Spital-Spitze bekennt sich zu Riggisberg und Münsingen

Die Geburtsabteilung in Riggisberg wird unwiderruflich geschlossen. Gleichzeitig versucht der Verwaltungsrat aber, die Wogen zu glätten: Deutlicher als bisher beteuert er, die Spitalstandorte Riggisberg, Münsingen und Aarberg würden weitergeführt.

Bekennt sich zu den Spitälern Aarberg, Münsingen und Riggisberg: Joseph Rohrer, Präsident von Insel und Spitalnetz Bern.

Bekennt sich zu den Spitälern Aarberg, Münsingen und Riggisberg: Joseph Rohrer, Präsident von Insel und Spitalnetz Bern. Bild: Stefan Anderegg

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Es ist offensichtlich: Der heftige Widerstand gegen die Schliessung der Geburtshilfe am Spital Riggisberg hat die Verantwortlichen auf dem falschen Fuss erwischt. Das Timing ist für den Verwaltungsrat (VR) des Spitals ungünstig. Im Juni entscheidet der Grosse Rat, ob der VR das Inselspital und die Spitalnetz Bern AG wie geplant zusammenschliessen kann. Und ausgerechnet jetzt gibt es Ärger.

Die Aufregung ist inzwischen auf die Region Aarberg übergesprungen, wo sich präventiv 39 Gemeindepräsidenten zusammengetan haben, um sich schützend vor «ihr» Spital zu stellen. Zudem reichten sieben Grossräte aus der Region Riggisberg einen angriffigen Vorstoss ein: Sie fordern nicht nur die Rettung der Riggisberger Geburtshilfe, sondern notfalls auch personelle Wechsel im Spital-VR.

PR-Offensive der Spitalspitze

Der VR will die Kritik nicht im Raum stehen lassen und versucht nun intensiver, seine Pläne zu erklären. Diese Woche traf er sich mit den Spitzen der Grossratsfraktionen. In nächster Zeit sind Gespräche mit Vertretern der Regionen geplant. Gestern lud der VR zudem die Berner Medien zum Hintergrundgespräch.

Er setzte zwei Hauptbotschaften ab: Die Schliessung der Geburtshilfe Riggisberg ist unwiderruflich. «Wir werden nicht mehr auf diesen Entscheid zurückkommen», hielt VR-Vizepräsident Daniel Hoffet fest. Das bedeute aber nicht, dass der Standort Riggisberg gesamthaft gefährdet wäre; ebenso wenig wolle der VR die anderen Portalspitäler Aarberg und Münsingen schliessen.

Nur warten ist langweilig

Zuerst zur Riggisberger Geburtshilfe: Der VR hielt erneut fest, der Grund für die Schliessung sei nicht das Defizit, das in Riggisberg entsteht, sondern der Facharztmangel. Diese Begründung stösst in der Region auf Unglauben: Das Argument sei vorgeschoben, schreiben die sieben Grossräte in ihrem Vorstoss. Auch andere Regionsvertreter finden, ein so grosses Spitalunternehmen wie die Insel und das Spitalnetz müsse doch in der Lage sein, für Riggisberg genug Fachärzte aufzutreiben.

Dem widersprach VR-Präsident Joseph Rohrer. Für die Geburtshilfe müsse rund um die Uhr ein Viererteam inklusive Anästhesist und Gynäkologe abrufbar sein, um etwa auch notfallmässige Kaiserschnitte durchführen zu können. Allein für die Anästhesie seien 5,5 Stellen notwendig. Laut Rohrer ist es aber nicht möglich, für Riggisberg so viel Fachpersonal zu finden, zumal dieses damit rechnen müsse, die meiste Zeit nur zu warten und selten zum Einsatz zu kommen.

Und warum können nicht Insel-Ärzte im Turnus in Riggisberg Dienste übernehmen? Laut VR-Mitglied Michèle Etienne ist dies wegen des hohen Personalbedarfs der Geburtshilfe nicht möglich. Zudem leide auch die Insel unter Personalmangel.

Fazit: Aus dem Gespräch ging klar hervor, dass die Geburtshilfe nicht einmal dann gerettet werden könnte, wenn der Grosse Rat zusätzliches Kantonsgeld zur Verfügung stellen würde.

Alle Landspitäler erhalten

Deutlicher als bisher haben die VR-Mitglieder am Freitag beteuert, es gebe keinerlei Absichten, eines der drei Portalspitäler Riggisberg, Münsingen und Aarberg zu schliessen. Rohrer betonte, es sei gerade die einzigartige Stärke der Spitalgruppe, dass sie Patienten bis in die Peripherie hinaus abholen könne. Dies sei ein wichtiger Vorteil, da die Zahl der Patienten in der Agglomeration Bern, um die bekanntlich viele Spitäler buhlen, begrenzt sei. Rohrer bekräftigte aber, es werde auch von der Bevölkerung der Region abhängen, ob ihre Spitäler eine Zukunft haben: «Wenn man für jeden Eingriff in ein Privatspital geht, werden unsere Portalspitäler nicht rentieren.»

Ja zu Geburtshilfe Münsingen

Noch offen ist, welche Rolle diese Portalspitäler genau spielen sollen und wie ihre Angebotspalette aussehen wird. Der VR will dies wegen der Kritik nun rascher klären als geplant: Bis im September sei man so weit, so Rohrer.

Mit Blick auf den Standort Münsingen wurde Vizepräsident Hoffet aber schon gestern ziemlich deutlich: Hier sei weder die Schliessung der Geburtshilfe noch der Orthopädie ein Thema. Daraus folgt, dass auch das Notfallangebot dieses Standorts nicht reduziert werden soll.

Keine Wirtschaftsförderung

Auch in Aarberg soll die Orthopädie weitergeführt werden; eine Geburtshilfe gibt es hier nicht. Grundsätzlich sollen alle Portalspitäler weiterhin rund um die Uhr Notfallangebote betreiben. Die Operationsbereitschaft soll aber aus Kostengründen in Riggisberg und vielleicht auch in Aarberg primär nachts reduziert werden, so wie dies auch am Zieglerspital in Bern geplant ist.

Insgesamt wurde erneut deutlich, dass Kostendruck, Personalmangel und Spezialisierung die Zukunft der Spitäler prägen werden. In den Worten von Daniel Hoffet: «Die Zeiten, in denen wir überall in der Landschaft sympathische Kleinspitäler mit umfassendem Angebot haben, sind vorbei.» Und: «Unsere Aufgabe ist medizinische Grundversorgung und nicht regionale Wirtschaftsförderung.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 25.05.2013, 12:27 Uhr

Zusammenschluss

Insel und Spitalnetz Bern AG haben denselben Verwaltungsrat (VR), da der Kanton die beiden Unternehmen zusammenschliessen will. Im Vorfeld war primär aus dem Spitalnetz zu hören, es drohe eine Übernahme: Die grosse Insel werde die kleinere Spitalgruppe schlucken.

Dieser Verdacht wurde jüngst aufgefrischt, als der VR bekannt gab, wie er die neue Geschäftsleitung des Grossspitals besetzen wird: Sechs Mitglieder kommen aus der heutigen Insel-Leitung – eines kommt vom Spitalnetz. Der CEO wird extern gesucht.

Dennoch beteuert der VR, das sei keine Übernahme. Mitglieder der Spitalnetz-Spitze erhielten zum Teil Posten auf der zweiten Führungsebene und hätten dort interessantere Aufgaben als bisher. Dazu passt, dass laut dem VR auch der heutige Spitalnetz-CEO Reto Flück im Unternehmen bleibt. Welchen Posten er übernehme, sei noch offen. (fab)

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