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In St. Gallen gelten die Berner seit Samstag nicht mehr als langsam

Von Susanne Graf. Aktualisiert am 17.10.2011 1 Kommentar

Kälteresistente Trachtenfrauen, ungeduldige Wasserbüffel und schnelle Berner: Als Gastkanton zeigte Bern am Olma-Umzug neben viel Traditionellem auch überraschende Seiten.

1/10 Am Samstag fand der Festumzug durch die Innenstadt von St. Gallen im Rahmen der 69. Ostschweizerischen Land- und Milchwirtschaftlichen Ausstellung (Olma) statt.
Bild: Stephan Bösch/Ex-Press

   

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Bilanz

Die Sonderschau des Gastkantons Bern erweise sich als grosser Publikumsmagnet, stellte Olma-Direktor Nicolo Paganini am Samstag fest. Auch Martin Tritten, der für den Kanton Bern das Projekt «Bern zu Gast an der Olma» leitet, konnte nach drei Tagen von «durchwegs positiven Rückmeldungen» berichten. Die Berner genössen dank ihres Dialekts in der Ostschweiz grosse Sympathie. Die Olma-Verantwortlichen schätzten die Zuschauerzahl am Umzug auf rund 40'000 Personen.

Halb Bern scheint an diesem kalten Samstagmorgen Richtung St.Gallen aufzubrechen. Kurz nach sechs Uhr versammeln sich am Bahnhof Burgdorf die ersten festlich herausgeputzten Trachtenfrauen, damit sie den Sonderzug auch ja nicht verpassen. Bald gesellen sich mit schweren Instrumenten beladene Musikanten dazu.

Einige Mitglieder der in Langenthal zugestiegenen Musikgesellschaft Inkwil nutzen die Fahrt zum Olma-Umzug für eine Gratislektion in Sachen Trachtenkunde. Sie lernen, was die Sonntagstracht von der Gotthelf-Tracht unterscheidet, bekommen eine Guggisberg- und eine Müngertracht vorgeführt – und erfahren, dass manch junges Mädchen unter dem traditionellen Tuch und den gestrickten weissen Kniesocken bequeme Leggings versteckt.

Aufmerksamkeit ist den Trachtenfrauen auch in St.Gallen sicher. Und Bewunderung. Oder Mitleid. Denn warm können die Frauen in ihren weissen Blusen mit den kurzen Puffärmeln an diesem neblig diesigen Morgen gewiss nicht haben. Doch stoisch trotzen sie der Kälte, allen voran die Berner Finanzdirektorin Beatrice Simon. «Bis jetzt» habe sie nicht kalt, behauptet sie vergnügt, während sie neben den warm verpackten Ehrengästen auf den Abmarsch wartet.

Vielfältig präsentiert sich der Gastkanton Bern – auch in Bezug auf das Temperaturempfinden: Während einem stolzen Kavalleristen der Bereitermusik Bern hoch zu Ross die wenig würdevolle Bemerkung entfährt «oh Scheisse, ist das kalt», seufzt eine Musikantin der Musikgesellschaft Bleienbach am Ende des gleichen Umzugs: «I ha heiss wie ne Moore.» Die Ostschweizer lachen. Berndeutsch geniesst hier eine gewisse Sympathie.

Warm bekommen während des Umzugs auch die beiden Schangnauer Christian Egli und Hans Bieri. Sie führen zwei respekteinflössende Wasserbüffelkühe durch die St.Galler Innenstadt. Angst, dass die imposanten Tiere aus der Umzugsroute ausbrechen könnten, haben sie zwar nicht. Aber schon beim Einstehen mögen die Kühe das Zeichen zum Abmarsch nicht ruhig abwarten. Immer wieder drehen sie – ihre Halter hinter sich herziehend – ungeduldige Kreise. Bieri dreht die Runden geduldig mit, denn er versteht: «Das Warten verleidet ihnen.» Die drei Kälber verhalten sich etwas ruhiger. Vielleicht weil sie schon etwas müde sind von der langen Anfahrt. Um fünf Uhr ist Hans Bieri mit ihnen in Schangnau Richtung Ostschweiz abgefahren.

Die Büffelkühe aber sind nicht die Einzigen aus dem Kanton Bern, die den Umzug kurzum hinter sich bringen wollen. Die Bernerinnen und Berner marschieren allgemein zackig vorbei – ob mit Ziegen, Rindvieh oder Sennenhunden im Schlepptau, ob kostümiert als Albert Einstein oder Jeremias Gotthelf oder als Bielersee-Winzer, Alpenkräuterwurst-Erfinder oder multikulturelle Schulklasse.

Die Bernerinnen und Berner sind gekommen, um der Ostschweiz Traditionen aus dem Bernbiet vorzuführen. Mit der Präsentation der einen oder anderen Innovation – etwa aus Rapsöl hergestellter Pflegeprodukte oder eines gebäudeintegrierten Solardachs – zeigen sie zudem, dass auch Fortschrittliches zum Kanton Bern gehört. Und ganz nebenbei räumen sie mit ihrem flotten Marsch durch die Gassen das alte Vorurteil aus dem Weg, Berner seien langsam. «Die Berner werden wohl in der Kategorie ‹zügigster Umzug› für viele Jahre an der Spitze stehen», witzelt Olma-Direktor Nicolo Paganini. (Berner Zeitung)

Erstellt: 17.10.2011, 10:01 Uhr

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1 Kommentar

Marco Sutter

19.10.2011, 09:14 Uhr
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War von der Olma äusserst positiv überrascht. Die Stimmung dort ist viel friedlicher als an der BEA oder MUBA. Werde von nun an mehr an die Olma gehen! Antworten



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