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Gratisprogramm ist besser als 30 Millionen teure «Problemsoftware»
Von Mischa Aebi. Aktualisiert am 03.09.2010 8 Kommentare
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Die Berner Berufsmaturitätsschule beweist, dass es auch ohne Evento-Software geht – und zwar ohne Ärger. Die BMS ist eigentlich eine Abteilung der Gewerblich-Industriellen Berufsschule Bern (Gibb). Die BMS mit immerhin 1300 Schülerinnen und Schülern konnte als einzige Abteilung verhindern, dass sie die Problemsoftware Evento übernehmen muss. Zu verdanken haben das die Lehrer und Sekretariatsangestellten ihrem stellvertretenden Abteilungsleiter Daniel Wyrsch. Statt die vom Kanton verordnete Software Evento zu übernehmen, hat er selber ein Programm entwickelt – in Form einer vergleichsweise simplen Accessdatenbank. Was Evento nur mit langen Wartezeiten, Abstürzen und Speicherproblemen kann, schafft das schlanke Gratisprogramm der BMS gemäss BMS-Lehrern spielend.
Nicht nur die Notenerfassung, sondern fast alles, was Evento kann, beherrscht die BMS-Software laut Wyrsch ebenfalls: Auch sie erledigt administrative Arbeiten von der Stundenplanung zu den Raumzuteilungen.
1,5 Millionen Franken Unterhaltskosten
Evento verursacht übrigens neben den 33 Millionen Franken für die Anschaffung und Einführung jährlich 1,5 Millionen Franken Unterhaltskosten.
Klar ist, dass auch jede andere Softwarelösung Unterhaltskosten verursachen würde. Bemerkenswert ist aber: Gemäss Recherchen dieser Zeitung mussten alle anderen Abteilungen der Gewerbeschule Gibb für den Betrieb von Evento die Sekretariatsstellen aufstocken – mit Ausnahme der Maturitätsschule, die eben ihre eigene Software hat. Wyrsch ist überzeugt, dass sich sein Programm auch für andere Abteilungen oder andere Schulen anpassen liesse, selbst wenn diese grösser und komplexer sind.
Theo Ninck, Vorsteher des Mittelschul- und Berufsbildungsamtes verteidigt Evento. «Es war ein Beschluss des Regierungsrates, eine zentrale Softwarelösung für die Berufsfachschulen und Mittelschulen zu beschaffen.» Das bringe Vorteile. So helfe dies etwa, dass Lehrlinge der verschiedenen Berufsfachschulen bei der Berechnung der Noten gleichbehandelt werden oder dass die Lehrkräfte Zugriff hätten über Internet. Ninck ist zudem überzeugt, dass sich die Mängel beim Zugriff auf das Programm bis im Januar beheben lassen. Für ihn selber sei klar, dass Probleme, wie sie bei Evento an der Gibb aufgetreten sind, nie mehr vorkommen dürfen. Dazu wurden gemäss Ninck verschiedene Massnahmen ergriffen. (Berner Zeitung)
Erstellt: 03.09.2010, 16:42 Uhr
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8 Kommentare
Ueberall will man sonst zentralisieren und überdimensionieren - im Endeffekt immer mit höheren Kosten verbunden (Stellenaufstockung). In der Informatik wird im Kt. Bern einfach gewurstelt auf allen Stufen und Millionen in den Sand gesetzt. Eine übergeordnete Stelle muss hier nun Licht ins Dunkle bringen - aber mich Fachleuten, die den Ernst der Lage erkennen und nicht auf Blender hereinfallen !! Antworten
Access ist für EDV-Interessierte eine willkommene Möglichkeit, den Computer nicht nur als "Schreibautomaten" zu brauchen, sondern auch "richtig" Arbeiten zu lassen. Für mich ist dieser Bericht ein Ansporn, Access weiter richtig zu lernen und den grossen EDV-Firmen die Stirn zu bieten, welche nur den eigenen Schrott für viel Geld und ohne Praxisbezug anbieten wollen. Bravo Giele! Gut gemacht! Antworten
Beim Militär sind es wohl Milliardenbeträge die zum Fenster rausgehen, beim Kanton Millionenbeträge für nutzlose oder falsch evaluierte Software. Offenbar hat die Schweiz ein KnowHow Problem mit der IT. Kein vernünftiger Mensch kauft wissentlich nutzlose Systeme...und wenn doch stinkt das wieder mal nach Beschaffungsfilz.. Antworten
Man kann sowas kaum ausserhalb jeglicher Anforderungen und Koordinationseffekte beurteilen. Ob die Entwicklerin von Evento nun aber gerade das Rüstzeug für eine erfolgreiche Plattform in dieser Grössenordnung mitbringt, scheint nach all diesen Berichten zumindest fragwürdig. Allerdings ist eine Self-Made Access Datenbank auch kaum ein geeignetes Mittel in diesem Rahmen. Artikel ist oberflächlich! Antworten
Leider kein einmaliges Beispiel. Anstelle standardisierter, bewährter Softwarelösungen wird in der Schweiz das Rad immer wieder neu erfunden. So werden derartige SW-Lösungen von Grund auf neu entwickelt, mit entsprechendem Erfolg und hohen Kosten. Auf diese Art werden jährlich Dutzende Millionen Steuergelder verschwendet. Antworten
Jaja, so ist es heut zu Tage, jemand kassiert viel Geld damit eine nicht reife Lösung eingeführt wird. Es ist eine Schande sowas zu sehen. Leider sind beim Bund, den Kantonen und in vielen Verwaltungen wo über Software entschieden wird Informatische IGNORANTEN. Auch das Prinzip, das teure Softwarelösungen nicht getestet werden kann weil die Implementierung zu kompliziert sei ist ein WITZ! Antworten
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Roland Peter
Bei Kosten von 33 Mio. & 1.5 Mio für den Unterhalt, kann nur Vetternwirtschaft im Spiel gewesen sein. Dass die Verantwortlichen ein solches Projekt zugelassen haben, ist schlicht und einfach dilettantisch. Hätte ich ein solches Projekt bewilligt, wäre ich meinen Job längst los. Und überhaupt, hatte jeder Inf.-Student in ein paar Wochen die bessere Software geschrieben, inkl. Handbuch! Antworten