Nach Aldi versucht es nun auch Lidl

Von Philippe Müller. Aktualisiert am 13.03.2010

Ende März eröffnet Lidl im Kanton Bern seine erste Filiale. Die deutsche Supermarktkette will sich ein Stück des Kuchens ergattern. Wie das Beispiel von Aldi zeigt, haben ausländische Discounter in Bern keinen leichten Stand.

Premiere im Kanton Bern: Am 25. März eröffnet die erste Lidl-Filiale in Aarber

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Strenge Regeln für Supermärkte im Kanton Bern

Die Lidl-Filialen in Bern unterscheiden sich von jenen in anderen Kantonen. Grund ist das Baureglement des Kantons. Es fällt auf, dass die bald eröffneten Lidl-Verkauftsstellen im Kanton Bern ganz verschieden grosse Verkaufsflächen haben und zum Teil erheblich kleiner sind als jene in anderen Kantonen. Grund ist das Baureglement im Kanton Bern: Dieses Gesetz verlangt, dass Verkaufsflächen mit über 500 Quadratmetern nur in Geschäftsgebieten und Kernzonen erstellt werden dürfen. Lidl strebt jeweils eine Fläche von 1000 Quadratmetern an. Weil die meisten Kernzonen in Gemeinden und Städten aber bereits stark überbaut sind, muss der Discounter oft ausserhalb dieser Geschäftszonen bauen.

Öffentlicher Verkehr

Das bringt weitere Hürden mit sich: Ausserhalb der Geschäftszonen sind Filialen mit mehr als 500 Quadratmetern Fläche zwar möglich, allerdings nur unter erschwerten Rahmenbedingungen. Beispielsweise muss ein Anschluss an den öffentlichen Verkehr vorhanden sein: Die Haltestellen müssen innert 300 Meter zu Fuss erreichbar sein und im Halbstundentakt bedient werden. Ist ein solcher Anschluss nicht vorhanden, müssen die Supermärkte diesen Service laut Aussagen von Lidl Schweiz mitfinanzieren.

Auch weil diese Auflagen abschreckend wirken, wird das Filialnetz von Lidl im Kanton Bern wohl nie so engmaschig sein wie in anderen Kantonen. Der Kunde hat in der Regel einen weiteren Weg zum Markt zurückzulegen.

Ausnahme in Stadt Thun


Noch einmal anders ist es in der Stadt Thun: Dort sind ausserhalb der Kernzonen auch unter Einhaltung aller Vorschriften keine Supermärkte mit 1000 Quadratmetern Verkaufsfläche möglich. Das Maximum liegt bei 800 Quadratmetern.

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Wer zuletzt kommt, den beissen die Hunde. So lautet ein bekanntes Sprichwort. Das ist dem deutschen Discounter Lidl, der Ende März den Schritt in den Kanton Bern wagt, nicht zu wünschen. Einiges deutet aber darauf hin, dass es für den Neuling nicht ganz einfach sein dürfte, in Bern eine bedeutende Rolle zu spielen.

Ein Blick auf die Präsenz der verschiedenen Supermarktketten zeigt: Im Kanton Bern, dem zweitgrössten Kanton der Schweiz, haben ausländische Discounter bisher keine grosse Durchschlagskraft entwickelt. Seit fünf Jahren ist der deutsche Discounter Aldi in Bern vertreten, bisher wurden bloss elf Filialen eröffnet.

Lidl plant vorerst vier Standorte im Kanton Bern: Am 25.März geht der Laden in Aarberg auf, zwischen Frühling und Herbst folgen die Eröffnungen der zwei Filialen in Thun und jener in Aegerten. Zuvor öffnet jedoch nächsten Freitag der Lidl-Supermarkt in Düdingen im Kanton Freiburg seine Türen.

Coop: Dichtestes Filialnetz

Zum Vergleich: Coop, jener Player mit dem dichtesten Filialnetz, betreibt im Kanton Bern 108 Filialen (siehe Grafik). Migros bringt es auf 66 Supermärkte, Denner – der Schweizer Discounter – führt 61 Filialen. Dazu kommen allerdings noch 37 Denner-Satelliten.

Bezogen auf die Anzahl Filialen, sind die Positionen also klar: Die Discounter können mit den Grossen (noch) nicht richtig mithalten. Aussagekräftiger wäre ein Vergleich der Umsatzzahlen, nur geben Aldi und Lidl diese nicht bekannt.

Kampf über den Preis

Die Discounter, die neu in den Markt drängen, müssen über tiefe Preise versuchen, Marktanteile zu gewinnen. So hat etwa Lidl in der Schweiz Anfang Jahr rund 40 Produkte dauerhaft im Preis verbilligt.

Aber: Die Marktleader Migros und Coop haben sich längst darauf eingestellt und mischen im Preiskampf kräftig mit (wir berichteten). Zudem versuchen sie vor allem über das grössere Angebot von Frischprodukten, die Discounter zu übertrumpfen.

Bern: Strengere Gesetze

Erschwerend kommt für die Discounter, die oft etwas ausserhalb der Kernzonen ihre Standardfilialen bauen, hinzu, dass die Spielregeln im Kanton Bern etwas anders sind als in anderen Kantonen. So erschwert etwa das kantonale Baugesetz den Bau der 1000 Quadratmeter grossen Filialen von Lidl (siehe Text unten). Das zwingt die Discounter nicht selten dazu, von ihren Wunschstandorten Abstand zu nehmen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.03.2010, 09:23 Uhr

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