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Im Amt für Kultur rollen die Köpfe

Zwei Entlassungen und ein abrupter Abgang seit Anfang Jahr: Im kantonalen Amt für Kultur sind Umstrukturierungen im Gang, die für rote Köpfe sorgen. Die Verantwortlichen sprechenden von «schwelenden Problemen».

Dicke Luft hinter den Fassaden? Das Gebäude der kantonalen Erziehungsdirektion, wo auch das Amt für Kultur untergebracht ist.

Christian Pfander

Anita Bernhard, Leiterin Amt für Kultur des Kantons Bern.

Anita Bernhard, Leiterin Amt für Kultur des Kantons Bern. (Bild: Urs Baumann)

Förderung, Bewahrung, Dokumentation

Das Amt für Kultur des Kantons Bern untersteht der Erziehungsdirektion und somit Regierungsrat Bernhard Pulver. Es ist zuständig für die Förderungprofessioneller Kulturschaffender und -institutionen – zum einen durch einmalige oder wiederkehrende Beiträge an Veranstaltungen und kulturelle Projekte, zum anderen durch Auszeichnungen, Auslandstipendien und Kunstankäufe. Zuständig für die einzelnen Sparten (Kunst, Musik, Literatur, Tanz, Theater, Fotografie, Film, Design, Architektur) sind Expertenkommissionen. Grundlagen für deren Fördertätigkeit sind das Kulturförderungsgesetz sowie die Kulturstrategie für den Kanton Bern.

Dem Amt für Kultur gehört die Denkmalpflege an, die für den Schutz, die Erhaltung und Dokumentation von Bauwerken verantwortlich ist. Unter der Leitung des kantonalen Denkmalpflegers Michael Gerber entstehen etwa Publikationen zu wichtigen Gebäuden im Kanton, oder es wird entschieden, welche Bauten in der Berner Altstadt realisiert werden dürfen.

Zum Amt für Kultur gehört zudem der Archäologische Dienst. Dieser bewahrt Denkmäler vor der Zerstörung und erforscht und dokumentiert archäologische Überreste. Stefanie Christ

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Die Entlassung kam im Januar: «Mit Bedauern informiere ich Sie darüber, dass Silvan Rüssli die Abteilung für Kulturförderung des Amtes für Kultur per sofort verlässt», schrieb Anita Bernhard, Vorsteherin des Amtes für Kultur, in einer internen Mitteilung. «Ich habe mich von ihm getrennt wegen interner Differenzen auf der Verhaltensebene. Silvan Rüssli kann sich seinerseits nicht mit meinem Führungsstil identifizieren.»

Rüssli, seit 2004 beim Kanton, galt als kompetente, wenn auch charakterlich «schwierige» Führungskraft. Als stellvertretender Leiter der Abteilung für Kulturförderung und Geschäftsführer der kulturellen Kommissionen war er wesentlich an der Neugestaltung der Kulturförderung beteiligt. Namentlich in der Filmpolitik hat Rüssli jüngst Akzente gesetzt.

Gegen Entlassung

Der Fall Rüssli wirft ein Licht auf die Umstrukturierungen im kantonalen Amt für Kultur, die derzeit im Gang sind. Gemäss gut unterrichteten Quellen hat sich auch Rüsslis Vorgesetzte Jacqueline Strauss, seit 2006 Leiterin der Abteilung für Kulturförderung, mit Amtsleiterin Anita Bernhard überworfen und stand kurz vor dem Rauswurf, als sie Ende Januar überraschend zur neuen Direktorin des Museums für Kommunikation gewählt wurde.

Ebenfalls vor dem Abgang steht Cynthia Dunning, Chefin des kantonalen Archäologischen Dienstes. Dunning ist derzeit beurlaubt und «wartet» auf das Entlassungsschreiben. Gemäss zuverlässigen Quellen will Dunning rechtlich gegen die Kündigung vorgehen.

Was steckt hinter den Abgängen? Öffentlich sprechen will kaum jemand. Doch was hinter vorgehaltener Hand geäussert wird, wirft kein gutes Licht auf die Zustände im kantonalen Amt für Kultur. Von dicker Luft ist die Rede, von einem teilweise rüden Umgangston, gar von einer «diktatorischen Linie» der Amtsleiterin Anita Bernhard – was diese jedoch vehement bestreitet. «Der Vorwurf erstaunt mich. Ich habe andere Rückmeldungen von meinen Mitarbeitern.»

Missstände seit Jahren

Bernhard trat ihr Amt im April letztes Jahres als Nachfolgerin von François Wasserfallen an. Zuvor leitete sie im Sozialdepartement der Stadt Zürich das Ressort Kontraktmanagement. Ihr Vorgänger François Wasserfallen nahm sich vor zwei Jahren das Leben, kurz bevor er in Genf eine neue Stelle antreten sollte. Die Umstände von Wasserfallens Selbstmord und dessen Abgang beim Kanton wurden bis heute nicht restlos geklärt. Klar ist jedoch, dass Wasserfallens Amtsführung nicht über alle Zweifel erhaben war. Von verschleppten Geschäften und anderen teilweise gravierenden Missständen ist die Rede – Probleme, die sich über Jahre hinzogen und von der «Managerin» Bernhard ausgemerzt werden sollten.

Anita Bernhard bestätigt die Trennung von Silvan Rüssli und Cynthia Dunning, bestreitet indes, dass es mit Jacqueline Strauss zu zwischenmenschlichen Schwierigkeiten gekommen sei. «Jacqueline Strauss hat gekündigt, weil sie beim Museum für Kommunikation eine attraktive Stelle erhalten hat.» Anders als im Fall Rüssli sei die Trennung von Kantonsarchäologin Dunning auf Grund von «Führungsmängeln» erfolgt. «Nach meinem Stellenantritt im April letzten Jahres habe ich die Situation im Amt für Kultur in Rücksprache mit Bernhard Pulver analysiert», sagt Bernhard. «Dabei habe ich neben Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit auch Führungsprobleme festgestellt.» Weil das eingeleitete Mediationsverfahren nicht zum erhofften Erfolg geführt habe, habe sie sich schliesslich zum personellen Schnitt entschieden, so die Amtsleiterin.

«Eine Belastung»

Erziehungsdirektor Bernhard Pulver, Bernhards oberster Chef, spricht von «schwelenden Problemen» im Amt für Kultur, die von Anita Bernhard nun angepackt worden seien. «Es gehört zu einem Führungsjob, Personalprobleme anzupacken und zu lösen. Anita Bernhard geniesst mein Vertrauen.» Dass die Stimmung im Amt schlecht sei, könne er nicht bestätigen. «Es ist aber klar, dass solche Veränderungen immer eine Belastung darstellen», so Pulver.

Problematisches Vakuum

Klar ist: Mit Jacqueline Strauss und Silvan Rüssli hat der Kanton im Bereich Kulturförderung viel Fachkompetenz verloren – das zeigt sich nicht zuletzt in der Kooperation mit der Stadt Bern. Die Zusammenarbeit mit dem Amt für Kultur sei in jüngster Zeit «schwierig» geworden, und wie es mit gemeinsamen Projekten im Bereich der Kulturförderung weitergehe, stehe in den Sternen, heisst es dort. Anita Bernhard verhehlt nicht, dass das Amt derzeit «klar zu wenig personelle Ressourcen» hat, und auch Bernhard Pulver hält fest: «Die Abgänge haben einen empfindlichen Know-how-Verlust zur Folge.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 16.03.2010, 14:23 Uhr

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