Mühleberg muss schon wieder nachbessern
Von Philippe Müller. Aktualisiert am 27.09.2011 1 Kommentar
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Artikel zum Thema
- Kernmantel des AKW Mühleberg ist laut BKW sicher
- 200 Mühleberg-Gegner protestierten gegen Wiederinbetriebnahme
(Video: TeleBärn)
Redaktor Philippe Müller über die Atomaufsicht Ensi.
Kommentar
Glaubwürdigkeit gefährdet
Am Tag, an dem das umstrittenste Schweizer Atomkraftwerk nach längerem Unterbruch wieder hochgefahren wird, ist der Chef der Atomaufsichtsbehörde Ensi für die Medien nicht erreichbar. Das ist – spätestens nach der AKW-Katastrophe in Fukushima – nicht nachvollziehbar. Das zeigt, dass die staatliche Nuklearaufsichtsbehörde Wirkung und Notwendigkeit ihrer Kommunikation unterschätzt. In der Atomdebatte dürstet die Öffentlichkeit nach Informationen, welche die Sicherheit in den AKW betreffen.
Verwirrend ist auch die nur schwer verständliche Definition des Begriffs Sicherheit des Ensi. In den gestern im Internet aufgeschalteten Stellungnahmen zu den Kernmantelrissen im AKW Mühleberg sorgte die Behörde für Verwirrung. Wenn sich das Ensi zuerst wohlwollend über den Sicherheitszustand des Kernmantels äussert, im nächsten Satz aber weitere Nachrüstungen fordert, so ist das gelinde gesagt irreführend. Kommt dazu, dass das Ensi die Antwort schuldig blieb, weshalb genau diese Nachrüstungen nötig sind. Ähnliches hat sich bereits Anfang September ereignet: Damals sagte Ensi-Direktor Hans Wanner vor den Medien, Mühleberg erfülle betreffend Hochwasserschutz nur die Minimalstandards, das reiche aber aus für einen Weiterbetrieb.
Mit solch widersprüchlichen und nur schwer nachvollziehbaren Aussagen schadet das Ensi seinem Ruf als kompetente, unabhängige eidgenössische Sicherheitsbehörde. In einer Zeit, in der in der Atomfrage jedes einzelne Wort auf die Goldwaage gelegt wird und wichtige politische Entscheide bevorstehen, ist das pures Gift für die Glaubwürdigkeit des Ensi.
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Eigentlich hatte die BKW gestern vor, nur positive Nachrichten zu verbreiten: Zum einen vermeldete der Stromkonzern, dass das AKW Mühleberg zum Wochenstart wieder ans Netz geschaltet wurde. Dies nach einem Produktionsunterbruch von drei Monaten.
Zum anderen konnte die BKW nach Abschluss der Revisionsarbeiten an einer Medienkonferenz verkünden, dass die Risse im Kernmantel des Atomkraftwerks kleiner sind als bisher angenommen. Seit 1990 ist bekannt, dass der Kernmantel Risse unterschiedlicher Tiefe und Länge aufweist. Dank einem neuen und genaueren Ultraschall-Prüfverfahren wissen die BKW und die Atomaufsichtsbehörde Ensi nun, dass die addierte Risslänge aller 17 bekannten Risse 3,1 Meter beträgt. Nach der letzten Messung 2009 war man noch von mehr als 3,5 Metern Länge ausgegangen. Noch fast wichtiger: Die neue Prüfung hat ergeben, dass am Kernmantel entgegen anders lautenden Befürchtungen keine Schweissnaht ganz durchgerissen ist. 2009 gingen die Fachleute nach der Prüfung noch davon aus, dass ein Riss entlang einer der Schweissnähte wanddurchdringend sein könnte. Laut den neusten Resultaten ist dies aber nicht der Fall. Der betreffende Riss ist maximal 18 Millimeter tief, die Kernmantelwand ist 31 Millimeter dick.
BKW muss über die Bücher
Dennoch hatte die BKW gestern nicht nur Grund zur Freude: Die Aufsichtsbehörde Ensi hat die Mühleberg-Betreiberin aufgefordert, das Konzept zur Stabilisierung der Kernmantelrisse erneut zu überarbeiten. Seit 1996 wird der Kernmantel mit vier Zugankern stabilisiert. Das Ensi akzeptiert diese Lösung für den Langzeitbetrieb von Mühleberg allerdings nicht. Bis Ende letzten Jahres hatte die BKW Zeit, dem Ensi eine neue Lösung vorzuschlagen. Die eingereichten Ideen haben die Aufsichtsbehörde aber offenbar nicht überzeugt. Bis Ende 2011 hat die BKW nun Zeit, erneut Nachbesserungsvorschläge einzureichen. Trotz diesem Dämpfer sagte Ulrich Imobersteg, Leiter Nuklearmaschinentechnik bei der BKW: «Im internationalen Vergleich ist unser Kernmantel in einem guten Zustand.»
Die Rolle des Ensi
Die Aufsichtsbehörde ihrerseits spielt in diesem Fall erneut eine etwas unglückliche Rolle. Auf der einen Seite liess das Ensi gestern verlauten, der Kernmantel im AKW Mühleberg erfülle seine Funktion weiterhin ohne Zusatzmassnahmen, für die nächsten Jahre bestehe mit der Zugankerkonstruktion kein Sicherheitsrisiko. Auf der andern Seite relativierte die Behörde diese Aussage gleich wieder: Für einen Langzeitbetrieb genüge die bestehende Vorkehrung jedoch nicht. Warum genau die bestehenden Zuganker für den heutigen Betrieb zwar genügen, für einen längerfristigen aber offenbar nicht ausreichend sind und welche genauen Forderungen das Ensi diesbezüglich an die BKW stellt, blieb gestern unbeantwortet. Ensi-Direktor Hans Wanner, der Licht ins Dunkel hätte bringen können, war gestern für diese Zeitung nicht erreichbar.
Bereits Anfang September hatte die Aufsichtsbehörde mit widersprüchlichen Aussagen für Verwirrung gesorgt: Bei seiner Beurteilung zum Hochwasserschutz der fünf Schweizer AKW sagte Wanner, die BKW habe mit ihren Nachrüstungen in Mühleberg knapp den Sprung zurück «in den grünen Bereich» geschafft und erfülle bloss die Mindeststandards. Trotzdem wurde das AKW Mühleberg an derselben Medienkonferenz vom Ensi als sicher genug bezeichnet, um am Netz zu bleiben.
Nicht zuletzt diese widersprüchlichen Signale der staatlichen Atomaufsicht trieben gestern in Bern erneut AKW-Gegner auf die Strasse. An zwei Kundgebungen demonstrierten sie gegen die Wiederinbetriebnahme des AKW Mühleberg. (Berner Zeitung)
Erstellt: 27.09.2011, 07:56 Uhr
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1 Kommentar
Ein Atomkraftwerk/Kernkraftwerk (kerngesund!?) mit 17 Rissen am Kernmantel;wie kann man da noch behaupten alles sein bestens und sicher.Ob diese Risse addiert 3,5om oder "nur" 3.10m lang sind ist doch völlig irrelevant.Aber eben:Politiker welche sich von der Atomlobby bezahlen lassen sitzen gleichzeitig in diesen Gremien.Eine neutrale Prüfung durch den TüF-Deutschland ist längst überfällig. Antworten

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