Der Briefumschlag des Schreckens
Von Jon Mettler. Aktualisiert am 03.02.2012 22 Kommentare
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Gleich auf der Rückseite des Briefumschlags wird das Amt für Bevölkerungsschutz, Sport und Militär des Kantons Bern sehr deutlich: «Wie alle Einwohner in Ihrer Gemeinde leben Sie im Umkreis von 20 km um ein Kernkraftwerk», heisst es da. «Die Nukleartechnologie wird als sehr sicher erachtet. Es ist jedoch Aufgabe der Behörden, das Schadensrisiko bei einem Unfall maximal zu reduzieren. Deshalb erhalten Sie heute diesen Briefumschlag.»
Wer das Couvert öffnet, findet darin eine Plastikmappe, eine umfangreiche Informationsbroschüre, ein Faltblatt sowie einen Zonenplan. Der Kanton fordert einem auf, die Mappe mit den beigelegten Materialien und den separat verschickten Kaliumiodid-Tabletten zu bestücken und «an einem gut zugänglichen Ort Ihrer Wohnung» zur Aufbewahrung aufzuhängen. Das sind ganz neue Vorgaben des Kantons an seine Einwohner.
Kanton Bern verschickt 256'000 Dossiers
Insgesamt 256‘000 Dossiers hat der Kanton Bern versandt. Schweizweit sind es 628‘000. Die Information der Bevölkerung in der Umgebung von AKW zählt zu den gesetzlich vorgeschriebenen Notfallschutzmassnahmen, welche die Behörden ergreifen müssen.
Knapp ein Jahr nach der Kernschmelze in Fukushima sieht es also ganz danach aus, als habe der Super-GAU in Japan die zuständigen Behörden aufgeschreckt. Das Amt für Bevölkerungsschutz, Sport und Militär widerspricht: «Die aktuelle Informationskampagne ist keine Reaktion auf den Kernkraftwerk-Unfall vom März 2011 in Fukushima», sagt Olivier Andres, wissenschaftlicher Mitarbeiter. Die entsprechenden Planungen seien bereits wesentlich früher gestartet worden.
«Auch der Zeitpunkt für die Verteilung wurde bereits vor den Ereignissen in Fukushima festgelegt», so Andres. Die Informationsunterlagen seien jedoch «nach den Ereignissen in Fukushima nochmals überprüft und in Einzelheiten angepasst worden». (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 03.02.2012, 11:53 Uhr
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22 Kommentare
Was für ein reisserischer Titel, die Anzahl Clicks lässt grüssen. Ich schau dem Briefumschlag jedenfalls gelassen entgegen, die Gefährdung durch das AKW Mühleberg ist seit Fukushima nämlich nicht grösser oder kleiner geworden, als sie es schon immer war. Was mich als potentiell Störfall-Betroffene wirklich interessieren würde, ist die Frage, wie eine Evakuation, gesetzt den Fall, ablaufen würde. Antworten

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