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Das steckt hinter «HarmoS»

Von Urs Egli. Aktualisiert am 16.09.2009 4 Kommentare

Sollen Kinder nach dem 4.Geburtstag in den Kindergarten gehen? Befürworter und Gegner streiten sich. Doch HarmoS sollte nicht allein auf diese Frage reduziert werden. Am 27.September entscheidet das Bernervolk.

Diese Frage scheidet die Geister: Sollen 4-Jährige zu Hause bei der Familie bleiben oder bereits in den Kindergarten gehen dürfen?

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Bild: Keystone

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1.Was heisst HarmoS und was wird mit HarmoS angestrebt?

Die interkantonale Vereinbarung über die Harmonisierung der obligatorischen Schule in der Schweiz wird kurz HarmoS genannt. HarmoS ist ein neues Schulkonkordat, das in der ganzen Schweiz die Dauer und die wichtigsten Ziele der Volksschule regelt.

2. Warum soll die Volksschule in der Schweiz harmonisiert werden?

Mit einem Ja-Stimmenanteil von 86 Prozent zum revidierten Bildungsartikel hat das Schweizervolk (93 Prozent im Kanton Bern) im Mai 2006 den Auftrag gegeben, die wichtigsten Eckwerte der Volksschule zu vereinheitlichen. Nicht zuletzt mit dem Ziel, dass Wohnortwechsel zwischen den Kantonen für die Kinder nicht zu einem schulischen Problem werden. Dieser Auftrag wird mit HarmoS erfüllt.

3. Welches sind die Kernpunkte von HarmoS?

Die Kinder treten nach ihrem 4.Geburtstag in den Kindergarten ein. Der Besuch des 2-jährigen Kindergartens wird obligatorisch. Dadurch erhöht sich die obligatorische Schulzeit von heute 9 auf 11 Jahre. Die erste Fremdsprache beginnt im heutigen 3.Schuljahr, die zweite im 5.Schuljahr. Gesamtschweizerisch werden Bildungskompetenzen definiert, welche die Schülerinnen und Schüler erreichen sollten. An allen Schulen in der Deutschschweiz und in der Westschweiz wird je nach dem gleichen Lehrplan unterrichtet. Der Schulalltag wird in Blockzeiten organisiert und Tagesschulangebote werden aufgebaut.

4. Werden die Kinder durch HarmoS nach dem 4.Geburtstag eingeschult?

Der Begriff «Einschulung» gemäss HarmoS-Konkordat ist juristisch und nicht pädagogisch zu verstehen. Ein Kind wird nach dem 4. Geburtstag zum Besuch einer Vorschuleinrichtung verpflichtet. Damit ist nicht der Eintritt in die erste Primarklasse gemeint, sondern der Eintritt in den zweijährigen Kindergarten, der neu Teil der obligatorischen Schulzeit ist. Die ersten Schuljahre sind weiterhin Kindergarten-orientiert. Möglich wäre auch eine vierjährige Basisstufe (zwei Jahre Kindergarten und zwei Jahre Unterstufe als Einheit), wie sie in 13 Gemeinden im Kanton Bern getestet wird.

5. Müssen ausnahmslos alle Kinder nach dem 4. Geburtstag in den Kindergarten, oder können die Eltern bezüglich Einschulungsalter noch ein Wort mitreden?

Die Eltern können weiterhin beantragen, dass ihr Kind zu einem früheren oder späteren Zeitpunkt eingeschult wird. Das Vorgehen hierbei wird kantonal geregelt. Dazu sagt der bernische Bildungsdirektor Bernhard Pulver: «Selbstverständlich wird es auch in Zukunft möglich sein, dass Kinder später in den Kindergarten gehen, wenn sie dafür noch nicht bereit sind.» Diese heute im Kanton Bern geltende Praxis soll nicht grundsätzlich geändert, jedoch vereinfacht werden. Statt eines Antrages der Eltern, einer Stellungnahme der Erziehungsberatung und eines Entscheids der Schulleitung, soll es künftig genügen, wenn die Eltern der Schulleitung einen Antrag stellen.

6. Warum sollen Kinder zwei Jahre den Kindergarten besuchen?

Alle Kinder sollen das Recht auf frühe Förderung und Bildung erhalten, damit alle Kinder die gleichen Start- und Bildungschancen haben. Dieses Recht soll mit HarmoS verankert werden.

7. Wie viele Gemeinden im Kanton Bern bieten den zweijährigen Kindergarten schon heute an?

271 Gemeinden (92 Prozent) haben bereits heute den zweijährigen Kindergarten im Angebot, in den restlichen 25 Gemeinden können die Kinder ein Jahr in den Kindergarten.

8. Wie hoch sind die Mehrkosten, die dem Kanton Bern durch HarmoS erwachsen?

Der Regierungsrat rechnet mit jährlichen Mehrkosten von 36 Millionen Franken.

9. Was sagen die bernischen Lehrkräfte zu HarmoS?

Der Berufsverband Lehrerinnen und Lehrer Bern (Lebe) sagt Ja zum HarmoS-Konkordat. Einzelne Lehrkräfte haben sich jedoch im Komitee «Pädagogen gegen HarmoS» formiert.

10.Wer kämpft für und wer gegen HarmoS?

Im September 2008 hat sich der Grosse Rat des Kantons Bern mit 121 zu 13 Stimmen für den Beitritt zum HarmoS-Konkordat ausgesprochen. Ja sagen zudem FDP, SP, BDP, Grüne, Grünliberale, CVP, EVP, Lehrerinnen und Lehrer Bern, Berner KMU, Handels- und Industrieverein Kanton Bern, vpod Bern, Gewerkschaftsbund Kanton Bern, Verband der Arbeitgeber Region Bern, Angestellte Bern und die Frauenzentrale. Nein zu HarmoS sagen SVP und EDU. Das überparteiliche Nein-Komitee wird von SVP- und EDU-Mitgliedern präsidiert. (Berner Zeitung)

Erstellt: 16.09.2009, 08:00 Uhr

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4 Kommentare

Ruth Schweingruber

16.09.2009, 16:13 Uhr
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Recht auf Förderung? Hat nicht ein Kind auch ein Recht auf Kindsein? Zu Hause die Nestwärme zu geniessen? Die Liebe und Geborgenheit der Familie zu erleben? Es sind nicht die Kinder die auf diese Rechte verzichten möchten, es sind leider immer öfters die Eltern, die nicht mehr bereit sind, diese Rechte gegenüber den Kindern wahrzunehemen. Lasst dem leider kleinen Teil der Familien diese Möglichket Antworten


Brigitte Lüthi

16.09.2009, 16:48 Uhr
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Was 80% tun, muss nicht automatisch richtig sein. Wenn Vierjährige jeden Tag schon einen festen Termin haben, ist das vorallem die Denkweise der Erwachsenen und hat mit Frühförderung nichts zu tun. Auch brauchen kleine Kinder eine überschaubare Gruppe und nicht bis 20 Kinder. Lassen wir doch den Kindern die frühen Kinderjahre um sich ganz nach ihrem individuellen Bauplan zu entwickeln. Antworten



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