Gemüse direkt vom Land in die Stadt
Von Niklaus Bernhard. Aktualisiert am 02.12.2009
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Für Konsumenten, die Wert auf eine bewusste Ernährung legen, ist es wichtig, dass sie auch wissen, wo und von wem die Nahrungsmittel produziert werden.
Diesem wachsenden Bedürfnis will der neue Berner Verein Soliterre gerecht werden. Das Konzept ist einfach: Verschiedene Bauernbetriebe aus dem Grossraum Bern schliessen sich mit der städtischen Kundschaft zusammen und werden direkt von den Bauern mit Nahrungsmitteln versorgt. Das Konzept heisst Vertragslandwirtschaft.
Saisonale Produkte im Korb
Durch Vertragsabschlüsse verpflichten sich konsumierende Haushalte für ein Jahr, wöchentlich einen Produktekorb von sechs Biobetrieben zu empfangen. Im Korb befinden sich Kartoffeln, Gemüse, Obst und sporadisch andere selbst erzeugte Nahrungsmittel wie Trocken-Fleischwaren, Most, Konfitüre oder Mehl. Das Angebot der sechs Betriebe umfasst über 100 verschiedene Sorten und Produkte.
Oder anders gesagt, einfach alles, was zu gegebener Zeit in vorhandener Qualität von den Bauernhöfen gerade geliefert werden kann. «Die Körbe sind für alle Konsumenten gleich, auf Sonderwünsche können wir nicht eingehen», sagt Mitinitiant Michael Beyer. Es könne lediglich gewählt werden, ob der Korb Fleischprodukte enthalten soll oder nicht.
Zum Start wird es drei Depots geben, an denen die Körbe ausgeliefert werden. Sie sind in den Quartieren Sulgenau/Eigerplatz, Lorraine/Breitenrain und Bümpliz/Bethlehem angesiedelt.
Geplant ist, dass die ersten Auslieferungen im März 2010 erfolgen. Die eigentliche Vereinsgründung von Soliterre findet am 15. Dezember in Bern statt, mitinitiiert von der globalisierungskritischen Organisation Attac und den verschiedenen Produzenten.
32 Franken pro Woche
Angestrebt werden mindestens 50 konsumierende Stadtberner Haushalte à vier Personen (es sind auch 2-Personen-Körbe möglich). Ein Korb kostet 32 Franken, 20 Franken der kleine Korb. «Wir sind zuversichtlich, dass wir auf Anhieb genügend Konsumenten finden werden», sagt Beyer. Es hätten sich schon sehr viele Interessenten gemeldet, obschon die Auslieferung erst im kommenden März beginnt.
Die Preise für die einzelnen Produkte, die in den Warenkorb kommen, werden jedes Jahr neu zwischen den Konsumenten und Produzenten verhandelt. Dabei wollen sie sich an den Richtpreisen für Bio-Produkte orientieren. Dieses System hat Vorteile für beide: Die Betriebe wissen bereits Anfang Jahr, wie viel sie zu welchem Preis absetzen können. Die Konsumenten können Nahrungsmittel aus der Region kaufen – ohne die zum Teil hohen Margen, die Läden auf die Produkte erheben, bezahlen zu müssen. Gerade dies gehört zu den Grundideen der Vertragslandwirtschaft: Der Wert von Lebensmitteln wird anerkannt, und die Produzenten erhalten faire Preise.
Austausch fördern
Aber es geht nicht nur darum. «So wissen wir, wohin unsere Produkte geliefert werden», sagen Beatrice und Heinz Hofer aus Jens im Berner Seeland. Ihr Betrieb ist einer der sechs Betriebe, die dem Vertragslandwirtschaftsprojekt angeschlossen sind. Nebst dem Liefern der Produkte möchten sie auch direkten Kontakt mit den Kunden. «Es geht um den Austausch», sind sich die zwei einig. «Im Sommer könnte man auch einmal einen Brunch auf dem Hof machen», sagt Heinz Hofer.
Vorerst nur Bio-Produkte
Die Organisatoren von Soliterre erklären, dass im ersten Jahr vorerst einmal ausschliesslich ungekühlt haltbare Produkte von Bio-Landwirtschaftsbetrieben angeboten werden. Je nach Nachfrage wird aber nicht ausgeschlossen, dass künftig auch ein weiterer Warenkorb von nicht-biologischen Betrieben hinzukommen kann.
Die Idee der Vertragslandwirtschaft existiert in der Westschweiz schon seit mehreren Jahren und ist sehr erfolgreich. Die Féderation romande de l’agriculture contractuelle de proximité (FRACP) wurde vor zwei Wochen mit dem Agropreis 2009 ausgezeichnet. Mit dem Agropreis werden innovative Landwirtschaftsprojekte auserkoren. In den Agglomerationen der Westschweiz versorgt FRACP mit 80 Landwirtschaftsbetrieben 5000 Konsumenten.
(Berner Zeitung)
Erstellt: 02.12.2009, 09:01 Uhr






