Die Folgen des Schocks bei der Nathalie-Stiftung
Von Katharina Merkle. Aktualisiert am 25.11.2011 1 Kommentar
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H.S. übernahm auch die unbeliebten Dienste: am Sonntag, nachts, als Krankheitsvertretung – er war immer flexibel. Sechs Jahre lang war das so: Von 2002 bis 2008 arbeitete H.S. im Internat Tannhalde der Nathalie-Stiftung in Gümligen. Dort wohnen neun schwer behinderte Kinder und Jugendliche, männliche und weibliche. Einzelne von ihnen hat er sexuell missbraucht. Das erfuhr Direktor Walter Zuber am 11.Januar: Vertreter der Fahndung erschienen in seinem Büro und setzten ihn ins Bild über die Geständnisse des inzwischen verhafteten Ex-Mitarbeiters. Es kam ebenfalls ans Licht, dass H.S. Heimknaben ohne Wissen des Teams auch privat betreut und wohl missbraucht hatte.
«Das zog mir den Teppich unter den Füssen weg», erzählt Zuber jetzt, zehn Monate danach. «Warum hat man das nicht gesehen?» Auch Stiftungspräsident Peter Niederhäuser war konsterniert. Zuber und Niederhäuser durften im Januar zwar das Personal sofort informieren, bei den Eltern mussten sie aber noch warten: Sie hatten sich zur Geheimhaltung bis am 1.Februar verpflichtet. «Diese Zeit des verordneten Schweigens schien endlos lang», sagt Zuber. Dann traten die Untersuchungsbehörden vor die Medien und machten diesen grössten Missbrauchsfall der Schweiz publik.
2003 wurde H.S. entlastet
An wie vielen Kindern der Nathalie-Stiftung sich H.S. vergangen hat, wird nicht bekannt gegeben. Welchen Schaden er bei den Opfern angerichtet hat, ist schwer abzuschätzen. Das Verhalten der zum Teil schwer behinderten Kinder zu interpretieren, ist selbst für Fachleute schwierig. Dies kann mit ein Grund dafür sein, dass H.S. 2003 ungeschoren davonkam. Damals wurden einem Angestellten des Internats Tannhalde anhand von Fotos sexuelle Übergriffe nachgewiesen. Auch H.S. wurde zuerst verdächtigt, dann aber fatalerweise entlastet. Zynisch: H.S. half nach diesem Fall freiwillig mit, den Leitfaden gegen Missbrauch zu aktualisieren. Nicht das erste Mal, auch bei anderen Heimen machte er bei solchen Papieren Vorschläge. In einem Heim soll er sogar einen Verdacht geäussert haben, ein Kind werde von Angehörigen missbraucht. So lenkte er von sich ab.
Keine Lücken im Lebenslauf
Ein neues fünfseitiges Massnahmenpapier hat die Nathalie-Stiftung in den letzten Monaten erstellt und umgesetzt. So hat sie eine interne Meldestelle geschaffen. Und das Team hat Weiterbildungen absolviert. Doch: «Trotz Korrekturen gibt es keine 100-prozentige Sicherheit vor Missbrauch, diese Tatsache ist schwer auszuhalten», sagt Walter Zuber. Darum setzt die Nathalie-Stiftung dort an, wo alles beginnt, und hat beim Bewerbungsver-fahren die Schraube angezogen. «Solche Leute dürfen gar nicht erst bei uns anfangen, das ist die einzig sichere Methode», sagt Peter Niederhäuser. Ein Bauchgefühl alleine reicht nicht aus, wie der Fall des beliebten H.S. beweist. Stattdessen geht die Leitung Unsicherheiten in Dossiers nun lückenlos nach. Ein Beispiel: Der Bewerber kann nicht von jedem Arbeitgeber Referenzen vorweisen, er hat Lücken im Lebenslauf, er wechselt häufig die Stelle. Klingen seine Erklärungen nicht plausibel, holt man bei ihm die Einverständnis ein, mit seinen ehemaligen Arbeitgebern zu telefonieren. Willigt der Kandidat nicht ein, kann das bereits viel über ihn aussagen.
Direktor Walter Zuber hat in den letzten Monaten an einem Kurs Täterprofile kennen gelernt. Bei einem Mitarbeiter wie H.S., der sich für alles zur Verfügung stellt und kein Privatleben hat, würden bei ihm heute die Alarmglocken schrillen.
Das Internat Tannhalde der Nathalie-Stiftung hat einen Neuanfang gemacht und ist diesen Monat nach Boll umgezogen. Das Eingebundensein in ein Quartier erhöht gemäss der Stiftung die Sensibilität. (Berner Zeitung)
Erstellt: 25.11.2011, 18:55 Uhr
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1 Kommentar
KOLLEGE
Professionelle Mitarbeiter wären wohl besser am Platz als Kollegen. Gedankenvoll müsste man jetzt nicht die Köpfe senken mit verschränkten Armen ocer aber mit den Händen in den Hosentaschen. Wann packen diese Herren Ihre Aufgaben an? Das Trauerspiel ist sehr schlecht gespielt. Crigs
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