Region
Noch ermahnt die Polizei nur
Von Susanne Graf. Aktualisiert am 24.07.2009 4 Kommentare
Viele rauchen draussen
Seit dem 1.Juli darf nicht nur in den Berner Restaurants nicht mehr geraucht werden, sondern auch in den kantonalen Verwaltungsgebäuden. So will es der Regierungsrat. Mitarbeitende der Direktionen für Erziehung, Finanzen, Gesundheit und Fürsorge, Justiz und Gemeinden sowie Polizei und Militär müssen draussen rauchen.
In der für das Rauchverbot zuständigen Volkswirtschaftsdirektion hingegen darf immer noch geraucht werden. Neben der Cafeteria wurde ein Fumoir eingerichtet. In der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion ebenso. Die Polizeidirektion wird nächstes Jahr, wenn das Passbüro ausgezogen sein wird, ebenfalls ein Fumoir erhalten.
Die Mitarbeiter der Steuerverwaltung müssen zum Rauchen nicht nach draussen: Im Gebäude an der Brünnenstrasse stehe schon länger auf jedem Stock ein kleines Fumoir zur Verfügung, sagt die Sprecherin Yvonne von Kauffungen. «Wir wollten nicht, dass die Leute vor dem Haupteingang rauchen.»
Zu den Kosten kann Corsin Caluori vom Amt für Grundstücke und Gebäude keine Angaben machen. Aber er sagt: «Wir sind zurückhaltend mit Investitionen.»sgs
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Rund ein Viertel der Emmentaler Wirte werde sich nicht an das Rauchverbot halten, sagte Urs Mäder kürzlich gegenüber «10 vor 10». Der Präsident von Gastro Emmental lässt in seinem Betrieb in Trubschachen zwar nicht mehr rauchen, zeigte aber Verständnis für rebellierende Kollegen. Ist also davon auszugehen, dass in den Restaurants des Kantons Bern fröhlich weitergeraucht wird? Markus Grossenbacher, Präsident der Berner Statthalter, hat keine entsprechenden Hinweise. Er, der im Amt Trachselwald tätig ist, spricht von einer «sehr ruhigen» Situation und ist überzeugt, dass es ihm zu Ohren gekommen wäre, wenn Wirte das Verbot ignorieren würden.
In der Stadt Bern ist es laut Marc Heeb, Leiter der Orts- und Gewerbepolizei, ebenfalls «erstaunlich ruhig». Vereinzelt seien Meldungen eingegangen, wonach in bestimmten Restaurants immer noch geraucht werde. «Aber als wir diesen nachgingen, stellte sich heraus, dass es sich überall um bewilligte Fumoirs handelte.»
Nicht mit «Zweihänder»
Ausser in Bern und Biel ist in allen übrigen Gemeinden die Kantonspolizei zuständig. Bisher hat sie keine Anzeigen ausgestellt. Angezeigt würden Wirte, «die nichts unternehmen, damit in ihren Lokalen nicht mehr geraucht wird», erklärt Polizeisprecher Franz Märki. Der Untersuchungsrichter würde die Höhe der Busse festlegen. Bis zu 20000 Franken kann es kosten, wenn er in seinem Lokal rauchen lässt.
Rauchende Gäste können die Polizisten direkt mit einer Ordnungsbusse von 40 Franken bestrafen. Ob bereits zu diesem Mittel gegriffen wurde, konnte Märki gestern nicht mit Sicherheit sagen. «Über Ordnungsbussen sind wir nicht tagesaktuell informiert.»
Sicher sei aber, dass das Rauchverbot noch zu jung sei, als dass die Polizei bei Widerhandlungen «mit dem Zweihänder einfahren» würde. Zuerst würden die Wirte noch einmal aufgeklärt und ermahnt, sagt Märki. «Erst wenn man sieht, dass sie die Aschenbecher immer noch nicht verräumen, wird es zu einer Anzeige kommen.»
Casimir Platzer, Präsident von Gastro Bern, glaubt nicht, dass sich viele Wirte über das Verbot hinwegsetzen. Von seinen Kollegen höre er wenig.
Hoffen auf Bundesgericht
Aber Platzer selber ist nicht glücklich: In seinem Betrieb, im Hotel Viktoria Ritter in Kandersteg, hat er in der einstigen Bar ein Fumoir eingerichtet. Die Ausschankeinrichtungen sind zwar noch da, dürfen aber nicht genutzt werden. Das Gesetz erlaubt bediente Fumoirs, will aber verhindern, dass die Bedienung ständig dem Rauch ausgesetzt ist. Damit er die Verordnung korrekt umsetzen konnte, platzierte Platzer den Kühlschrank und eine mobile Zapfeinrichtung im Gang vor dem Fumoir. «Jetzt muss die Barmaid für jedes ‹Halbeli› in den Gang hinaus.» Das sei lächerlich und schikanös, sagt ihr Chef und hofft auf das Bundesgericht. Die Beschwerde von Gastro Bern gegen die Verordnung zum Rauchverbot ist immer noch hängig. (Berner Zeitung)
Erstellt: 24.07.2009, 08:50 Uhr
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4 Kommentare
Wieso verrauchtes Fumoir? Die "Berner Fumoirs" sind doch abgeschlossene Räume mit eigener Lüftung (Art. 27, Abs. 2 Gastgewerbegesetz BE). Wenn die Lüftung eingeschaltet ist, dann handelt es sich nicht mehr um einen "unanständigen" und "verrauchten" Raum. Ruedi Löffel (EVP/BE) widerspricht sich am laufenden Band. Und wenn die "Barmaid" auch Raucherin ist - was ist dann? Antworten
Es steht Ruedi Löffel frei, nur noch "anständige" Gastrobetriebe zu besuchen. In meinen "unanständigen" Restaurants habe ich Ruedi Löffel noch nie angetroffen, ich verstehe deshalb seine Hyperventilation nicht. Er verbreitet nach wie vor Lügen zu politischen und persönlichen Zwecken. Es gibt keine wissenschaftlichen Beweise für die Schädlichkeit von Passivrauch in Gaststätten. Antworten
"Es sei lächerlich und schikanös, dass die Barmaid für jedes ‹Halbeli› in den Gang hinaus muss", sagt der Präsident von Gastro Bern. In Tat und Wahrheit ist es genau das Gegenteil: Ein minimaler Schutz für die Angestellten. So müssen sie sich wenigstens nicht dauernd im verrauchten Fumoir aufhalten, was in anständigen Gastrobetrieben eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte... Antworten








Ben Palmer
Ruedi Löffel hat sich seine Passivrauchphobie selbst eingeredet, wohl wissend, dass seine Behauptungen über die Schädlichkeit von Passivrauch einer sachlichen Analyse nicht standhalten. Offenbar will er alle Gaststätten persönlich monopolisieren. Seiner Nächstenliebe könnte er am Besten dadurch Ausdruck geben, dass er seinen Mitbürgern die freie Wahl überlässt, statt sie zu bevatern. Antworten