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Datenverluste, falsche Passwörter, Abstürze: Gewerbeschule hat genug

Das 33 Millionen Franken teure Informatiksystem Evento brachte den Berner Mittelschulen von Anfang an Ärger. Jetzt hat die grösste Gewerbeschule die Nase voll. Sie stellt dem Kanton ein Ultimatum.

Gewerbeschule ärgert sich: Das Informatiksystem Evento streikt fast immer.

Andreas Blatter

Heute ist eine Krisensitzung anberaumt. Die Leitung der Gewerblich-Industriellen Berufsschule Bern (Gibb) trifft sich mit Verantwortlichen des kantonalen Mittelschul- und Berufsbildungsamtes (MBA). Das Thema: Es geht um das 33 Millionen Franken teure, problembehaftete Informatiksystem Evento. Evento ist ein vor sechs Jahren im Kanton Bern eingeführtes Informatiksystem zur Erledigung administrativer Arbeiten an Gewerbe- und Mittelschulen. Das Hauptproblem: Bei der Erfassung der Schulnoten an den Semesterenden – dann, wenn es besonders schnell gehen muss – streikt das System fast immer, bleibt hängen, speichert Daten nicht, vergisst Passwörter. Evento soll auch Schülerdaten erfassen, Stundenpläne und Zimmerzuteilungen organisieren.

Desaster droht

Jetzt will die Gibb-Leitung ihren Mitarbeitern die seit Jahren bekannten zeit- und nervenraubenden Mängel des Programms definitiv nicht länger zumuten. Sie setzt ein Ultimatum: Sie fordert, dass die seit Jahren bekannten unhaltbaren Mängel spätestens zum Notenschluss im Januar behoben sein müssen. Ist das nicht möglich, will die Schule eine andere Lösung suchen. Peter Chopard, administrativer Leiter der Gibb: «Wir erwarten bis im Januar eine deutliche, wirklich eine deutliche Verbesserung.» Für das kantonal zentrale System Evento wäre ein Ausstieg der mit 7000 Schülern mit Abstand grössten Schule ein Desaster. Ohne sie liessen sich die hohen Kosten des Systems wohl definitiv nicht rechtfertigen.

Allerdings stand das vor rund sechs Jahren eingeführte System Evento von Anfang an unter einem schlechten Stern. So stellte sich 2008 heraus, dass die Einführung viel mehr kostet als bei der Bewilligung angenommen. Die Politik musste zu den ursprünglich vorgesehenen 23 Millionen Franken einen Nachkredit von 7,2 Millionen Franken sprechen.

Auch mit der Umsetzung haperte es: Nach fünf Jahren hatten statt 22 erst 13 Schulen auf das System umgerüstet. Schon früh wurde zudem Kritik aus der Politik laut. So schrieb Grossrätin Käthi Wälchli Lehmann 2006 in einem Vorstoss, Evento werde von «erfahrenen Fachpersonen» als «überdimensional und verwaltungsaufwendig» bezeichnet.

«Noch schlimmer»

Nach der neusten Kritik der Gibb wird klar, dass die Beruhigungspille, die Erziehungsdirektor Bernhard Pulver im Januar der Öffentlichkeit verabreichte, nicht einmal Placebowirkung hatte. Er verkündete, die Probleme mit Evento seien weitgehend gelöst, das Projekt sei auf Kurs. Aus der Leitung der Gewerbeschule ist aber zu vernehmen, dass die Probleme mit Evento – anders als Pulver behauptete – in der letzten Zeit nicht etwa ab-, sondern deutlich zugenommen haben.

Pulver liess allerdings durchblicken, dass er selber kein Fan der mit Evento durchgesetzten Zentralisierung der Schuladministration sei. Es war denn auch nicht Pulver gewesen, der das Projekt aufgegleist hatte, sondern sein Vorgänger Mario Annoni. (Berner Zeitung)

Erstellt: 03.09.2010, 09:30 Uhr

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6 Kommentare

Christoph Zürcher

03.09.2010, 13:11 Uhr
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Es verwundert niemanden, dass die Erziehungsdirektion einmal mehr versagt. Dass Herr Pulver nun die Verantwortung auf seinen Vorgänger Annoni abschiebt, ist unfair. Pulver ist lange genug in der Erziehungsdirektion, dass er die Fehlentwicklung längst hätte stoppen können. Aber er weiss offensichtlich nicht, was in seinem Laden alles so läuft, deshalb machen die Bürokraten dort, was sie wollen. Antworten


Daniel Jordi

03.09.2010, 12:31 Uhr
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Die Entwicklung eines Programmes kostet 33 Mio, während es Schulverwaltungssoftware ab Stange für einige Tausend Franken gäbe (die funktionieren aber...). Dafür werden Kleinklassen aus Spargründen geschlossen, Schülerzahlen der Klassen aus Spargründen erhöht und Mehrjahrgangsklassen aus Spargründen eingeführt. Sparen auf Kosten der Schüler und Lehrer damit das Geld für die Misswirtschaft reicht... Antworten


Sven Sataric

03.09.2010, 11:11 Uhr
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Warum scheucht sich der Autor dieses Artikels, den Hersteller der Software zu benennen Gab es Mängelrügen während der Garantiezeit? Wenn ja, wie wurden die Mängelrügen durch den Hersteller behandelt? Antworten


Christian Dürig

03.09.2010, 10:57 Uhr
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Schaut euch das Video (http://pulsar.esm.psu.edu/Faculty/Gray/graphics/movies/va_tech_m480.mov) von Virginea Institute Of Technology an. Es ist vor 7 Jahren entstanden. Heute wurstelt man in Bern mit Systemen, die nichts taugen. Sogar in der Armee geht das Wursteln weiter. Meine Professoren sagten alle, dass Informatik nicht an Universitäten gehört. Was macht die ETH? Antworten


Reto Ris

03.09.2010, 10:51 Uhr
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Interessant zu wissen wäre, welcher Hersteller hier 33 Mio CHF verbraten hat, ohne ein funktionierendes System zu erstellen. Antworten


Renate Mäder

03.09.2010, 09:49 Uhr
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Was mich interessieren würde, ob das Projekt damals einer WTO Ausschreibung unterzogen wurde oder nicht und welche Varianten zur Verfügung gestanden haben. Ein Informatiksystem für 33 Mio. welches nicht funktioniert, da müsste der Lieferant und/oder Leistungserbringer zur Verantwortung gezogen werden. Antworten



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