Reformierte Kirche im Abwärtstrend
Von Michael Widmer. Aktualisiert am 06.04.2010
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Aus den Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn sind letztes Jahr so viele Mitglieder ausgetreten wie noch nie: 3876 Personen haben ihr 2009 gemäss Angaben des Informationsportals «reformiert» den Rücken gekehrt – das sind gut 25 Prozent mehr als im Vorjahr und fast 40 Prozent mehr als im zehnjährigen Durchschnitt. Eingetreten sind 2009 exakt 339 Personen.
Der Abwärtstrend ist kein Berner Phänomen: Gemäss der noch unveröffentlichten Studie «Die Zukunft der Reformierten» des Lausanner Religionssoziologen Jörg Stolz und seiner Kollegin Edmée Ballif wird der Anteil der reformierten Bevölkerung in der Schweiz bis im Jahr 2050 von heute 33 auf höchstens noch 20 Prozent schrumpfen. Wie die Autoren festhalten, lässt sich die Entwicklung nicht stoppen: «Wie immer sich die reformierten Kirchen auch verhalten: Sie werden in den nächsten Jahrzehnten kleiner und ärmer, und das Durchschnittsalter der Mitglieder wird steigen», zitierte die «NZZ am Sonntag» aus der Arbeit, die vom Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund (SEK) in Auftrag gegeben wurde.
«Schuld» am Abwärtstrend seien gesellschaftliche Megatrends, wie die zunehmende Entflechtung von Kirche und Staat, aber auch Schulen und Kirchen. Nicht nur gingen damit finanzielle Einbussen einher, auch das religiöse Wissen nehme ab. «Es bleibt den Kirchen nichts anderes übrig, als die Trends für ihr strategisches Handeln zu akzeptieren», so Stolz. Heute fehle es aber an Wissenstransfers unter den Kirchen. Kritisiert wird die unklare Rolle des SEK.
«Klarere Positionen»
«Die Entwicklung hat für die reformierte Kirche einschneidende Konsequenzen. Wir können unser Angebot kaum aufrechterhalten», konstatierte der in Bern tätige Matthias Hui von der Fachstelle OeME Ökumene – Mission – Entwicklung der reformierten Kirche in der Schweiz auf Anfrage. Doch er will diesen Trend auch als Chance begreifen. Die OeME arbeite weltweit mit Kirchen zusammen. «Viele davon verfügen nicht über solche finanziellen Mittel wie wir und leisten trotzdem wertvolle Arbeit. Von diesen können wir lernen», betont er. (Berner Zeitung)
Erstellt: 06.04.2010, 07:14 Uhr






