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Die Richtung stimmt – aber das Tempo nicht

Von Michael Hug. Aktualisiert am 02.02.2012 2 Kommentare

Bis 2017 soll die Schweizer Landwirtschaft weiterhin mit jährlich 3,4 Milliarden Steuerfranken unterstützt werden.

Michael Hug (Bild: BZ)

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Das ist beachtlich viel Solidarität mit einer Branche, die gemäss Bundesamt für Landwirtschaft pro Jahr Nahrungsmittel und Dienstleistungen für rund 10,3 Milliarden Franken produziert. Dass diese Politik von der Bevölkerung mehrheitlich klaglos mitgetragen wird, hat damit zu tun, dass die Kunden auch einen Gegenwert erhalten. Nahrungsmittel aus schweizerischer Produktion erfüllen Standards, die weltweit keinen Vergleich zu scheuen brauchen. Fleisch, Milch, Eier und auch Getreide aus hiesiger Produktion sind in der Regel echte Qualitätsprodukte. Ein Land, das seinen Bauern eine deutlich umweltschonendere und tierfreundlichere Arbeitsweise vorschreibt, als deren ausländische Konkurrenten zu erfüllen haben, muss auch den Preis dafür zu bezahlen.

Andererseits wäre die Solidarität vermutlich um einiges geringer, wenn der Käuferschaft immer bewusst wäre, wie viel sie wirklich – unter Einrechnung aller staatlichen Stützungen – für ihr Rindsplätzli und ihr Brot bezahlt. Die Unterstützung wäre auch geringer, wenn die Bauernorganisationen nicht historisch bedingt immer noch unverhältnismässig viel politische Macht hätten.

Vor diesem Hintergrund erstaunt es, dass der Bundesrat bei seiner Vorlage für die Agrarpolitik 2014–2017 bereits vor den Verhandlungen im Parlament Zugeständnisse an die rückwärtsgerichteten Forderungen der Bauernlobby macht. Während er in den späten Neunzigerjahren in flottem Tempo Reformen durchsetzte, hat sich der Wandel in den letzten Jahren spürbar verlangsamt. Aber auch wenn dank der Beruhigung an der Konsumentenfront der öffentliche Druck nachgelassen hat, sind damit der Rückstand bei der Wettbewerbsfähigkeit und die Abhängigkeit von der öffentlichen Hand für die Bauern nicht geringer geworden. Im angrenzenden Ausland hat die EU-Landwirtschaftspolitik nicht nur seelenlose Grossbetriebe, sondern ebenso ein breit gefächertes Qualitätsangebot hervorgebracht – und damit bewiesen, dass hohe Ansprüche von einer dynamischen Landwirtschaft auch unter härteren Bedingungen erfüllt werden können.

E-Mail: michael.hug@bernerzeitung.ch

Diskussion: blog.bernerzeitung.ch/leserblog

(Berner Zeitung)

Erstellt: 02.02.2012, 09:19 Uhr

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2 Kommentare

Bernhard Kobel

02.02.2012, 13:22 Uhr
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Kein Wunder, verlangsamt sich das Tempo der nötigen Reformen: Die Wähler wählen ja auch die Bauernlobbyisten der BDP und SVP. Dass der BR eine Milliarde Fr. pro Jahr mit "Versorgungssicherheit" begündet, ist eine Frechheit: 2007 stammten 54% der Nahrungsmitel aus der CH.
Vielleicht ist mit Versorgungssicherheit ja gemeint, dass Bauern und Verbände sicher mit Steuergeld versorgt werden.
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Hans Gugger

02.02.2012, 15:18 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Jährlich 3,4 Ma.Fr für die Landwitschaft ist eine hohe Summe aber wenn man sieht wieviel schönes und
gutes Ackerlend unbewirtschaftet wird, wo nur die Beiträge einkassiert weden ist das eine Schande, Diese
Beiträge sind in meiner Sicht als Konsument und Steuerzahler eine Schande.
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