«Frühes AKW-Ende kostet Millionen»

Bürgerliche Grossräte wehren sich gegen das sofortige Ende des AKW Mühleberg. Man solle der BKW die gewünschte Zeit zur Stilllegung bis 2019 gewähren.

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Gestritten wird nur noch über den Abschalttermin. Den sofortigen Stopp des AKW Mühleberg verlangt der Verein «Mühleberg vom Netz» mit seiner Volksinitiative, über die das Stimmvolk am 18.Mai befindet. Der Energiekonzern BKW dagegen, welcher das AKW betreibt, will die Anlage bis 2019 laufen lassen.

Unterstützung erhält die BKW nun von einem bürgerlichen Komitee, das die Abschaltungsinitiative bekämpft. Diese Gruppe, die von den Wirtschaftsverbänden mit 200000 Franken unterstützt wird, hat gestern in Bern ihre Kampagne lanciert.

«Initiative geht ins Geld»

Die Grossräte warnen vor einem finanziellen Schaden für die Kantonskasse von geschätzten 100 Millionen Franken. Der Grund dafür seien drohende Schadenersatzklagen durch BKW-Aktionäre, falls die Initiative angenommen werde. Denn gemäss jüngsten Aussagen von BKW-CEO Suzanne Thoma liefert das AKW Mühleberg nach wie vor einen grossen Beitrag an den Bruttogewinn des Unternehmens.

«Fällt dieser Gewinn früher als geplant weg, entsteht für die Aktionäre ein finanzieller Schaden. Diesen könnten sie vom Kanton Bern per Schadenersatzklage zurückfordern», sagt EDU-Grossrat Alfred Schneiter. «Mit den 100 Millionen Franken könnten wir das kantonale Strassennetz eineinhalb Jahre lang unterhalten, fünf Kleinkraftwerke bauen oder 16000 Personen ein Jahr lang im Spital versorgen.»

«Glaubt endlich den Experten»

BDP-Grossrat Mathias Kohler vom Komitee ärgert sich über die Sicherheitsbedenken, welche die AKW-Gegner immer wieder ins Spiel bringen: «Die Nuklearaufsichtsbehörde Ensi und internationale Experten haben das Kernkraftwerk Mühleberg immer und immer wieder als sicher beurteilt», betont Kohler.

Umso mehr stosse er sich daran, wenn sich stets die gleichen Leute die Kompetenz anmassen würden, über die Sicherheit einer Anlage zu befinden. «In deren Augen sind die 140 hoch qualifizierten Fachexperten offenbar Falschspieler, die mit den AKW-Betreibern unter einer Decke stecken.»

«Initiative schadet dem Klima»

Zur Frage der Versorgungssicherheit äussert sich FDP-Grossrat Adrian Haas. Derzeit decke der Kanton Bern seinen Stromverbrauch zu 60 Prozent mit Atomkraft, sagt er. «Ohne Mühleberg müsste die BKW kurzfristig Strom aus den Nachbarländern importieren.» Die Abschaltinitiative sei für die Umwelt alles andere als sauber.

«Der europäische Energiemix kann mit dem umweltfreundlichen Schweizer Mix nicht mithalten und schädigt das Klima», betont Haas. «Wir müssten noch mehr französischen Atomstrom sowie Strom aus deutschen Kohle- und Gaskraftwerken beziehen.» Deshalb ist für Adrian Haas im Streit um den Abschalttermin klar: «Lassen wir der BKW die gewünschte Zeit.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 04.04.2014, 07:25 Uhr

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