Keine Sonderwünsche mehr beim Mobiliar-Kauf

Die Bezirksreform zeigt, wo der Kanton Bern sparen kann. Künftig kann nicht mehr jede Amtsstelle der Justizdirektion Büromöbel kaufen, wie es ihr behagt. Sonderwünsche sind Vergangenheit, jetzt gibt es Standardarbeitsplätze.

Elisabeth Vogt hat die  Umzüge der dezentralen Verwaltung  organisiert und hofft, dass alle Kisten am richten Ort landen.

Elisabeth Vogt hat die Umzüge der dezentralen Verwaltung organisiert und hofft, dass alle Kisten am richten Ort landen. (Bild: Andreas Blatter)

Die grosse Züglete

Im Sommer hat es angefangen: Am 2.Juni zogen die ersten Betreibungs- und Konkursämter (von der Stadt Bern und Laupen) an ihren neuen Standort in Ostermundigen. Seither finden im ganzen Kantonsgebiet immer wieder Umzüge statt: Nach der Züglete im Zusammenhang mit der Bezirksreform geht es nahtlos weiter. Auf 2011 will der Kanton Bern auch die Justizreform umsetzen. Bis jede und jeder am definitiven Platz arbeiten kann, kommt es im ganzen Kanton zu rund 350 Rochaden, am 1.12.2010 ist der letzte Umzug vorgesehen.

12 Transportunternehmungen hat das Amt für Betriebswirtschaft und Aufsicht (ABA) in der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion um Offerten gebeten. Der Auftrag ging an die Firmen Peyer und Brägger& Thomann. Das Auftragsvolumen beträgt gemäss Elisabeth Vogt vom ABA rund 200'000 Franken. Allerdings könnten Wetter- und andere schwierige Zügelverhältnisse zu Zusatzaufwendungen führen.

Bisher habe alles «grundsätzlich gut geklappt», sagt Elisabeth Vogt. Nur eine Züglete sei «voll in die Hose gegangen»: Die Zuständigkeiten seien unklar gewesen, die Leute hätten sich gegenseitig behindert. Doch das sei ziemlich am Anfang gewesen. «Wir haben daraus gelernt.»

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Bernerzeitung.ch/Newsnetz wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Eines stand für Elisabeth Vogt von Anfang an fest: Die Bezirksreform durfte keine Mobiliarbeschaffungswelle auslösen. Vogt begleitet im Amt für Betriebswirtschaft und Aufsicht der bernischen Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion (JGK) die Reform und ist auch für den logistischen Bereich verantwortlich – dafür, dass die Umzüge der verschiedenen Ämter (siehe Kasten) klappen und den rund 700 Mitarbeitenden an ihren neuen Arbeitsplätzen funktionstüchtiges Büromobiliar zur Verfügung steht.

Bescheidene Mitarbeiter

Einige bekommen trotz Vogts Devise neue Möbel. Etwa der Mitarbeiter im Betreibungs- und Konkursamt, der seinen eingeknickten 40-jährigen Schreibtisch mit einem Stapel Kopierpapier unterstützt hatte. Diesem Möbel wurde der Umzug von der Stadt Bern nach Ostermundigen nicht mehr zugemutet. «Ich war überrascht, wie bescheiden man in der JGK war und mit welch altem Mobiliar hier zum Teil gearbeitet wurde«, sagt Elisabeth Vogt. Das Mobiliar, das ausrangiert wurde, sei in so schlechtem Zustand gewesen, dass sich weder Mitarbeitende noch soziale Institutionen damit eindecken wollten – nicht einmal geschenkt.

Bald kostet der Raum

Auf 2012 will der Kanton den einzelnen Organisationseinheiten ihre Raumkosten in Rechnung stellen. Mit dem Wissen um diese Neuerung wuchs in der JGK laut Vogt die Erkenntnis: «Wir müssen den Platz optimal nutzen.» Innerhalb von vier bis fünf Monaten sei deshalb mit externer Hilfe ein Konzept erarbeitet worden, das definiert, wie die Arbeitsplätze innerhalb der JGK künftig möbliert werden: Der Standardarbeitsplatz besteht aus einem einfachen, 1,80 Meter breiten und 90 Zentimeter tiefen Schreibtisch mit höhenverstellbaren Beinen. Dazu kommen nebst einem Rückenmöbel für die Ablage ein Unterstellkorpus für persönliches Material und ein moderner Bürostuhl – Punkt. Die Zeiten rechtwinkliger Schreibtische mit viel Ablagefläche sind ebenso vorbei wie die Zeiten, da sich einzelne Beamte in ihren Büros «allzu wohnlich« – wie es Vogt ausdrückt – einrichten konnten.

Beginn eines Prozesses

Noch wird längst nicht jedes Büro innerhalb der JGK mit den gleichen Möbeln ausgestattet. Was sich einigermassen kombinieren liess, wird weiterhin verwendet. Auch platzfressende Winkelarbeitsplätze gibt es immer noch. Aber ein Beispiel im Langnauer Amthaus zeigt: Anstelle des einen Schreibtischs können, sobald der Platz gebraucht wird, problemlos zwei neue Arbeitsplätze eingerichtet werden. «Auf die verwinkelte Arbeitsstation war man früher angewiesen, als man nebst dem PC auch noch die Schreibmaschine brauchte», erklärt Joseph Neuenschwander, der die Mobiliarevaluation begleitet hat.

Im Grossen und Ganzen seien die Mitarbeitenden mit dem Resultat zufrieden, stellt Elisabeth Vogt fest. «Aber wie bei Asterix und Obelix gibt es auch hier Dörfer des erbitterten Widerstands, die finden, die Tischfläche sei zu klein.» Sie ist deshalb froh, «dass wir gar keine Zeit hatten für ein basisdemokratisches Happening».

Grosszügiger Rabatt

Sonderwünsche gibt es keine mehr. Und damit kann die JGK viel Geld sparen. In einem öffentlichen Beschaffungsverfahren hat sie zwei Firmen evaluiert, die das Standardmobiliar herstellt. Dass der Auftrag an zwei Berner Firmen (Bigla AG in Biglen und Vifian AG in Schwarzenburg) ging, sei «kein regionalpolitisch motivierter Entscheid» gewesen, versichert Elisabeth Vogt. Rein wirtschaftliche Argumente hätten den Ausschlag gegeben. «Die Lieferfirmen bieten dank dem zentralen Einkauf und einer verbindlichen Kataloglösung attraktive Konditionen.» Wie hoch der Rabatt ist, darf Elisabeth Vogt nicht verraten, das sei vertraglich so abgemacht. Bekannt aber ist: Je mehr Möbel der Kanton bestellt, umso höher wird der Rabatt. Des-halb hofft Vogt, dass sich auch andere Direktionen vom Standardmobiliar der JGK überzeugen lassen und ebenfalls solches bestellen. Ein «gewisses Interesse» bestehe, aber verbindliche Zusagen habe sie keine.

Einkauf für ganzen Kanton?

Für Elisabeth Vogt steht ausser Frage, dass der Kanton mit zentralem Einkauf einem einheitlichen Arbeitsplatzkonzept, das für alle Direktionen gelten würde, viel Geld sparen könnte. «Ich fände es hilfreich, wenn der Kanton ein Immobilienmanagement einführen würde, bei dem alle Fäden zusammenlaufen könnten.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 30.12.2009, 07:36 Uhr




© Tamedia AG 2010 Alle Rechte vorbehalten