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Kantonaler Sportfonds in arger Schieflage

Um den Sportfonds des Kantons Bern steht es noch ärger als gedacht: Obwohl viel tiefere Beiträge an Turnhallen bezahlt werden, kommt der Fonds nicht aus der finanziellen Schieflage. Die Regierung muss zu «Tricks» greifen.

Turnhallenprojekte sollen künftig aus dem Sportfonds des Kantons Bern weniger Subventionen erhalten.

Iris Andermatt

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Die Eingriffe waren zwar massiv, aber sie reichen nicht aus, um den angeschlagenen Sportfonds wieder in ein finanzielles Gleichgewicht zu bringen. Der Fonds krankt weiterhin daran, dass er in der Vergangenheit über seine Verhältnisse gelebt und mehr ausgegeben hat als hereingekommen ist. Dies haben die Verantwortlichen der kantonalen Polizei- und Militärdirektion nach eigenen Angaben schon 2007 bemerkt und ein Projekt für eine neue «Beitragspraxis» lanciert. Das ganze Ausmass des Problems wurde aber erst deutlich, nachdem skeptische Grossräte wegen des vorgesehenen Megabeitrags von 24,5 Millionen Franken an das Bieler Stadionprojekt die Finanzkontrolle alarmiert hatten.

Schon 2010 im Minus

In der Folge wurden die Beiträge empfindlich gekürzt – zum Leidwesen der Gemeinden. Der Fonds übernimmt nur noch 20 statt 25 Prozent der «anrechenbaren» Kosten von Bauprojekten im Sportbereich. Für Turnhallen und Hallenbäder gibt es sogar nur noch 10 und für Freibäder nur 5 Prozent. Zudem wird der Maximalbeitrag pro Gesuch auf 2 Millionen Franken begrenzt. Dies ist für Grossprojekte folgenschwer. Als Anhaltspunkt: Die Bieler Stadionbauer dürfen immer noch mit über 10 Millionen Franken rechnen.

Künftige Grossprojekte werden nicht mehr so fürstlich alimentiert. Umso bitterer, als die verfügten Beitragskürzungen für die Sanierung des Fonds nicht ausreichen; dies geht aus den Unterlagen zu den neusten Beitragsgesuchen hervor, über die der Grosse Rat diese Woche befindet. Der Fonds weist demnach schon Ende 2010 einen Nettobestand von minus 14,3 Millionen Franken auf. Konkret: Die zugesicherten Beiträge übersteigen Ende Jahr das Fondsvermögen (20,5 Millionen Franken) um diese gut 14 Millionen Franken.

Der «Trick» der Regierung

Das hat auch damit zu tun, dass sich die Beitragskürzungen erst später auswirken, da früher eingereichte Projekte wie jenes der Bieler Stadien der Fairness halber noch nach den alten, grosszügigeren Regeln beurteilt werden müssen. Bis 2013 soll der Nettobestand trotz Beitragsreduktion auf minus 15,5 Millionen Franken fallen. Dabei ist ein «Trick» schon eingerechnet: Der Regierungsrat schlägt dem Grossen Rat vor, ein grosses Projekt (Sport- und Freizeitarena Adelboden) nicht wie üblich aus dem Sportfonds zu unterstützen, sondern aus dem besser situierten Lotteriefonds; dabei geht es um 4,2 Millionen. Laut Regierung ist das Ausweichen auf den Lotteriefonds zulässig, wenn die «primäre Funktion» der Anlage «nicht direkt» dem Sport diene, sondern Tourismusförderung sei. Trotzdem: Der Regierung ist spürbar nicht ganz wohl dabei. Sie beteuert, dieses Vorgehen solle die absolute Ausnahme bleiben. Wie der Leiter des Sportfonds Dominique Clémençon erklärt, ist nur noch ein Projekt absehbar, das statt aus dem Sport- aus dem Lotteriefonds subventioniert werden soll: das Sportzentrum Mürren.

SP will mehr Sport-Geld

Offen ist, wie der Sportfonds saniert wird. Im Vordergrund steht ein einmaliger Transfer vom Lotterie- in den Sportfonds in Höhe von 15 bis 20 Millionen Franken. Damit könnte das Loch gestopft werden. Danach sollten die Beitragsreduktionen laut Clémençon ausreichen, damit das Gleichgewicht des Fonds gesichert werden kann. Einen anderen Weg will die SP gehen: Sie will erreichen, dass die jährliche Speisung des Sport- aus dem Lotteriefonds – notabene die einzige Einnahmequelle des Sportfonds – erhöht wird. Fände sich dafür eine Mehrheit, könnten die Beitragsreduktionen laut Clémençon mindestens zum Teil wieder rückgängig gemacht werden. Dies ginge jedoch zu Lasten des Lotteriefonds, der Vorhaben aus den unterschiedlichsten Bereichen mitfinanziert: von Kultur über Denkmalpflege und Entwicklungshilfe bis zu generell gemeinnützigen Vorhaben. (Berner Zeitung)

Erstellt: 15.03.2010, 14:02 Uhr

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