Der heisseste Job ist die «Kaltschicht»
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Im Grenzgebiet der Kantone Bern und Solothurn sind rund um die Uhr stahlharte Profis am Werk. Zum Beispiel Michael Bärtschi. Als erster Schmelzer bei der Stahl Gerlafingen AG hat der 31-Jährige mit 1650 Grad heissem und flüssigem Stahl zu tun. Immerhin noch 1200 Grad heiss ist die Legierung, wenn sie zu Trägern oder anderen Elementen für die Bauwirtschaft oder Industrie gegossen wird. Keine Arbeit für jedermann. So sagt denn Bärtschi auch, dass die körperliche Robustheit wichtige Voraussetzung für diesen Job sei. «Im Umgang mit dem flüssigen Stahl ist Respekt angesagt. Angst wäre ein schlechter Ratgeber», erklärt der junge Mann. Ein routinierter Schmelzer erkenne am Klang des Ofens, wann es wegen einer Unregelmässigkeit gefährlich werden könnte, sagt Bärtschi.
Er überwacht den Schmelzvorgang, prüft die Qualität der Legierung und bedient die diversen Anlagen in der Produktionshalle. Wer nun aber glaubt, dass Bärtschi pro Schicht mehrere Kleidungsstücke durchschwitzt, der sieht sich getäuscht. Kaum tritt man vom Ofen oder von der mit heissem Stahl gefüllten Pfanne ein, zwei Schritte zurück, wird es kalt. In den seitlich teilweise offenen und schlecht bis gar nicht isolierten Hallen herrschen eisige Temperaturen und an einigen Stellen haben sich sogar Eiszapfen gebildet. Da erstaunt es wenig, dass sich die Schmelzer gelegentlich stehend in der warmen Luft über der Walze mit dem auf 600 Grad abgekühlten Stahl aufwärmen. Der Wechsel zwischen Heiss und Kalt setze ihm zu, sagt Bärtschi. Und auch das vom Schichtbetrieb geforderte unregelmässige Essen und Schlafen sei jedermanns Sache nicht.
Aus Schrott wird Stahl
Die heisseste Arbeit, die es in der Stahl Gerlafingen AG zu erledigen gilt, wurde in der Nacht auf gestern ausgeführt. Sinnigerweise wird diese Arbeit intern als «Kaltschicht» bezeichnet. Um 3 Uhr wurde der Ofen ausgeschaltet und zwischen 7.30 und 9 Uhr gewartet, kontrolliert und das Feuerfestmaterial, wo nötig, ergänzt. Um 16.30 Uhr konnte der Giessbetrieb wieder aufgenommen werden. Jährlich werden in Gerlafingen aus 800000 Tonnen Schrott 730000 Tonnen Stahl produziert Die Tagesleistung entspricht 30 Pfannen zu zirka 80 Tonnen.
An die mit grosser Hitze stattfindende Arbeit hat sich Michael Bärtschi gewöhnt. Mehr noch: «Als Eismeister wäre ich nicht zu gebrauchen. Ich liebe die Wärme und mag den Winter nicht sonderlich», sagt er und schmunzelt. Der stahlharte Profi freut sich im kalten Februar auf die Sommerferien am Meer. (Berner Zeitung)
Erstellt: 10.02.2012, 06:12 Uhr
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