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Neue Ideen für alte Menschen

Von Hannah Einhaus. Aktualisiert am 17.08.2011

Alt ist nicht alt. Vom fitten Rentner bis zur pflegebedürftigen, hochbetagten Seniorin ist das Alterssegment alles andere als homogen. Die Stadt Bern hat ein Paket von Massnahmen geschnürt, die diesen unterschiedlichen Interessen Rechnung tragen sollen.

Fit und rüstig: Pensionierte und Grauhaarige gehören noch lange nicht zum alten Eisen. Die unterschiedlichen Bedürfnisse werden oft unterschätzt.

Fit und rüstig: Pensionierte und Grauhaarige gehören noch lange nicht zum alten Eisen. Die unterschiedlichen Bedürfnisse werden oft unterschätzt.
Bild: Colourbox

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Nach der Pensionierung haben die meisten Männer und Frauen noch eine Lebenserwartung von 20 bis 30 Jahren. Während die einen topfit sind, benötigen andere intensive Pflege. Trotz der unterschiedlichsten körperlichen, psychischen und sozialen Verfassung werden Seniorinnen und Senioren gerne als homogene Gruppe bezeichnet. Dieser Vielfalt an Bedürfnissen und Fähigkeiten will die Stadt Bern gerecht werden. Im Juni hat sie deshalb ein Alterskonzept mit 41 Massnahmen für die Jahre bis 2020 vorgestellt. Im Kern stehen die Förderung der Selbstständigkeit und die Hilfe zur Selbsthilfe. Derzeit läuft die Vernehmlassung. Am Montag präsentierte Rita Gisler, Leiterin des Alters- und Versicherungsamts der Stadt Bern, öffentlich die Pläne.

Neue Arbeitsformen

Die Stadt spricht von einem grossen Potenzial der Pensionierten. Im Jahr 2013 will die Stadt in den Quartieren eine Bestandesaufnahme durchführen, um die Bereitschaft für Nachbarschafts- und Selbsthilfe sowie Freiwilligenarbeit abzuklären. Besonderes Interesse besteht an neuen Arbeitszeitmodellen. «In der Verwaltung könnten wir uns gut Mitarbeitende mit Teilzeitpensen vorstellen, die sich schrittweise zurückziehen, unseren jüngeren Mitarbeitenden aber ihr Know-how weitergeben könnten», sagt Rita Gisler. Es handle sich aber erst um eine Absicht.

Neue Wohnformen

Bei neuen Siedlungen will die Stadt bereits in der Planungsphase altersspezifische Bedürfnisse berücksichtigen. Dazu gehören rollstuhltaugliche Zugänge ins Gebäude oder Lifte. Aktuell geschieht dies erst bei der Überbauung Stöckacker Süd, welche rund 30 Wohnungen für Ältere vorsieht. Eigene Alters- und Pflegeplätze führt die Stadt heute nicht mehr. Betreiber sind heute Senevita und Domicil. Bei Letzterem hat die Stadt jedoch zwei Sitze im Verwaltungsrat. «Hier können wir mitreden und die Interessen der Stadt einbringen», so Gisler. Erst bei Personen im Alter über 80 Jahre steigt der Bedarf an Pflegeplätzen. Für 29 Prozent der über 80-Jährigen steht ein Pflegeplatz zur Verfügung. In den letzten Jahren wurde die Anzahl Pflegebetten laufend ausgebaut. «Das liegt an der Rückwanderung von älteren Personen in die Stadt, die während ihrer Familienphase in die Agglomeration gezogen sind», erklärt Gisler. Bis ins Jahr 2025 rechnet die Stadt mit einer Zunahme der über 80-Jährigen von 5,6 Prozent, was laut Gisler jedoch kaum Auswirkungen auf den Wohnungsbedarf haben wird.

Neue Informationen

Grossen Wert legt die Stadt auf die Vermittlung von Informationen. «Angebote zur Beratung und andere Hilfestellungen muss die Stadt nicht selber anbieten», so Rita Gisler. Es bestünden bereits zahlreiche Organisationen und Institutionen, die dies abdeckten. «Wir bündeln aber die Information, sodass die Senioren oder ihre Angehörigen mit unserer Broschüre ‹nimmergrün› rasch einen Überblick erhalten über Angebote für Freizeitaktivitäten, Gesundheits-, Geld- und Wohnfragen.» Nicht zuletzt dient dieser Kompass jenen, die mit der Betreuung ihrer betagten Angehörigen oft überfordert sind, es aber nicht wagen, nach einer Entlastung zu suchen. Dabei würden Mittagstische, Tagesplätze oder Ferienbetten existieren. «Das Angebot der Kinderbetreuung ist heute bekannt und wird genutzt», sagt die Leiterin des städtischen Alters- und Versicherungsamts, «bei der Altersbetreuung sind noch viele gehemmt.»

Die Vernehmlassung zu Konzept und Massnahmen läuft. Ende Jahr will der Gemeinderat entscheiden. Die jährlichen Ausgaben belaufen sich auf rund 180000 Franken. Dies umfasst vor allem die Informations- und Vernetzungsarbeit des Alters- und Versicherungsamts. Finanzielle Leistungen an Personen und Heime richtet die Stadt nicht mehr direkt aus. Diese sind Sache von Bund, Kanton und Lastenausgleich. (Berner Zeitung)

Erstellt: 17.08.2011, 07:22 Uhr

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