Politologe: «Berner SVP-Basis schon länger Blocher-treu»
Von Fabian Schäfer. Aktualisiert am 30.03.2010 7 Kommentare
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Die SVP Schweiz legt seit 1995 Wahljahr für Wahljahr zu – und immer wieder ist zu hören, nun habe die Partei aber ihren Zenit erreicht und könne nicht mehr weiterwachsen. Das hinderte sie bisher jedoch nicht daran, weiter zuzulegen: auf 29 Prozent im Jahr 2007. Welche Prognosen lassen sich nun im Nachgang zu den Berner Wahlen für die Nationalratswahlen im Oktober 2011 anstellen? Vieles deutet darauf hin, dass die SVP in der Tat weitere Gewinne erzielen könnte, wie eine kleine Umfrage bei versierten Beobachtern zeigt.
Unbegrenzt oder nicht?
«Die Berner Wahlen zeigen, dass die SVP das Potenzial hat, noch weiter zuzulegen», sagt Politikexperte Iwan Rickenbacher. Er betont, im Kanton Bern sei die SVP unter schwierigsten Bedingungen angetreten: Die bürgerliche Konkurrenz sei stark gewesen, vor allem auch wegen der BDP-Abspaltung im Jahr 2008. Dass die SVP mit 26,6 Prozent trotzdem fast den Wähleranteil von 2006 (27,4) erreichte, deutet laut Rickenbacher darauf hin, dass sie 2011 in Kantonen ohne grosse bürgerliche Konkurrenz weiter zulegen kann.
Auch der Zürcher Politgeograf Michael Hermann sagt, die SVP habe «absolut» das Potenzial, weiter zuzulegen. «Die grosse Entzauberung der SVP und die Enttäuschung ihrer Anhänger werden erst einsetzen, wenn die SVP mindestens zwei Bundesräte stellt, die wirklich auf Parteilinie politisieren. Das gab es bisher noch nie.» Erst wenn die SVP wirklich Regierungsverantwortung übernehmen müsse, könne sie sich nicht mehr als Opposition profilieren. «Solange sie sich als einziges Korrektiv zum Bundesrat anbieten kann, sind ihrem Wachstum keine natürlichen Grenzen gesetzt», sagt Hermann. So gesehen hat die Konkurrenz der SVP einen grossen Gefallen getan, als sie Bundesrat Blocher 2007 abgewählt hat.
Die Basis ging schon früher
Eine «natürliche Grenze» sieht hingegen der Lausanner Politologe Georg Lutz: Er hält ein weiteres Wachstum der SVP zwar für möglich, über 33 Prozent dürfte sie nach ihm aber höchstens für kurze Zeit hinauskommen. «Mehr gibt das national-rechtskonservative Potenzial in der Bevölkerung nicht her.»
In einem Punkt sind sich Lutz und Hermann wieder einig: Die Berner SVP habe bei den Grossratswahlen unerwartet gut abgeschnitten und verdanke dies vor allem der Treue ihrer Basis. «Die SVP hat ihre Wähler von 2006 zum grössten Teil behalten und kaum Stimmen an die BDP verloren», schätzt Hermann. Die These lässt sich so zusammenfassen: Die BDP-Abspaltung 2008 war die Abspaltung einer Elite, nicht aber der Basis. Die meisten Anhänger der «liberalen, alten» Berner SVP hatten sich schon früher verabschiedet und wählten in der Zwischenzeit andere Parteien – vorab wohl FDP – oder gar nicht mehr. Demnach haben die meisten, die 2006 SVP wählten, bereits die «Zürcher SVP» gewählt. In Lutz’ Worten: «Die SVP-Wähler in Bern sind schon länger genauso Blocher-treu wie in der ganzen Schweiz.» Er spricht daher von einer «Normalisierung» der Berner SVP. (Berner Zeitung)
Erstellt: 30.03.2010, 10:56 Uhr
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7 Kommentare
Immer diese langweiligen Behauptungen, die SVP sei Regierungs- und Oppositionspartei. Was soll diese dümmliche Behauptung? Gerade dies macht doch das System der Schweiz aus und bezieht sich auf JEDE Partei. Warum sagt man dies nie über die SP - die Partei, die die meisten Initiativen startet (auch gegen den BR und das Parlament - z.B. BVG) und trotzdem mit 2 Bundesräten/innen vertreten ist. Antworten
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