Der Wahlstress hat Grunder zugesetzt
Von Susanne Graf. Aktualisiert am 15.12.2011 6 Kommentare
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Es muss eine etwas glitschige Angelegenheit gewesen sein, als sich BDP-Nationalrätin Ursula Haller und BDP-Präsident Hans Grunder gestern Morgen die Hand schüttelten. «Ich habe sonst nie feuchte Hände», sagte Haller. Aber gestern schwitzte sie. Und Grunder offenbar nicht minder. Er hatte Angst. «Ich traute der ganzen Sache nicht mehr.» Nach einer Zeit intensiver Gespräche und während sich die Medien immer überzeugter zeigten, dass Eveline Widmer-Schlumpf die Wiederwahl in den Bundesrat schaffen würde, packten Grunder auf einmal arge Zweifel.
Nur drei Stunden Schlaf
Viel geschlafen hat er in der Nacht vor den Bundesratswahlen nicht, obwohl er erstmals, seit er im Bundeshaus politisiert, nicht zu Hause im Emmental übernachtete. Grunder verbrachte die Nacht zusammen mit seiner Frau im Hotel in Bern. Doch zu mehr als drei Stunden Schlaf kam er nicht.
Nicht nur feuchte Hände, sondern auch sein blasses Gesicht verrieten dann die Anspannung. Eine Anspannung, die rapider nachliess, als es Grunder erwartet hätte. Bereits im ersten Wahlgang war «seine» Bundesrätin wiedergewählt. «Für mein Herz war das nicht gesund», stellte Hans Grunder sechs Stunden später im Kreis der Parteifreunde in der Schmiedstube schmunzelnd fest.
Mit einem Glas Rotwein in der Hand – Eveline Widmer-Schlumpf hatte für die rund hundert Anwesenden eine Runde ausgegeben – gab Grunder die letzten Interviews vor dem Essen mit der Fraktion. Er wirkte gelassen – nicht euphorisch wie einer, der soeben einen grossen Sieg eingefahren hat. «Wahrscheinlich kann ich noch gar nicht wirklich fassen, dass wir es geschafft haben», sagte er. Und wahrscheinlich werde sich in den nächsten Tagen eine grosse Leere in ihm breitmachen.
Sieben Kilo zugelegt
Grunder hat «das verrückte Jahr» mit den Parlaments- und den anschliessenden Bundesratswahlen zugesetzt. Weil er in Stresszeiten jeweils unkontrolliert esse, habe er vor den Nationalratswahlen sieben Kilo zugelegt. Immerhin wurden es in den letzten Wochen nicht noch mehr. Aber ans Abnehmen kann er erst jetzt wieder denken.
Für die BDP geht es jetzt darum, sich zu konsolidieren. Sieht sich Grunder immer noch als Kapitän, wenn die Partei jetzt in ruhigere Gewässer biegt? Bleibt er Parteipräsident? Darüber habe er noch nicht nachgedacht, sagt er – und lächelt. (Berner Zeitung)
Erstellt: 15.12.2011, 06:41 Uhr
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