Experten besuchten die Herdenschutzhunde
Von Christian Liechti. Aktualisiert am 15.08.2011 6 Kommentare
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Wachsam: Herdenschutzhunde machen es dem Wolf schwer, Tiere zu reissen. (Bild: Keystone )
Verbände verurteilen Anzeige scharf
Pro Natura Bern und WWF kritisieren die Anzeige des Vereins Wildtierschutz Schweiz gegen die Schafzüchter aus Rüschegg scharf. In einer gemeinsamen Mitteilung, die diese Woche versandt werden soll, fordern sie den Verein aus Graubünden auf, ihre Anzeige zurückzuziehen. Die in der Anzeige gemachten Äusserungen (Vernachlässigung der Schafe, fehlender Schutz vor Wölfen) seien unqualifiziert und könnten nicht ernst genommen werden, sagt Martina Meier vom WWF. Beim Verein Wildtierschutz Schweiz handle es sich um keine breit abgestützte Organisation, sondern um extremistische Jagdgegner. Die Äusserungen in der Anzeige sowie auf der Homepage des Vereins entbehrten jeglicher Realität. Meier: «Die Probleme beim Zusammenleben mit dem Wolf können nur praktisch, nicht juristisch gelöst werden.»
Wenn es um den Schutz des Wolfes und der Schafe in der Schweiz geht, driften die Meinungen auseinander. Das kantonale Jagdinspektorat hat am Freitag die verschiedenen Interessenvertreter deshalb zusammengeführt. Der Einladung folgten rund 20 Personen. Unter ihnen Vertreter der Schaf- und Ziegenzüchter, der Jäger, der Wildhut, von landwirtschaftlichen Organisationen, von Pro Natura, WWF sowie vom Forschungsprojekt Kora. Unter der Leitung von Jagdinspektor Peter Juesy besuchten die Interessenvertreter drei verschiedene Alpen im Simmental.
Verschiedene Strukturen
Auf der Alp Wildenstein nahm die Gruppe die Herde der Schafzuchtgenossenschaft Konolfingen unter die Lupe. Die Alp wird von zwei Herdenschutzhunden bewacht, und die Schafe werden in sogenannten Umtriebsweiden gehalten (wir berichteten). Auf der Alp Oberi Loohere sömmert nur ein Schafzüchter seine Tiere. Sie ist wesentlich kleiner als die Alp Wildenstein und einfacher strukturiert. Auch auf der Alp Oberi Loohere wird seit zwei Jahren erfolgreich mit einem Hund Herdenschutz betrieben. Die Interessenvertreter besuchten als letzte die Alp Waachli hoch über Oberwil. Hier wird bereits seit fünf Jahren erfolgreich Herdenschutz betrieben.
Einigkeit demonstriert
Die verschiedenen Interessenvertreter sind zum Teil auch Mitglieder der Kerngruppe Wolf. Diese berät den Volkswirtschaftsdirektor direkt bei Fragen rund um den Herdenschutz und im Umgang mit den Grossraubtieren. Weiter fördert die Kerngruppe die 2007 gefasste Strategie zum Umgang mit dem Wolf im Kanton Bern.
Nach dem Besuch der drei Alpen demonstrierten Schafzüchter, Jäger und Tierschützer Einigkeit: Der Herdenschutz auf den Alpen funktioniere grundsätzlich. Jedoch eigne sich nicht jede Alp, um Schafe mit Hunden vor dem Wolf zu schützen. «Ein flächendeckender Herdenschutz ist im Kanton Bern nicht möglich», sagt Simon Capt von Pro Natura Bern. Herbert Blum vom Bernischen Schafzüchterverband ergänzt: «Die Schafzüchter befinden sich in einem Prozess, der für viele persönlich schwierig ist und noch viel Zeit benötigt.»
Peter Zenklusen vom Berner Jägerverband mahnt nach den Alpbesichtigungen, die «Zeichen der Zeit zu erkennen und die Koexistenz zwischen Grossraubtieren, Nutztieren und weiteren Wildtieren zu akzeptieren und auch zu regeln». Es gelte nun, so Zenklusen weiter, bei der Revision der eidgenössischen Jagdverordnung «verträgliche Lösungen für alle Beteiligten» zu finden. Gemeinsame Lösungen mit den Jägern streben in Sachen Wolf auch Pro Natura und WWF an. «Es ist wichtig, dass wir die unterschiedlichen Interessen auf einen Nenner bringen und uns politisch nicht auseinanderdividieren lassen», sagt Martina Meier vom WWF. (Berner Zeitung)
Erstellt: 15.08.2011, 06:27 Uhr
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6 Kommentare
Schön, dass Einigkeit herrscht, da hätte man auch den Verein Wildtierschutz Schweiz mitnehmen können, denn wo Herdenschutz betrieben wird herrscht Einigkeit. Lustig, dass nicht ungeschützte Tiere besucht wurden, da würde die Einigkeit wesentlich geringer ausfallen. Solange die Politiker ihre Aufgabe nicht wahrnehmen und für die Umsetzung des Herdenschutzes zu sorgen, muss es halt der Richter tun. Antworten
Warum sollten Raubtiere sich nicht wieder bei uns ansiedeln, denn die vorhandenen Lebensräume im Alpenraum bieten Ihnen genügend Lebensgrundlagen! Die Tiere halten sich nicht an Landes- und Kantonsgrenzen und kommen ab und zu auch in bewohnte Gebiete. Es ist zu akzeptieren und auch positiv, dass sie zurückgefunden haben. Wir müssen uns entsprechend verhalten oder schützen, koexistent leben lernen. Antworten

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