Mit dem Kind im Operationssaal

Aktualisiert am 02.09.2010 8 Kommentare

Für die Berner Assistenz- und Oberärzte sind die Arbeitsbedingungen an Spitälern derart schlecht, dass sie nun eine Kampagne starten. Dabei setzen sie auch auf einen professionellen Werbefilm.

VSAO Bern

Reber: Wenig Freude an Inseraten

Das von den Assistenz- und Oberärzten gezeichnete Bild stimme für kleinere Spitäler. In grossen hingegen sei das Problem weniger gravierend: Das sagte auf Anfrage Beat Reber, Geschäftsleitungsmitglied der Thuner Spitalgruppe STS und Delegierter von «diespitäler.be», des Netzwerks der öffentlichen Spitäler im Kanton Bern, für die Verhandlungen des Gesamtarbeitsvertrages für das Spitalpersonal bernischer Spitäler.

In den neuen Vertragsverhandlungen fürs Jahr 2011 hätten die Spitäler als Arbeitgeber und die Ärzte bereits Verbesserungen vereinbart: Die neue Dienstzeit für Oberärzte mit Facharzttitel werde auf 46 Stunden verringert. Die Dienstzeit für Assistenzärzte hingegen bleibe - von diesen nicht bestritten - bei 50 Stunden.

Insofern sei die Kampagne der Ärzte als Signal an den Kanton Bern und die Politik zu verstehen. Der Kanton verlange einerseits vom Amt für Wirtschaft beco, dass es die Einhaltung der Arbeitszeiten überprüfe, stelle anderseits aber nicht genügend Mittel für die nötigen Stellen bereit.

Zu den fiktiven Stelleninseraten sagte Reber, daran habe er «nur halbe Freude». Er verstehe, dass ohne Provokation nichts erreicht werde. Anderseits bestehe die Gefahr, dass so das Bild einer Berufsgruppe schlecht dargestellt werde. «Wir wollen die Probleme sozialpartnerschaftlich lösen.»

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Die Kampagne wird einerseits auf der Strasse geführt: Über zwei Wochen hinweg werden Assistenz- und Oberärzte in Biel, Thun, Langenthal und Bern auf die Strasse gehen und der Bevölkerung ihre Arbeitsbedingungen erläutern.

Zu diesem Zweck haben sie eigens einen Kurzfilm mit dem Namen «Ärzte mit Grenzen» produziert, wie die Sektion Bern des Verbands der Schweizerischen Assistenz- und Oberärztinnen und -ärzte (VSAO) mitteilte.

Ärzte gehen auf die Strasse

In vier Städten des Kantons Bern wollen die Ärzte Passanten kostenlos den Blutdruck und den Blutzucker messen und dabei Unterschriften für eine Petition an den Kanton sammeln, wie die Sektion Bern des Berufsverbands der Ärzte VSAO am Donnerstag mitteilte.

Der Kanton Bern soll mit der Petition dazu bewegt werden, mehr Geld für die Spitäler bereit zu stellen. Unter dem Spardruck, den der Kanton den Spitälern auferlege, leide nämlich das Personal.

Auch den Kurzfilm mit dem Titel «Ärzte mit Grenzen» zeigen sie Passanten sowie im Internet. Zudem verschicken sie 180'000 Zeitungen und schalten fiktive Stelleninserate, in denen ein Arzt oder eine Ärztin mit einem 62-Stunden-Pensum pro Woche gesucht wird. Das erste dieser Inserate ist am Donnerstag in der Gratiszeitung «20 Minuten» erschienen.

Gesetzeswidrig und belastend

Für die Berner Assistenz- und Oberärzte sind die Arbeitsbedingungen an den Spitälern gesetzeswidrig, sehr belastend und - wegen übermüdeter Ärzte - für Patienten mitunter gefährlich.

«Die motivierten Mitarbeitenden leisten mit übermässigem und pausenlosem Einsatz einen wichtigen Beitrag im Gesundheitsmarkt», heisst es weiter. Für viele Ärzte sei der Beruf nicht mit der Familie zu vereinen, sagen sie. Die jetzige Situation werde den Ärztemangel in der Schweiz noch verstärken. (met/sda)

Erstellt: 02.09.2010, 10:13 Uhr

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8 Kommentare

Charles Dupond

02.09.2010, 11:35 Uhr
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Nicht nur Aerzte, auch Polizisten - insbesondere in Landkantonen - werden mit Dauerdiensten sekkiert. Fuer Krankenschwestern, pardon Pflegefachfrauen gibts 8,.. Stundenschichten. Die Monatsloehne wurden auf Polizistennivo angehoben, womit viele Polizisten kaum noch auf den halben Stundenlohn einer Pflegefachfrau kommen. Bald verdienen auch Aerzte pro Stunde viel weniger als Pflegefachfrauen.... Antworten


Linus Rippstein

02.09.2010, 12:58 Uhr
Melden

1. Numerus Clausus abschaffen. 2. Sich gegenseitig anzeigen. Dann kann man im Knast ausschlafen. Die Vorgesetzten werden so zu einer schnellen Lösung gezwungen, wenn keiner mehr da ist der Arbeitet macht, sprich Umsatz bringt. 3. Einheitskrankenkasse, dann bleibt auch mehr übrig für die Spitäler. Antworten



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