Region

  • Region
  • Schweiz
  • Ausland
  • Wirtschaft
  • Börse
  • Sport
  • Kultur
  • Panorama
  • Leben
  • Auto
  • Digital
  • Wissen
  • Forum

Einigkeit im Kampf gegen Hooligans

Von Andrea Sommer. Aktualisiert am 24.01.2012 3 Kommentare

Was bringen Schnellgerichte im Kampf gegen Hooligans? Ist die Bewilligungspflicht für Spiele die Lösung, und zeitigen die ergriffenen Massnahmen Erfolge? Diese Fragen diskutierten am Montag Justiz und Politik.

Sie kämpfen gegen den Hooliganismus: Staatsanwalt Cesar Lopez, Sicherheitsdirektor Reto Nause, Justizdirektor Christoph Neuhaus und Staatsanwalt Simon Burger diskutierten gestern unter der Leitung von BZ-Journalist Tobias Habegger Massnahmen und Erfolge.

Sie kämpfen gegen den Hooliganismus: Staatsanwalt Cesar Lopez, Sicherheitsdirektor Reto Nause, Justizdirektor Christoph Neuhaus und Staatsanwalt Simon Burger diskutierten gestern unter der Leitung von BZ-Journalist Tobias Habegger Massnahmen und Erfolge.
Bild: Andreas Blatter

Das Podium zum Hooliganismus glich einem Geisterspiel. Nur eine Handvoll Zuschauer erschien gestern zum von GLP-Grossrat Thomas Brönnimann organisierten Gespräch. Kontrovers ging es nicht zu und her. Dafür war sich die Runde mit dem kantonalen Justizdirektor Christoph Neuhaus (SVP), dem städtischen Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP), dem für die Bekämpfung des Hooliganismus eingesetzten Staatsanwalt Cesar Lopez sowie dem ehemaligen St.Galler Untersuchungsrichter Simon Burger zu einig.

Interessant war jedoch, dass die beiden Staatsanwälte aus der Praxis berichteten. So erklärte Simon Burger, der das St.Galler Modell geprägt hat, wie man dort mit Hooligans verfährt. «Wir holen sie aus der Masse, inhaftieren sie für ein oder zwei Tag und versuchen sie in dieser Zeit abzuurteilen.» Dies jedoch nur ausserhalb des Stadions. «Ich würde nie im Leben einem Hooligan einen Strafbefehl im Stadion aushändigen, weil draussen seine Kollegen warten, die ihn raushauen wollen.»

Oft fehlen die Beweise

Die schnelle Verurteilung sei schwierig, weil die Beweislage selten klar genug sei, so Burger. Dem pflichtete Cesar Lopez bei. «Nicht die schnellen Urteile sind gute Urteile, sondern jene, die bis zur letzten Instanz Bestand haben.» Der Behauptung von Moderator Tobias Habegger, in Bern gehe man im Vergleich zu St.Gallen gemächlicher gegen Gewalttäter vor, widersprach Lopez entschieden: «Wir arbeiten mit den gleichen Mitteln wie die St.Galler.» Zwar führe man keine Statistik, wie viele Hooligans verurteilt würden. «Bei Hochrisikospielen gibt es aber jeweils bis zu 24 Anzeigen.»

Für die Idee, gewalttätige Fans mit einer schnellen Eingreiftruppe aus der Fankurve zu entfernen, konnten sich die Berner Diskussionsteilnehmer nur bedingt erwärmen. Dies sei problematisch, gab Lopez zu bedenken, zumal es dadurch zu einer Massenpanik kommen könne. Reto Nauses Bedenken waren finanzieller Art, da dies die Sicherheitskosten noch weiter erhöhen würde. «Im Stadion sind die Klubs für die Sicherheit verantwortlich.» Und die, auch darin waren sich die Gesprächsteilnehmer einig, könnten mehr für die Sicherheit tun. Neuhaus dazu: «Wir sassen mit der Fanarbeit schon öfter am Tisch – passiert ist nichts.»

Die Runde forderte deshalb, dass für Sportgrossanlässe eine Bewilligungspflicht eingeführt werden muss. «Nur so können wir auch die Gästefans einbinden, indem wir etwa festlegen, wie sie anzureisen haben», sagte Nause. In St.Gallen habe es bei der Einführung der Bewilligungspflicht zwar einen Aufschrei gegeben, erinnerte sich Burger. «Heute hat man aber den Vorteil, dass man ganz konkrete Auflagen machen und Verstösse sanktionieren kann.» Laut Neuhaus müsste die Bewilligungspflicht jedoch in der ganzen Schweiz gelten.

Polizeiaufwand gesenkt

Der Kampf gegen den Hooliganismus zeitigt auch Erfolge. So erklärte Burger, dass die St.Galler Fans bei Heimspielen heute fast keine Probleme mehr machten. Für Gesamtschweizer Lösungen spreche jedoch, dass sie sich auswärts noch immer «unter aller Sau» benähmen. Nause erklärte, dass die strikte Trennung der Fans den Polizeiaufwand massiv gesenkt habe. «2009 und 2010 waren rund 35'000 respektive 29'000 Mannstunden nötig, 2011 dagegen noch 19'000.» Dass es noch viel zu tun gibt, bis es in und um die Stadien wieder sicher ist, zeigte Neuhaus’ Aussage: «Ich gehe mittlerweile nicht mehr an YB-Matchs, weil man mir Schläge angedroht hat.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 24.01.2012, 10:51 Uhr

3

3 Kommentare

Bernd Meier

24.01.2012, 12:38 Uhr
Melden 10 Empfehlung

Meine Güte,. Wozu organisiert man eine Podiumsdiksussion, bei der nur eine Interessensgruppe vertreten ist? Da kann ja nichts dabei herauskommen. Und die Aussage, dass es "auch" Erfolge gebe ist ein bisschen frech. Schliesslich gab es seit Jahren bis auf dem Pyrowurf keine grossen Vorkommnisse mehr, die Anzahl Vorfälle sinkt stetig und die Zuschauerzahlen nehmen zu. Antworten


Petter Rettenmund

24.01.2012, 13:28 Uhr
Melden 2 Empfehlung

"Gewalttätige Fans aus der Kurve zu holen"? Bekämpft sich die Kurve jetzt schon selbst?
Ah nein, pyrozündende Fans sind ja auch gewalttätig... Doch, doch, eine Runde mit Personen voller Sachverstand und grosser Kompetenz...
PS: Die angedrohten Schläge hängen sicher mit der Politik von Neuhaus zusammen, aber wahrscheinlich kaum mit dem Fussball resp. Fans. Schön zusammenkonstruierter Zusammenhang..
Antworten



Populär auf Facebook Privatsphäre