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Jonas Widmer und David Leutwyler vermitteln in Religionsfragen

Von Susanne Graf. Aktualisiert am 06.10.2010 3 Kommentare

Jonas Widmer und David Leutwyler dürfen sich als Experten in Sachen interreligiöses Zusammenleben bezeichnen. Sie haben als Erste in der Schweiz einen Studiengang abgeschlossen, den die Uni Bern neu eingeführt hat.

Sie kennen sich in vielen Religionen aus: David Leutwyler und Jonas Widmer haben die «Religious Studies» abgeschlossen.

Sie kennen sich in vielen Religionen aus: David Leutwyler und Jonas Widmer haben die «Religious Studies» abgeschlossen.
Bild: Christian Pfander

Das Interesse nimmt zu

Vor fünf Jahren wurde an der Theologischen Fakultät der Universität Bern der neue Studiengang «Religious Studies/Interreligiöse Studien» eingeführt. Mit David Leutwyler und Jonas Widmer hat die erste Generation nun das Studium mit dem Master abgeschlossen. Im Sommer waren insgesamt 24 Studierende im Haupt- und 15 im Nebenfach immatrikuliert. 10 Studenten haben den neuen Studiengang im Herbst im Haupt- und 12 im Nebenfach angefangen.

Beim Blick in die Zukunft sind sie sich nicht einig: Jonas Widmer glaubt, dass Religiöses am Aufblühen ist. «In der Schweiz wachsen neue religiöse Gemeinschaften wie nirgends sonst in Europa», sagt er, der an der Uni Bern soeben die «Religious Studies» abgeschlossen hat. Zusammen mit David Leutwyler hat er als Erster in der Schweiz den neuen Studiengang an der theologischen Fakultät mit dem Master abgeschlossen. Doch Kollege Leutwyler sieht es genau umgekehrt: Er habe nicht das Gefühl, dass in der Gesellschaft noch viel Bewusstsein vorhanden sei, das über Politik und Wirtschaft hinausgehe. «Religiöses, Geistiges – die Frage, wozu bin ich hier, was soll ich mit meinem Leben, was bringt mir und der Welt etwas? – nimmt ab», beobachtet er.

Doch auch Widmer denkt beim Stichwort Religion weniger an Kirchgänge und Institutionen. «Es ist das Bedürfnis nach Sinnlichem, nach etwas Verbindendem, das zunimmt», präzisiert er. In diesem Sinn sieht er seine These auch vom eidgenössischen Parlament bestätigt, weil es kürzlich beschlossen hat, vor den Sessionen jeweils die Nationalhymne zu singen.

Wenn es heikel wird

Was eindeutig zunehmen wird – hier sind sich die neuen Experten wieder einig –, sind Situationen in Schulen, Spitälern, Gefängnissen etc., in denen religiöse Vorstellungen aufeinanderprallen und zu Konflikten führen können. Denn die einzelnen Minderheitsreligionen träfen nicht nur auf westlich-abendländische Werte, sie begegneten sich auch untereinander. «Und da können heikle Situationen entstehen», gibt Leutwyler zu bedenken. Hier können er und Widmer nun vermittelnd eingreifen. Indem sie nebst dem Christentum auch die religiösen Traditionen des Islams, des Judentums sowie der Religionen Indiens und des Buddhismus’ studierten, «haben wir eine Ahnung davon, wie sich die verschiedenen Religionen begegnen und bereichern können», sagt Leutwyler.

Wenig Ahnung

In der Öffentlichkeit, der Politik und den Medien sei Religion zwar ein grosses Thema. Aber Leutwyler beobachtet, «wie schmal das Hintergrundwissen über andere Religionen ist». Christen hätten gelernt, Religiöses und Weltliches klar zu trennen. «So kann man in der Gesellschaft bestehen, ohne von Religion viel zu wissen.» Bei hier lebenden religiösen Minderheiten sei dies teilweise viel enger verflochten. «Wenn wir Menschen aus anderen Kulturen begegnen, können wir deren religiösen Hintergrund nicht einfach ausblenden», sagt Leutwyler. «Welche Bedeutung haben Leben und Tod in anderen Traditionen? Welche Funktion haben religiöse Rituale und Symbole?» Hier können «Religionsexperten», wie sie neu ausgebildet werden, weiter helfen.

Die Einsatzmöglichkeiten

Der 31-jährige Leutwyler könnte sich vorstellen, künftig im Integrationsbereich zu arbeiten. Der zweifache Familienvater hat sich das interreligiöse Wissen auf dem zweiten Bildungsweg angeeignet. Vorher war er Lehrer. Während der Euro 08 hat der Reformierte die Anlässe der Berner Kirchen koordiniert. Gegenwärtig leistet er seinen letzten Zivildiensteinsatz im «Haus der Religionen». Jonas Widmer, der sich als «nur auf dem Papier reformiert» bezeichnet, lässt sich nun zum Gymnasiallehrer ausbilden. Später will er im Unterricht dazu beitragen, dass Vorurteile gegenüber fremden Religionen abgebaut werden. Wie Leutwyler ist er überzeugt, dass ohne Vorurteile gegenüber dem Islam das Minarettverbot in der Schweiz nie zustande gekommen wäre.

Für die frisch diplomierten Religionsexperten ist das Minarettverbot «eine Katastrophe». «Wir müssen Lösungen finden, die die religiösen Grundrechte respektieren», sagt Leutwyler. Nachdenklich stimmt ihn die Tendenz, «dass auch das Läuten der Kirchenglocken zu viel werden könnte.»

(Berner Zeitung)

Erstellt: 06.10.2010, 08:35 Uhr

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3 Kommentare

Martin Meier

06.10.2010, 08:47 Uhr
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Für die beiden Studierten wäre es das Beste, wenn sie Auswandern würden, und in Muslimischen Ländern das Christentum schützen. Aber dazu wären Sie zu Feige.Einwanderer haben sich anzupassen,sonst Ausreisen. Antworten


Martin Lerch

06.10.2010, 09:08 Uhr
Melden

Eine weitere überflüssige Berufsausbildung, die lebensuntauglichen Maturanden einen hochqualifizierten, teuer besoldeten Besserwisserberuf auf Kosten der Steuerzahler und des dumben Pöbels verspricht, um künstlich erschaffene Probleme zu bewirtschaften. Antworten



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