2000 Berner Christen rütteln die Politik auf

BernMit einem Umzug vor das Berner Rathaus wehrten sich am Montag etwa 2000 Menschen dagegen, dass der Kanton allzu sehr an den Landeskirchen spare. Sie machten aber auch sich selber Mut.

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Eigentlich sollte der Marsch der Kirchen dem bernischen Kantonsparlament gehörig Eindruck machen, bevor dieses über die Streichung von 27,5 Pfarrstellen diskutierte. Als aber am Montag Kirchenmitglieder aus dem ganzen Kanton durch die Berner Altstadt vor das Rathaus marschierten, war die Session schon beendet und der Sparentscheid gefällt.

Die Kirchenverteidiger standen dennoch nicht vor verschlossenen Rathaustüren. Grossratspräsidentin Béatrice Struchen sowie Regierungsrat und Kirchendirektor Christoph Neuhaus standen bereit, um 4000 Postkarten entgegenzunehmen, auf denen Kirchenmitglieder formulieren, warum Kirche Sinn macht.

Ungeübte Demonstranten

«Kirche macht Sinn» lautet der Aufruf der reformierten Oberaargauer Pfarrerinnen Sandra Kunz, Sybille Knieper, Judith Meyer und Tabea Stalder, die hinter dem Marsch der Kirchen stehen. Sie wissen selber, dass angesichts des dramatischen Mitglieder- und Einnahmeschwunds der Landeskirchen im klammen Kanton Bern der Sparkurs unabwendbar ist. So rüttelten die Mitglieder gestern auch sich selber auf, die Notwendigkeit der kriselnden Kirche zu belegen.

Vielleicht 2000 bis 3000 Menschen waren dafür nach Bern gereist. Ihr etwa 500 Meter langer Zug durch die Kramgasse wirkte ganz respektabel, auch wenn nur ein Bruchteil der rund 600'000 Berner Kirchenmitglieder erschienen war. Als Demonstranten wirkten sie ungeübt, aber sympathisch.

Statt zahllose Transparente trugen sie eine hölzerne Kirche im Modellformat, die sich nach dem Prinzip der Dreifaltigkeit in drei Teile zerlegen liess. Anstelle von Sprechchören liess der Umzug auf dem Rathausplatz den kurzen Psalm 117 ertönen, der sich gut zum Mitsingen eignet: «Laudate omnes gentes dominum» (Lobet alle den Herrn!). Das Polizeiaufgebot war minimal und kostengünstig. Regierungsrat Neuhaus witzelte, bei dieser Demo seien keine Ausschreitungen zu befürchten.

Appell an den Staat

Die Initiantinnen des Kirchenmarsches riefen von der hohen Empore oben auf der Rathaustreppe dazu auf, die Kirche nicht einfach als kostspielige Institution zu sehen, sondern als Gemeinschaft der Menschen, als niederschwelligen Raum, in dem man ein Time-out von der Leistungsgesellschaft nehmen könne. Die heutige Partnerschaft der Kirchen und des Kantons müsse erhalten bleiben, damit die Kirche wirken könne, ohne ständig dem Geld nachrennen zu müssen, befand Hansruedi Spichiger, Vorstandsmitglied des Kirchgemeindeverbandes.

Er sprach sich gegen eine Trennung von Kirche und Staat aus. Diese wird dennoch in einem bis 2015 erwarteten Bericht erwogen. «Wir wissen, wie viel uns die Kirche wert ist, aber sie hat auch ihren Preis», erwiderte Regierungsrat Neuhaus und entliess die Kirchenmitglieder dann in die nahe christkatholische Kirche Peter und Paul zum Gebet.

(Berner Zeitung)

(Erstellt: 08.09.2014, 16:41 Uhr)

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