Region

Klares Votum für neues AKW

Urs Gasche will sich als BKW-Verwaltungsratspräsident «stark» für den Bau eines neuen AKWs in Mühleberg engagieren.

Noch-Regierungsrat Urs Gasche ist als neuer Verwaltungsratspräsident der BKW vorgeschlagen.

Susanne Keller

BKW-Lohn statt Kantonsrente

Urs Gasche, der Ende Mai 2010 als bernischer Regierungsrat zurücktritt, soll neuer Verwaltungsratspräsident des Energiekonzerns BKW werden. Somit wird er vom Kanton voraussichtlich keine Ruhestandsrente erhalten. Anfang August hat der bernische Finanzdirektor Urs Gasche (BDP) seinen Rücktritt als Regierungsrat per 31.Mai 2010 angekündigt, jetzt hat er bereits zwei neue Mandate: Ende November ist er in den Regionalvorstand der SRG Deutschschweiz gewählt worden. Und gestern gab die BKW bekannt, dass Gasche per 1.Juni 2010 neuer Verwaltungsratspräsident werden soll.

Der bisherige BKW-Präsident Fritz Kilchenmann (Jahrgang 1946) wird Ende Mai nach 16 Jahren «altershalber» zurücktreten. Der Verwaltungsrat schlägt der Generalversammlung vom 16.April vor, Gasche (1955) als «Aktionärsvertreter» in den Verwaltungsrat zu wählen. Das Gremium wird ihn danach zu seinem Präsidenten küren. Gasche sitzt bereits seit 2002 mit SP-Energiedirektorin Barbara Egger als «Staatsvertreter» des Mehrheitsaktionärs Kanton im Verwaltungsrat.

Egger äusserte sich gestern positiv zur Nomination von Gasche: «Herr Gasche ist eine ausgewiesene Persönlichkeit und seit acht Jahren im Verwaltungsrat der BKW», sagte sie. Er erfülle die Anforderungen an ein solch anspruchsvolles Amt.

Für Gasche wird das Mandat auch finanziell interessant sein: Als Regierungsrat verdient er brutto 260'000 Franken. Kilchenmann erhielt im letzten Jahr eine Entschädigung von insgesamt 388'000 Franken. 275'000 waren feste, 19'000 aktienbasierte und 94'000 übrige Vergütungen (Spesenpauschale sowie Entschädigung für Sekretariat und Infrastruktur). Gasche geht davon aus, dass er «etwas weniger» erhalten wird (siehe Interview). Trotzdem dürfte er mehr verdienen als ein aktiver Regierungsrat. In dem Fall wird Gasche keine Ruhestandsrente vom Kanton erhalten – die Altersrente mit 65 aber schon.

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Herr Gasche, werden Sie nach Ihrem Rücktritt mehr oder weniger arbeiten als jetzt als Regierungsrat?
Urs Gasche: Ich gehe davon aus, dass ich übers ganze Jahr gesehen zeitlich weniger arbeiten werde als jetzt. Generell werde ich weniger lange Arbeitstage und weniger Abendsitzungen haben. Ich gehe beim BKW-VR-Präsidium von einem 50- bis 60-Prozent-Mandat aus. Zu Beginn wird es mehr sein, bis ich mich eingearbeitet haben werde. Doch mittel- und langfristig möchte ich rund 50 Prozent für andere Mandate frei halten.

Sie werden somit weniger arbeiten müssen, aber mehr verdienen als bisher.
Ich weiss, dass das BKW-VR-Präsidium anständig bezahlt ist. Ich weiss aber nicht genau, wie viel es sein wird. Das wird der Verwaltungsrat festlegen.

Fritz Kilchenmann verdiente im vergangenen Jahr 388'000 Franken.
Ich weiss nicht, was hier alles mit einberechnet ist, aber ich gehe davon aus, dass diese Grössenordnung in etwa auch für mich gelten wird. Allerdings werde ich wohl etwas weniger erhalten, weil ich weniger Erfahrung habe als Herr Kilchenmann. Ich rechne aber damit, dass ich keine Ruhestandsrente vom Kanton beanspruchen werde. Als Finanzdirektor freut es mich selbstverständlich, dass ich für fünf bis zehn Jahre nicht auf dem Portemonnaie des Kantons werde liegen müssen.

