SBB lassen das Oberland doch nicht fallen

Die BLS hat sich in ihrem Kampf um Fernverkehrskonzessionen verrannt: Die SBB wollen das Oberland gar nicht von den direkten Intercitys in Richtung Zürich abhängen.

Die BLS und die SBB streiten sich um Linien im Fernverkehr.

Die BLS und die SBB streiten sich um Linien im Fernverkehr. Bild: Keystone

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Plötzlich ist alles anders. Noch im April schien es, als ob die SBB das Oberland komplett vom direkten Intercity-Verkehr nach Zürich und zum Flughafen abhängen wollten. So stellte es vor den Medien die Konkurrentin BLS dar, die den SBB Bewilligungen im schnellen Städteverkehr abluchsen möchte.

Im Auge hat die BLS drei Linien. Den Intercity, der Interlaken über Bern mit Zürich, dem Flughafen und der Ostschweiz verbindet. Halbstündlich versetzt dazu den Intercity, der Brig über Bern mit Zürich, dem Flughafen und der Ostschweiz verbindet. Und parallel zu dieser zweiten Linie eine dritte, die wiederum in Interlaken beginnt, nach Basel führt und den Halbstundentakt nach Bern bringt.

Dieses Konzept habe den Vorteil, warb BLS-Direktor Bernard Guillelmon für seine Sache, dass es den Kunden aus dem Oberland weiterhin regelmässige umsteigefreie Züge über Bern hinaus biete. Die SBB dagegen hätten vor, die Züge mit Ziel Zürich und Flughafen künftig allesamt in der Westschweiz zu starten.

Nur – das ist falsch. «Es werden weder Linien gekappt noch isoliert», sagt SBB-Sprecherin Ma­sha Foursova. Ab 2025, wenn das Gleisfeld in Bern-Wylerfeld entflochten sei, führen die Züge nicht mehr nur ab Spiez und Thun, sondern auch wieder von Interlaken direkt nach Zürich und dem Flughafen. Konkret plane man, den stündlichen Intercity mal in Interlaken und mal in Brig starten zu lassen. Damit werde der Flughafen mit beiden Orten im Zweistundentakt direkt verbunden. Weil gleichzeitig zum Zug aus Interlaken ein Intercity von Brig nach Basel und gleichzeitig zum Zug aus Brig ein Intercity von Interlaken nach Basel fahre, ergebe sich – mit Umsteigen in Bern – ein Stundentakt.

Für die weitere Zukunft denke man tatsächlich darüber nach, «die Züge aus der Romandie via Bern eher nach Zürich zu führen», so Foursova weiter. «Aber nicht zulasten, sondern zusätzlich zu anderen Verbindungen.»

«Internes Missverständnis»

Diese Botschaft ist mittlerweile auch bei der BLS angekommen. Sprecher Hugo Wyler redet mit Blick auf die Argumentation im April von einem «internen Missverständnis». Dennoch preist er das Konzept der BLS als vorteilhafter – weil es nicht nur jede zweite, sondern jede Stunde eine umsteigefreie Verbindung aus dem Oberland in Richtung Zürich bietet. Davon werde gerade der Tourismus profitieren: «Für eine so zentrale Destination wie die Jungfrauregion sind stündliche Direktverbindungen zum Flughafen wichtig.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 10.06.2017, 12:52 Uhr

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