Friede, Freude und kaum Eier-Werfer
Von Peter Steiger. Aktualisiert am 02.11.2011 1 Kommentar
Artikel zum Thema
Eier wurden an die Fassade des Steinhölzli-Schulhauses geworfen. (Bild: Urs Baumann)
Schulhausabwart Walter Keusen hat mit den Könizer Jugendlichen ein Hühnchen zu rupfen. Rund ein Dutzend Eier haben sie am Montagabend, an Halloween, an Fenster und Fassade der Schulanlage Steinhölzli im Liebefeld geschmissen. Ausserdem provozierten sie ihn, sprayten das Wort «Putzen» hin. Genau das wollte Keusen vermeiden: Die klebrige Masse lässt sich von Mauern nur schwer entfernen.
Diese Dreckbüez wolle er sich und seinem Team ersparen, hatte er in dieser Zeitung bereits vorgestern mitgeteilt. Tatsächlich patrouillierte er am Montagabend um die Steinhölzli-Anlage, war zwei Stunden lang in der Kälte mit Hund und Lampe unterwegs. Alles umsonst. Die Übeltäter warteten und schlugen später zu. Wie gross die Schäden sind, kann Keusen noch nicht schätzen. Der Ärger jedenfalls ist gross.
Auch Profis sind machtlos
Gegen Eierschmeisser sind Hauswarte machtlos. Dass auch professionelle Sicherheitspatrouillen nichts nützen, mussten die Mitarbeiter der Broncos-Security erleben. Die Jegenstorfer Firma kontrolliert für die Gemeinde Köniz die Schulanlagen. Im Steinhölzli-Areal signalisierten Keusen und der schwanzwedelnde Hund nächtlichen Frieden. Die zwei Männer inspizierten das Gelände und zogen weiter. Dass die Vandalen später anrücken würden, konnten sie nicht ahnen. An Halloween fuhr die BZ für einmal mit der Broncos-Patrouille mit. Die Profis verheissen dem Journalisten eine ruhige Runde. «Zu kalt», sagt Thomas Volkmer (27). «Am Wochenanfang ist meist wenig los», ergänzt Roger Rosenkranz (44).
Ruhe im ländlichen Köniz
Dass im ersten Teil der Tour nichts geschieht, erstaunt wenig. Das Team kontrolliert die Anlagen im nördlichen ländlicheren Teil der weiträumigen Gemeinde Köniz. In Niederscherli, Mittelhäusern und Mengestorf sagen sich Füchse, Hasen und Hühner friedlich Gute Nacht. Ein paar Kinder klingeln Erwachsene und Süssigkeiten heraus. In Schliern bittet Roger Rosenkranz höflich einen jungen Mann, die Zigarette auszudrücken. Dieser entschuldigt sich und sucht einen Aschenbecher.
Friede, Freude und Eierkuchen statt Eierwürfe dann auch im städtischen Teil von Köniz. In der Nähe des Buchsee-Areals albert ein Dutzend Halbwüchsige. Rosenkranz albert mit. Der Kampfsportler verteilt freundschaftliche Püffe. «Gueti Giele», sagt er später. Bei der Steinhölzli-Anlage schwatzen die beiden mit Hauswart Keusen und schmusen mit dem Hund. Und beim Oberstufenzentrum am Ortsausgang Richtung Schwarzenburg bringt einzig der Fototermin ein bisschen willkommene Aufregung.
Bis hierher, nach zweieinhalbstündiger Fahrt und Eiersuche, hat die Patrouille nichts Auffälliges bemerkt. Erst als die beiden ausgebildeten Sicherheitsfachleute nach dem Bildershooting zum Auto zurückkehren, entdecken sie es: Auf der Frontscheibe des Bronco-Fahrzeugs läuft langsam das Innere eines Eis herunter. (Berner Zeitung)
Erstellt: 02.11.2011, 06:24 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:

Bitte warten