Wann wurden Sie für das Präsidium angefragt?
Herr Kilchenmann hat mich, ungefähr eine Woche nachdem ich Anfang August meinen Rücktritt angekündigt hatte, angefragt.

Das Unternehmen und der Kanton als Mehrheitsaktionär mit rot-grüner Regierungsmehrheit sind sich nicht immer einig. Wie werden Sie mit den Konflikten mit dem Mehrheitsaktionär umgehen?

Relativ unverkrampft. Mein grosser Vorteil ist, dass ich die politischen Mechanismen kenne. Ich werde mich als Verwaltungsratspräsident aber dagegen wehren, dass sich die Politik in die operative Ebene der BKW einmischt. Die Tageslaunen der Politik dürfen sich nicht in jedem Fall auf das Unternehmen auswirken.

Das umstrittenste Dossier wird die AKW-Frage sein.
Das sehe ich auch so. Was den Ersatz des Kernkraftwerks Mühleberg angeht, so ist auf politischer Ebene eingefädelt, dass das Berner Stimmvolk dazu wird Stellung nehmen können. Dieser Entscheid wird zu akzeptieren sein. Wenn das Volk in Mühleberg kein neues Kernkraftwerk will, so würde ich das bedauern, aber akzeptieren.

Aber für Sie ist klar, dass es in Mühleberg ein neues AKW braucht?
Die BKW engagiert sich stark im Bereich der neuen erneuerbaren Energien. Und das wollen wir so weiterführen. Aber der Umstieg auf die neuen erneuerbaren Energien geht nicht von heute auf morgen. Das braucht Zeit. Bis es so weit ist, müssen wir meiner Meinung nach auf CO2-freie Energie setzen, das heisst Wasserkraft und Kernkraft. Die Kernkraft ist insbesondere ökologisch betrachtet deutlich weniger problematisch als Gas- oder Kohlekraftwerke.

Sie werden sich als BKW-Präsident also für den Bau eines neuen AKWs in Mühleberg einsetzen?

Aus unternehmerischer Sicht bin ich absolut überzeugt, dass der Ersatz des Kernkraftwerks Mühleberg wichtig ist. Deshalb werde ich mich als Verwaltungsratspräsident stark dafür engagieren. (Berner Zeitung)

Erstellt: 09.12.2009, 08:17 Uhr

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4 Kommentare

Ale Badami

10.12.2009, 12:25 Uhr
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Herr Gasche darf und muss sich von der Politik und somit vom Regierungsrat dreinreden lassen und darf nicht schalten und walten wie er oder das Unternehmen BKW will! Auch auf operativer Ebene hat die Politik, Regierungsrat und zuletzt das Volk mit 52% Aktienmehrheit ein grosses Wörtchen mitzureden! Antworten


Sonja Bürgi

09.12.2009, 21:19 Uhr
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Die BKW setzt sich vorallem mit Grossinvestitionen in ausländische Kohlekraftwerke für den weiteren Anstieg des CO2s ein! Ausserdem ist Atomkraft alles andere als CO2-frei. Ökologisch betrachtet ist Urs Gasches Argumentation also definitiv unhaltbar. Ebenso muss er wohl daran erinnert werden, dass der Kanton Mehrheitsaktionär der BKW ist und das Volk somit eigentlich unbedingt mitzureden hätte! Antworten


Lukas Harder

09.12.2009, 12:47 Uhr
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Die BKW gehört mit 52% dem Volk, mitreden kann es trotzdem nicht: " Ich werde mich als Verwaltungsratspräsident aber dagegen wehren, dass sich die Politik in die operative Ebene der BKW einmischt." Einen solchen VR-Präsidenten wollen wir NICHT! Der Regierungsrat soll sich verbindlich darauf festlegen, ihn an der Generalversammlung am 16. April 2010 NICHT zu wählen! Antworten


Walter Sahli

09.12.2009, 08:42 Uhr
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AKW sind weder CO2-frei noch sind sie ökologisch sinnvoll. Es sei denn man betrachte nur gewisse Bereiche der Entstehung und des Betriebs eines AKW. Dies zu tun gehört zum Marketing der AKW Lobbyisten und ist nicht die ganze Wahrheit. Leider hat es die Politik verpasst, in den vergangenen 30Jahren die Energieerzeugung auf andere Bahnen zu lenken! Antworten