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Spitalversorgung Bern: Gesundheitszentren braucht das Land

Von Fabian Schäfer. Aktualisiert am 19.07.2010 2 Kommentare

Die Diskussion um die Zukunft der kleinen Spitäler im Kanton Bern dreht sich immer häufiger um die Idee der Gesundheitszentren. Aber was ist das eigentlich? Klar ist: Der Kanton setzt sehr grosse Hoffnungen in sie.

Rettungsfahrzeuge sind heute kleine Spitäler: Im Wagen
können Notfallpatienten stabilisiert werden. (Bild: Vik Wälty)

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Nichts weckt grössere Ängste als eine Spitalschliessung. Das hat sich in den letzten Jahren im Kanton Bern vielfach bestätigt: von Huttwil über Belp bis ins Simmental-Saanenland. Die Bevölkerung vor Ort wehrt sich bisweilen vehement, wenn man ihr «das Spital wegnehmen» will. Dabei geht es nicht nur um die Arbeitsplätze. Eine mindestens so wichtige Rolle spielt sicher die echte Angst um die eigene Gesundheit. Der Reflex ist zutiefst menschlich: «Wenn die das Spital schliessen und ich einen Herzinfarkt habe, muss mich die Ambulanz viel weiter fahren. Werde ich das überleben?»

Gegen solche Ängste will das kantonale Spitalamt antreten. Das Zauberwort heisst Gesundheitszentrum. Gerade kleine Spitäler in den Randregionen, die unter grossem Kostendruck stehen, sollen vermehrt in Gesundheitszentren umgewandelt werden. Seitdem 2007 die ersten solchen Zentren in Huttwil und Meiringen ihren Betrieb aufgenommen haben, ist immer wieder die Rede von diesem Konzept – bisher blieb aber einigermassen diffus, was darunter zu verstehen ist. Die Verantwortlichen im Spitalamt um Leiterin Annamaria Müller und im Kantonsarztamt erklären ihr Konzept auf Anfrage.

Ambulanz machts möglich

Die wichtigsten Grundsätze lassen sich so zusammenfassen: Ein Gesundheitszentrum ist kein (kostenintensives) Akutspital, aber mehr als eine Gruppenpraxis; es bietet einen ärztlichen Pikettdienst rund um die Uhr; es behandelt Notfälle soweit möglich vor Ort und sorgt sonst mit dem Rettungsdienst für den Transport in das nächste, geeignete Akutspital; es erbringt nur ambulante und keine stationären Behandlungen.

Das Konzept baut auf drei grundsätzlichen Entwicklungen auf: Erstens können immer mehr Behandlungen ambulant und damit kostengünstiger erbracht werden – für diese Fälle wäre also auch das Gesundheitszentrum gewappnet; zweitens steigen die Anforderungen an Akutspitäler rapide, was kleine Spitäler überfordere; drittens sind die Ambulanzfahrzeuge besser ausgerüstet und die Einsatzequipen besser ausgebildet als früher.

Vor allem der letzte Punkt ist Amtschefin Müller wichtig: Die heutigen Spitalstandorte seien seinerzeit aufgrund der beschränkten Möglichkeiten und Reichweiten der damaligen Rettungswagen definiert worden. «Heute sind diese Fahrzeuge aber kleine Spitäler», betont Müller. Sie seien so eingerichtet, dass Notfallpatienten im Wagen stabilisiert werden können, sodass genug Zeit bleibe, sie ins richtige Spital zu fahren.

Auch für Tourismus-Täler

Laut Spitalamt kann die Versorgung daher mit den Gesundheitszentren sogar verbessert werden: Es solle nicht mehr vorkommen, dass die Ambulanz Patienten ins kleine regionale Akutspital bringt, von wo sie später allenfalls doch noch weiterverlegt werden, wenn der Fall zu kompliziert ist. Für Müller ist deshalb klar: «Es ist vernünftiger, in die Rettungsdienste zu investieren als in kleine Akutspitäler, die dann gar nicht alle Fälle in der notwendigen Qualität behandeln können.»

Dank den modernen Rettungswagen sieht das Spitalamt auch kein Problem bei der Versorgung der Skitouristen, um die man sich besonders im Obersimmental sorgt. Das Gesundheitszentrum könne einfache Fälle behandeln; komplizierte Fälle würden schon heute in der Regel nach Thun verlegt.

Darüber hinaus kann das Gesundheitszentrum je nach den Bedürfnissen einer Region noch weitere Aufgaben haben. Es kann zum Beispiel auch die Rolle der Hausärzte übernehmen, wo diese fehlen.

Schon heute in Städten

Kein Gehör hat man im Spitalamt für den Einwand aus betroffenen Regionen, man wolle sich lieber vor Ort als in der fernen Stadt behandeln lassen. Die Statistik spricht laut dem Amt eine andere Sprache: Zum Beispiel im Emmental, aber auch in anderen Regionen meldeten sich schon heute nachweislich viele in einem Zentrumsspital ausserhalb der Region an, wenn sie sich einer planbaren Behandlung unterziehen müssen.

Nach den Vorstellungen des Spitalamts könnten in naher Zukunft eine ganze Reihe von Gesundheitszentren entstehen. Um die Grundversorgung aufrechtzuerhalten und zugleich die Kostensteigerung im Interesse der Prämien- und Steuerzahler einzudämmen, will das Amt die Umwandlung weiterer Akutspitäler zu Gesundheitszentren fördern. (Berner Zeitung)

Erstellt: 19.07.2010, 07:20 Uhr

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2 Kommentare

Reinmann Klaus

19.07.2010, 22:35 Uhr
Melden

Da liegt die SVP Oberaargau mit der eingereichten Petition betreffend der Forderung einer 24-Stunden-Ambulanz an den 3 Standorten Langenthal, Huttwil und Niederbipp nicht so falsch..................... Antworten


Peter Zweifel

20.07.2010, 11:10 Uhr
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@ Reinmann Klaus: Dann sollte die SVP Oberaargau mal zuerst die Einsatzzahl pro Tag an den verschiedenen Standorten anschauen und überlegen, dass sie a) das nötige Personal für eine 24-Stunden-Ambulanz dazu nicht finden wird und b) in Erklärungsnotstand geraten wird, wenn sie die Kosten pro Fall anschaut. Antworten



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