Fehldiagnose aus dem Spitalamt
Von Fabian Schäfer. Aktualisiert am 29.10.2011 2 Kommentare
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Das Entsetzen in der Stadtberner Hirslanden-Klinik Beau-Site war gross: Sie soll ihre angestammte Spezialität, die Herzchirurgie, aufgeben. So sieht es der Entwurf der neuen Spitalliste 2012 vor, den die kantonale Gesundheitsdirektion den Spitälern Anfang Oktober zur Stellungnahme unterbreitet hat (wir berichteten). Die Klinikleitung erklärte stets, dabei könne es sich nur um ein Missverständnis handeln. Damit dürfte sie richtig liegen.
In der Branche kursiert das Gerücht, dass dem Spitalamt im Fall Beau-Site ein folgenschwerer Fehler unterlaufen ist. Demnach gab das Kriterium Qualität den Ausschlag für den Entscheid – was für das Beau-Site, dessen Herzchirurgie einen guten Ruf geniesst, bitter wäre. Die Qualität beurteilte das Amt anhand der «potenziell vermeidbaren Rehospitalisierungen» (Wiedereintritte) innert 30 Tagen nach Entlassung. Dabei wurden offenbar auch viele geplante Verlegungen von Patienten als unerwünschte Wiedereintritte gezählt.
Hirslanden ist zuversichtlich
Die Folge: Das Spitalamt errechnete für das Beau-Site viel zu tiefe Qualitätswerte. Konkret soll es um Fälle gehen, in denen ein Regionalspital einen Patienten für die Herzoperation ins Beau-Site schickt; dort wird er operiert und allenfalls eine Zeit lang betreut; danach verlegt man ihn zurück ins Regionalspital. In der amtlichen Auswertung belastet dieser Fall das Beau-Site, wenn die Verlegung irrtümlicherweise als ungeplanter Wiedereintritt infolge einer «schlechten» Behandlung interpretiert wird.
Hirslanden will dazu nicht im Detail Stellung nehmen. «Es geht aber in diese Richtung», bestätigt Christoph Egger, der neue Leiter der Klinik Beau-Site. Er zeigt sich zuversichtlich: «Wir stehen mit dem Spitalamt im Dialog und sind überzeugt, dass wir eine einvernehmliche Lösung finden.» Er sei mehr denn je überzeugt, dass ein Missverständnis vorliege.
«Mögliche Fehler aufdecken»
Das Spitalamt will sich zum konkreten Fall nicht äussern, da es sich um ein laufendes Verfahren handle. Grundsätzlich nimmt Amtsleiterin Annamaria Müller so Stellung: «Wir sind daran, alle Parameter zu überprüfen. Das Anhörungsverfahren dient dazu, mögliche Fehler aufzudecken.» Die Spezialisten des Amts mussten sich gemäss Müller zum Teil auf schwierig auswertbare Statistiken abstützen, da nicht von allen Spitälern alle Daten verfügbar gewesen seien. Müller lässt durchblicken, dass ihr inzwischen lieber wäre, der Entwurf der Spitalliste wäre nicht an die Öffentlichkeit gelangt. Die Gesundheitsdirektion hatte ihn diskret im Internet veröffentlicht, ohne die Medien zu informieren.
Insgesamt sieht Müller aber kein Problem: Die Spitäler könnten ja in der Anhörung die Daten des Amts überprüfen und ihre Zweifel anmelden. Allerdings hat das Amt beim Versand der Spitalliste die detaillierten Daten und Auswertungen nicht beigelegt. Darin sieht Müller aber auch kein Problem: Es sei nicht üblich, immer alle Entscheidgrundlagen offenzulegen. Zudem habe man den Spitälern die Daten auf Verlangen hin offengelegt.
Entscheid doch erst 2012?
Und warum hat das Amt die statistischen Auswertungen nicht mit den Spitälern vorbesprochen? Immerhin sind sie zumindest im Fall Beau-Site einigermassen erstaunlich und dienen als Basis für weit reichende Eingriffe. Müller zeigt sich selbstkritisch: «Das hätte man machen können.» Der Kanton Zürich hat das effektiv getan. In Bern habe schlicht die Zeit gefehlt. Die Frage ist indes, ob sich die Eile gelohnt hat. Denn wegen der diversen Komplikationen und Unsicherheiten sah sich der Kanton nun gezwungen, den Spitälern mehr Zeit zu geben, um zur Spitalliste Stellung zu nehmen. Die ursprüngliche Frist lief gestern ab; der Kanton gewährte nun eine Verlängerung bis 18.November. Damit ist sehr fraglich, ob der Regierungsrat die Liste noch heuer verabschieden kann. Dies war immer das Ziel von Gesundheitsdirektor Philippe Perrenoud (SP), das er zuletzt Anfang September bekräftigt hat, nachdem die Veröffentlichung der Spitalliste schon mehrfach verschoben worden war.
Ein grosses Problem ist die erneute Verzögerung aus Sicht des Kantons nicht: Die Liste soll mit dem Entscheid der Regierung sofort in Kraft treten – allenfalls halt erst im Lauf des Jahrs 2012. Sowieso sind Übergangsfristen vorgesehen, um den Spitälern Zeit zu lassen, sich auf die Vorgaben einzustellen. (Berner Zeitung)
Erstellt: 29.10.2011, 13:26 Uhr
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2 Kommentare
Allgemein sei noch zu bemerken, dass es nicht sein kann alle Herzkatheterlabors im Kanton in der Stadt Bern zu betreiben. Somit muss jeder Patient von Biel und Zweisimmen eine ellenlänge Fahrt auf sich nehmen, die einem Affront gleicht. Statt die Herzlabors aufzuteilen, spielen die Stadtberner Spitäler mit Leben und Krankenkassengeldern, statt die Leistungen Kantonsweit anzubieten. Antworten

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