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Früh-Sprachunterricht: Kontroverse um Lehrmittel

Von Andrea Sommer. Aktualisiert am 24.08.2011 1 Kommentar

Im Kanton Bern haben die Schüler mit Frühfranzösisch begonnen. Ihr Lehrmittel gleicht jenem, das die Zürcher fürs Frühenglisch benutzen. Und das die Politik nun wegen Untauglichkeit absetzen will.

Was taugt das neue Lehrmittel «Mille feuilles»?

Was taugt das neue Lehrmittel «Mille feuilles»?
Bild: zvg

So Entstehen die neuen Lehrmittel

Dass die sogenannten Passepartout-Kantone Baselland, Basel-Stadt, Bern, Freiburg, Solothurn und Wallis fürs Frühfranzösisch und -englisch eigene Lehrmittel entwickeln lassen, liege daran, dass es auf dem Markt keine Materialien für diese Schulstufe gebe, sagt Projektleiterin Margreth Däscher. Das Französischlehrmittel «Mille feuilles» wurde und wird weiterhin in verschiedenen Schulen erprobt. Laut Däscher kommt jedes Jahr ein weiteres «Mille feuilles»-Paket auf den Markt. «Dieses wurde davor ein Jahr lang in fast drei Dutzend Klassen getestet.» Überarbeitung und Druckvorbereitung dauerten ein weiteres Jahr. So soll auch das neue Englischlehrmittel «New World» getestet werden. Insgesamt lägen derzeit drei von fünf Unterrichtsunits vor, so Däscher.

Seit Schulbeginn testen 23 Klassen in den Passepartout-Kantonen das neue Englischlehrmittel, sieben davon im Kanton Bern. Das alte Französischlehrmittel «Bonne chance» wird sukzessive aus dem Verkehr gezogen und soll bis 2017 ganz durch «Mille feuilles» ersetzt sein.

Was das frühe Erlernen von Fremdsprachen in der Schule angeht, hat der Kanton Zürich eine Vorreiterrolle inne. Dort lernen die Kinder bereits ab der zweiten Klasse Englisch, und das schon seit dem Schuljahr 2004/2005. Weil der Kanton Zürich als einziger Kanton so früh mit dem Frühenglisch beginnt, musste ein neues Lehrmittel her. Entwickelt wurde es von der Pädagogischen Hochschule (PH) Zürich und soll laut «Tages-Anzeiger» zehn Millionen Franken gekostet haben.

Vor der Einführung wurde das Lehrmittel erprobt: in der Unterstufe während zweier Jahre in 40 Klassen, in der Oberstufe während dreier Jahre in 15 Klassen und sieben Kantonen. Weil auf der Stufe 4. bis 6. Klasse noch keine Schüler vorhanden waren, die bereits zwei Jahre Englisch gelernt hatten, wurde dieses Lehrmittel nur modellhaft erprobt. Damit befasst war eine Begleitkommission, in der unter anderen auch Lehrer Einsitz hatten. Herausgekommen ist laut PH ein Lehrmittel, das modernste pädagogische und didaktische Ansprüche erfüllt.

Überforderte Schüler

So pries auch der Berner Erziehungsdirektor Bernhard Pulver (Grüne) unlängst das neue Französischlehrmittel «Mille feuilles» des Schulverlags. Wie ihre Zürcher Gspändli müssen auch die Berner Primarschülerinnen und -schüler weder Grammatik noch Wörtli büffeln noch Verben konjugieren. Vielmehr sollen sie in der Fremdsprache baden, wie dies die Fachleute nennen. Dieses Sprachbad vermittle den Kindern ein Gefühl für die Sprache sowie passives Wissen.

Wie der «Tages-Anzeiger» jüngst berichtete, hat das obligatorische Englischlehrmittel mittlerweile allerdings Schiffbruch erlitten. Viele Zürcher Lehrer und sogar ganze Schulen sollen sich weigern, damit zu arbeiten. Sie monieren, das Lehrmittel sei an den Bedürfnissen der Praxis vorbei entwickelt worden, zu kompliziert und überfordere die meisten, vor allem die schulisch Schwachen. Zudem fehle es an geeignetem Übungsmaterial, und der Aufwand für die Lehrer sei viel zu hoch.

Zwar basiere das Frühfranzösischlehrmittel «Mille feuilles» wie das zürcherische Englischlehrmittel «auf anspruchsvollen authentischen Inputs», sagt Projektleiterin Margreth Däscher von der Berner Erziehungsdirektion. Die Lehrmittel seien jedoch nicht zu vergleichen. «Die Angst, dass die Kinder überfordert sind, besteht häufig bei Lehrern und Eltern.» Die Berner Lehrerinnen und Lehrer hätten vor der Einführung des Frühfranzösisch ähnliche Befürchtungen geäussert. Für Däscher sind diese jedoch unbegründet. «Wir erproben das Lehrmittel seriös und über einen längeren Zeitraum.» Zudem würden die Lehrkräfte auf die neue didaktische und methodische Art des Lehrens vorbereitet (siehe Box).

Politik verlangt Absetzung

Im Kanton Zürich hat sich mittlerweile die Politik in den Lehrmittelstreit eingeschaltet: Im Kantonsparlament ist ein Postulat hängig, das vom Regierungsrat die Absetzung des Lehrmittels verlangt. Allerdings fehlt dem Parlament dazu die Kompetenz. Das Lehrmittel absetzen kann nur der Bildungsrat und dieser wird sich voraussichtlich erst im Herbst mit dem Thema befassen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 24.08.2011, 09:25 Uhr

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1 Kommentar

Peter Uhr

25.08.2011, 09:55 Uhr
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Ich halte Ihre Beweisführung für nicht besonders überzeugend. Das neue Französisch-Lehrmittel Mille feuilles unterscheidet sich wesentlich von den im Kanton Zürich kritisierten Englisch-Lehrmitteln. Neue Lehrmittel sind anfänglich immer anspruchsvoll. Das war auch bei Bonne Chance vor 30 Jahren so. Aber die Mille feuilles-Erprobungen zeigten eben auch, dass die SchülerInnen nicht überfordert waren Antworten



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