans wieder ins Stöckli».

Zugänglicher Pragmatiker

Eine Wiederwahl des erfolgsverwöhnten «Mister Expo» scheint unbestritten – allenfalls erst im zweiten Wahlgang. Er wird selbst im bürgerlichen Lager etliche Stimmen verbuchen, gilt er doch als wirtschaftsfreundlicher Sozi und zugänglicher Pragmatiker, der sich nicht als Sprachrohr roter Ideologien (Stichwort: Erbschaftssteuer, Pauschalsteuer) sieht.

«Ich bin Sozialdemokrat und sterbe als Sozialdemokrat», sagt Stöckli, um dann aber zu präzisieren: «Nur ein wirtschaftlich gesunder Staat kann auch ein sozialer Staat sein und eine gesunde Umweltpolitik betreiben.» Und: nur eine wirtschaftliche prosperierende Stadt könne auch die Sozialprobleme lösen, dachte er als Stadtpräsident und setzte viel in Bewegung, um auf Biels neuem Industriegebiet Bözingenfeld mehrere Tausend Arbeitsplätze anzusiedeln.

Die Unternehmen sind gekommen, die Arbeitslosenquote ist markant gesunken, die Soziaprobleme sind geblieben: Die aktuelle Bieler Sozialhilfe-Quote ist mit 11,5 Prozent nach wie vor schweizerischer Negativrekord. «Meine Hoffnung, mit der Stadtentwicklung und der Wirtschaftsentwicklung würde auch die Sozialhilfe-Quote sinken, hat sich nicht erfüllt», blickt Stöckli mit einem Quäntchen Selbstkritik zurück.

Freude an Rechtssetzung

Sein Ruf als leutseliger und cleverer Politiker hat unter dieser Fehleinschätzung nicht gelitten. «Er ist ein äusserst schlauer und gewiefter Politiker», sagt Hans Hess, Obwaldner FDP-Ständerat, «er versteht die Politik» Hess ist Präsident der ständerätlichen Geschäftsprüfungskommission (GPK), Vizepräsident Stöckli wird ihn ab 2016 beerben.

«Die GPK wirkt gegen aussen nicht besonders spürbar, gegen innen hat sie aber eine unglaublich wichtige Aufsichtsfunktion», freut sich der Jurist auf das wichtige Amt. Rechtsauslegung und Rechtssetzung gehören inzwischen, neben der Gesundheits- und Alterspolitik, zu Stöcklis grossen Leidenschaften.

Kein geschliffener Redner

Ein geschniegeltes Outfit und eine geschliffene Rhetorik sind definitiv nicht Stöcklis Markenzeichen – im Gegenteil. Wobei die Vermutung aufkommen könnte, dieses bruchstückhafte Erzählen mit häufig unfertigen Sätzen und unterbrochenen Gedanken könne eine Masche sein, um die Aufmerksamkeit des Gegenübers zu bewahren.

Zu Stöcklis schärfsten Kritikern gehört Hermann Weyeneth, der schon öfters politische Fehden mit ihm ausgetragen hat. «Ich wähle ihn sicher nicht», sagt alt Nationalrat . «Ich halte ihn für einen Opportunisten. Er redet den Leuten gerne nach dem Maul und bewegt sich auf die Wahlen hin eher der Mitte entgegen.»

Stöckli nimmt solche Äusserungen gelassen – und hält sich mit viel Velofahren, Ausdauerläufen und bewusster Ernährung fit für die nächsten vier Jahre. Zu Zeiten der Expo02, als zwei, drei Abendessen keine Seltenheit waren, hatte er mit Leidensgenossen auf den Club der Hunderter angestossen.

Dann verschrieb er sich eine Abmagerungskur und pendelt jetzt um die 88 Kilo herum. Ein Leichtgewicht ist Hans Stöckli nicht – auch politisch nicht. (Berner Zeitung)

Erstellt: 29.08.2015, 09:03 Uhr

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