Rickenbacher auf Stallvisite
Von Susanne Graf. Aktualisiert am 24.08.2011 3 Kommentare
Die Berner Bauern und der Volkswirtschaftsdirektor haben das Heu nicht immer auf der gleichen Bühne. Was Andreas Rickenbacher (SP) bei der Vernehmlassung zur Weiterentwicklung der Direktzahlungen verlauten liess, gefiel nicht allen. Er forderte mehr Bundesmittel für ökologische Leistungen. «Das enttäuschte uns», sagte Lobag-Präsident Walter Balmer gestern in Affoltern. Die Bauernorganisation kritisierte damals die Stellungnahme der Regierung: Diese lege «den Fokus einseitig auf ökologische Aspekte». Dass der Kanton Bern als Agrarkanton massgeblich zur Produktion von Nahrungsmitteln und zur Versorgungssicherheit beitrage, werde ausser Acht gelassen.
Rendite oder Ökologie
Gestern nun lud die Lobag den Volkswirtschaftsdirektor ins Emmental. Auf zwei Betrieben wollte sie Rickenbacher vor Augen führen, wie sich das Spannungsfeld zwischen produzierender Landwirtschaft, Ökologie und Marktöffnung auf die Bauern auswirke. Auf dem ersten Betrieb sorgte prompt eine die Ökologie betreffende Frage für Diskussionen: Beat Marti, der auf seinem 22-Hektaren-Betrieb zwar 42 Hochstammbäume hat, musste Rickenbacher erklären, weshalb er trotzdem bei keinem Vernetzungsprojekt mitmacht, obwohl er dafür mehr Direktzahlungen beziehen könnte. Marti führte ihn hinter das Haus, zeigte auf eine der seltenen ebenen Flächen, auf denen er Ackerbau betreibt. Wollte er von der ökologischen Vernetzung profitieren, müsste er mitten durch dieses Landstück eine Hecke oder eine Reihe Hochstammbäume pflanzen, um seine Hofstatt mit dem Wald zu vernetzen. Das Fuhrwerken mit den Maschinen würde mühsam. Ulrich Känzig, der Leiter der Abteilung für Naturförderung im Amt für Landwirtschaft und Natur (Lanat), räumte ein: «Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist es nachvollziehbar, dass Sie hier nicht mitmachen.» Genau deshalb seien solche Programme freiwillig.
Dreckige Luft oder Tierwohl
Daneben droht den Bauern aber eine Schwierigkeit, der sie unfreiwillig gegenüberstehen werden: das Problem mit dem Ammoniak, das aus offenen Ställen in die Luft entweicht und diese belastet. Marti hält nebst 24 Milchkühen auch 165 Mastschweine, mit denen er für Coop Naturaplan Fleisch produziert. Vor elf Jahren liess er einen Schweinestall bauen, in dem die Tiere Auslauf ins Freie haben. Aber Balmer befürchtet, dass sich «der Zielkonflikt zwischen Luftreinhaltung und Tierwohl zuspitzen» und die Bundesverwaltung die Luftreinhaltung höher gewichten könnte. Das würde bedeuten, dass heutige Laufställe wieder umgebaut werden müssten. Der Lobag-Präsident sagte gestern: «Ich hoffe, dass wir es dann im Lanat mit Leuten zu tun haben werden, die das nötige Mittelmass finden werden.»
Gross ist der Einfluss des Kantons Bern in der Ausgestaltung der Landwirtschaftspolitik nicht. Deshalb hielten sich die Bauern gestern auch mit konkreten Forderungen zurück.
«Fantasie für Lösungen»
Nur auf dem Hof von Roland Ryser äusserte die Lobag eine klare Erwartung. Ryser, der oberhalb der Emmentaler Schaukäserei Milchwirtschaft betreibt, hatte von den Schwierigkeiten mit der Milchkäuferin erzählt. Die Schaukäserei bezahlt ihren Lieferanten für die Milch, die sie zu Emmentaler verkäst, noch 53 Rappen. Das seien 4 bis 5 Rappen weniger, als er bekäme, wenn er die Milch in die Industrie liefern würde, sagte Ryser. Deshalb sehe es danach aus, als ob er und seine Kollegen «ab Neujahr an der Schaukäserei vorbeifahren und die Milch in eine Sammelstelle bringen werden». Hier hakte Lobag-Geschäftsführer Donat Schneider ein: «Würde der Kanton bei der Rückzahlung von Investitionskrediten einen Aufschub gewähren, gäbe das gewissen Käsereien kurzfristig etwas Luft.» Franz Hofer, Leiter der Abteilung für Strukturverbesserungen, dämpfte allzu grosse Hoffnungen: 16 Käsereien seien es, die im Dezember zur Rückzahlung von insgesamt 320'000 Franken aufgefordert würden. Das Grundproblem werde damit also nicht gelöst. Zudem fehle die Rechtsgrundlage für einen Aufschub. Als Hofer dann noch anfügte, «aber wir haben die Fantasie, um nach Lösungen zu suchen», waren die Lobag-Vertreter trotzdem zufrieden.
Rickenbacher, der den Ausführungen interessiert gefolgt war, ging am Schluss mit Lobag-Präsident Balmer einig, als er mit einem Blick auf das globale Geschehen sagte: «Die Landwirtschaft und die Produktion von Lebensmitteln könnten wieder einmal einen ganz anderen Wert bekommen.» (Berner Zeitung)
Erstellt: 24.08.2011, 09:30 Uhr
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3 Kommentare
so stellt man sich eine sp-volkswirtschaftsdirektor vor: besucht die volkseigenen betriebe (VEB), weil mit 4.5 millarden direktzahlungen subenvtioniert und vergisst darüber, villeicht mal produktive branchen in den kanton zu holen. aber es handelt sich wohl um eine SP-krankheit: nehmen ist seliger als geben Antworten
Und wer bitte setzt sich dafür ein, dass die "VEB" so subventioniert werden? Klar, die Partei mit der Sonne, den grünen Hügeln und der Schweizer-Fahne.... Von dieser Partei werden nur Sparmassnahmen im sozialen Bereich gefordert, aber die "VEB" mal auf gesunde Füsse zu stellen, da würde man ja Wähler verlieren. Vor 40 Jahren haben 3 Generationen einen Hof bewirtschaftet, heute ist es 1 Person.. Antworten

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