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Politologe: «Berner SVP-Basis schon länger Blocher-treu»

Die BDP-Abspaltung ging fast spurlos an der Berner SVP vorüber. Wie ist das möglich? Politologe Georg Lutz sagt, dass grosse Teile der Basis schon länger die «Blocher-SVP» gewählt haben. Und dass die Partei national weiterwächst.

Karikatur: Max Spring

Grossratswahlen im Kanton Bern 2010

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Die SVP Schweiz legt seit 1995 Wahljahr für Wahljahr zu – und immer wieder ist zu hören, nun habe die Partei aber ihren Zenit erreicht und könne nicht mehr weiterwachsen. Das hinderte sie bisher jedoch nicht daran, weiter zuzulegen: auf 29 Prozent im Jahr 2007. Welche Prognosen lassen sich nun im Nachgang zu den Berner Wahlen für die Nationalratswahlen im Oktober 2011 anstellen? Vieles deutet darauf hin, dass die SVP in der Tat weitere Gewinne erzielen könnte, wie eine kleine Umfrage bei versierten Beobachtern zeigt.

Unbegrenzt oder nicht?

«Die Berner Wahlen zeigen, dass die SVP das Potenzial hat, noch weiter zuzulegen», sagt Politikexperte Iwan Rickenbacher. Er betont, im Kanton Bern sei die SVP unter schwierigsten Bedingungen angetreten: Die bürgerliche Konkurrenz sei stark gewesen, vor allem auch wegen der BDP-Abspaltung im Jahr 2008. Dass die SVP mit 26,6 Prozent trotzdem fast den Wähleranteil von 2006 (27,4) erreichte, deutet laut Rickenbacher darauf hin, dass sie 2011 in Kantonen ohne grosse bürgerliche Konkurrenz weiter zulegen kann.

Auch der Zürcher Politgeograf Michael Hermann sagt, die SVP habe «absolut» das Potenzial, weiter zuzulegen. «Die grosse Entzauberung der SVP und die Enttäuschung ihrer Anhänger werden erst einsetzen, wenn die SVP mindestens zwei Bundesräte stellt, die wirklich auf Parteilinie politisieren. Das gab es bisher noch nie.» Erst wenn die SVP wirklich Regierungsverantwortung übernehmen müsse, könne sie sich nicht mehr als Opposition profilieren. «Solange sie sich als einziges Korrektiv zum Bundesrat anbieten kann, sind ihrem Wachstum keine natürlichen Grenzen gesetzt», sagt Hermann. So gesehen hat die Konkurrenz der SVP einen grossen Gefallen getan, als sie Bundesrat Blocher 2007 abgewählt hat.

Die Basis ging schon früher

Eine «natürliche Grenze» sieht hingegen der Lausanner Politologe Georg Lutz: Er hält ein weiteres Wachstum der SVP zwar für möglich, über 33 Prozent dürfte sie nach ihm aber höchstens für kurze Zeit hinauskommen. «Mehr gibt das national-rechtskonservative Potenzial in der Bevölkerung nicht her.»

In einem Punkt sind sich Lutz und Hermann wieder einig: Die Berner SVP habe bei den Grossratswahlen unerwartet gut abgeschnitten und verdanke dies vor allem der Treue ihrer Basis. «Die SVP hat ihre Wähler von 2006 zum grössten Teil behalten und kaum Stimmen an die BDP verloren», schätzt Hermann. Die These lässt sich so zusammenfassen: Die BDP-Abspaltung 2008 war die Abspaltung einer Elite, nicht aber der Basis. Die meisten Anhänger der «liberalen, alten» Berner SVP hatten sich schon früher verabschiedet und wählten in der Zwischenzeit andere Parteien – vorab wohl FDP – oder gar nicht mehr. Demnach haben die meisten, die 2006 SVP wählten, bereits die «Zürcher SVP» gewählt. In Lutz’ Worten: «Die SVP-Wähler in Bern sind schon länger genauso Blocher-treu wie in der ganzen Schweiz.» Er spricht daher von einer «Normalisierung» der Berner SVP. (Berner Zeitung)

Erstellt: 30.03.2010, 10:56 Uhr

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7 Kommentare

Markus Steiner

15.04.2010, 12:05 Uhr
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@tinamueller: Die SVP ist stark geblieben, weil sie nicht eine Partei der Elite ist, sondern eine Partei der Werte, schweizerischen Werten, welche unser Land stark gemacht und über Jahrhunderte hinweg vor existenziellem Schaden bewahrt haben. Im Nachhinein betrachtet: Es ist gut, dass die früheren, vermeintlichen Eliten sich abgespalten haben. Die SVP hat in Bern wieder zu sich selbst gefunden. Antworten


Patrick Zwahlen

30.03.2010, 19:15 Uhr
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@Tina Müller: Wenn Sie sich da nur nicht täuschen. Ich glaube, dass Sie sich das wünschen, aber seien Sie dann nicht enttäuscht, wenn es in die andere Richtung geht... Antworten


Roger Nufer

30.03.2010, 17:50 Uhr
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Was "Experten" nun auch merken, war schon vor drei Jahren absehbar. Die damalige unheilige Allianz von SP, CVP, FDP und anderen Parteien tat sich mit der Abwahl Blochers einen Bärendienst . Die sogenannte "neue Mehrheit" taugte nur für die Abwahl, sonst für nichts. Der Jubel war von kurzer Dauer. In der Mitte tummeln sich zuviele Parteien, die sich nun gegenseitig konkurrieren. Sehr Kurzsichtig! Antworten


Tina Müller

30.03.2010, 17:28 Uhr
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Ich bin sicher, dass die SVP 2011 auf 25% Wähleranteil sinken wird. Im landwirtschaftlich stark geprägten Kanton Bern von einem 'grossen' Erfolg im GR bei einem sehr grossen Wahlkampfbudget zu sprechen, ist leicht verfehlt. Blocher ist nun alt, er kränkelt, verhaspelt sich öfters und er begeht denselben Fehler wie seinerzeit James Schwarzenbach: es gibt nur ihn, Nachfolger werden keine da sein. Antworten


Heinz Gerber

30.03.2010, 14:24 Uhr
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Die Prognosen, Analysen und Synthesen der Politologen kann ich gar nicht mehr ernst nehmen, es ist zum gähnen. Claude Longchamps lässt grüssen..... Antworten


Martin Lerch

30.03.2010, 13:30 Uhr
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Die Karikatur ist lustig. Leider beschränkt sich die Weisheit der Politikwissenschafter auf das Niveau dieser Karikatur. Antworten


Heinz Frey

30.03.2010, 12:29 Uhr
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Immer diese langweiligen Behauptungen, die SVP sei Regierungs- und Oppositionspartei. Was soll diese dümmliche Behauptung? Gerade dies macht doch das System der Schweiz aus und bezieht sich auf JEDE Partei. Warum sagt man dies nie über die SP - die Partei, die die meisten Initiativen startet (auch gegen den BR und das Parlament - z.B. BVG) und trotzdem mit 2 Bundesräten/innen vertreten ist. Antworten



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