Die Regierung kürzt den Stundenplan
Von Fabian Schäfer. Aktualisiert am 12.11.2011 29 Kommentare
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Das Sparprogramm der Regierung zum Budget 2012 umfasst nicht sehr viele hart umstrittene Massnahmen. Gestern hat die Regierung jene zwei Vorschläge konkretisiert, die in der Budgetdebatte im Grossen Rat wohl am heftigsten bekämpft werden. So sollen die älteren Spitex-Klienten einen grösseren Teil der Kosten tragen (siehe Kasten links). Zudem will die Regierung in der Volksschule 10 Millionen Franken im Jahr sparen, indem sie die Lektionenzahl reduziert.
Bildungsdirektor Bernhard Pulver (Grüne) will diese Massnahme vollständig an der Primarschule des deutschsprachigen Kantonsteils umsetzen. Der frankofone Teil und die Sekundarstufe sind nicht betroffen. Konkret fällt in der 2. bis 4.Klasse je eine von vier respektive fünf Lektionen «technisches und textiles Gestalten» weg. In der 5. und 6.Klasse wird je eine von sieben Lektionen «Natur-Mensch-Mitwelt» (NMM) gestrichen.
Damit haben Zweitklässler insgesamt noch 24 statt 25 Lektionen pro Woche, Fünft- und Sechstklässler noch 29 statt 30. Dritt- und Viertklässler hingegen haben trotz Sparrunde mehr Unterricht als bisher: Für sie sieht die neue Stundentafel 28 statt 27 Lektionen vor. Der Grund ist der neue Fremdsprachenunterricht (Französisch ab 3. und Englisch ab 5. Klasse), der ab 2011/2012 sukzessive eingeführt wird.
Frankofone ausgenommen
Pulver begründet seinen Entscheid vor allem damit, dass der Kanton Bern in Gestalten und NMM überdurchschnittlich viele Lektionen anbiete. In anderen Fächern hingegen – primär Mathematik, aber auch Deutsch – hat Bern Nachholbedarf, wie der Blick auf andere Kantone zeigt.
Und warum nimmt Pulver den welschen Kantonsteil sowie die Sekstufe von der Sparübung aus? Um ein «Hüst und Hott» zu vermeiden, wie er sagt: In den frankofonen Schulen führte der Kanton eben erst den neuen Lehrplan der Romandie ein. Und auf der Sekstufe sei absehbar, dass Bern gemäss neuem Lehrplan 21, der ab 2015 gelten soll, gleich viele Lektionen anbieten sollte wie heute oder sogar mehr.
Pulver: «Knapp vertretbar»
Dass Pulver die Sparvorgabe allein mit der deutschsprachigen Primarschule erfüllen kann, verdankt er einer Spezialität des Fachs Gestalten: Dieses wird meist in Halbklassen unterrichtet. Pro Lektion fallen somit je zwei Lehrerpensen weg, was den Spareffekt verdoppelt. Insgesamt sind über 100 Vollzeitstellen betroffen. Pulver sagt, er hoffe, dass sich dies grösstenteils über die normale Fluktuation auffangen lasse; einzelne Kündigungen könne er nicht ausschliessen.
Der Bildungsdirektor sagt, dies sei eine «sehr unangenehme» Massnahme, die eigentlich sachlich falsch sei und die er nie treffen würde, wenn der Spardruck kleiner wäre. Sie sei «knapp vertretbar», da in Gestalten und NMM heute wirklich «sehr viele» Lektionen unterrichtet würden. Pulver räumt ein, Bern gehöre bereits zu den Kantonen, die gesamthaft am wenigsten Lektionen anbieten. «Aber bei den Löhnen stehen wir noch schlechter da.» Deshalb sei es nicht infrage gekommen, hier zu sparen. Und: «Ich denke nicht, dass die Qualität der Bildung insgesamt Schaden nimmt.» (Berner Zeitung)
Erstellt: 12.11.2011, 10:01 Uhr
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29 Kommentare
Was für eine Schweinwerei!! Und das in der reichen Schweiz!! Wenn wir in Nepal wären, würde ich das ja ev. verstehen. Aber in der Schweiz wird an Primarschülern gespart. Das ist eine Kapitulation der sozio-kulturellen Errungenschaften der letzten 250 Jahre. UBS retten, Kampfjets kaufen, Steuersenkungen, die die FDP-SVP durchgesetzt haben etc. etc.. Quo vadis? Ich schäme mich Schweizer zu sein. Antworten
Es ist schon unglaublich, dass der sog. Spardruck immer iuf dem Buckel der Bildung und den älteren Menschen ausgetragen wird - dafür wird bei den Investitionen mit voller Schaufel ausgegeben und die Baufirmen werden mit Aufträgen überhäuft, dass sie kaum wehren können - eine Situation, die sich nicht günstig auf die Preise auswirkt - die Oeffentliche Hand könnte hier regulieren - Budget ablehnen! Antworten

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