Das doppelte Lächeln in der Berner SP
Von Stefan von Bergen. Aktualisiert am 03.09.2010 2 Kommentare
Artikel zum Thema
- Weshalb Sommaruga der «bessere Ammann» ist
- Simonetta Sommaruga soll in die Landesregierung
- SP nominiert Sommaruga für den Bundesrat
Kiener Nellen (hinten) wählt Sommaruga (vorne). (Bild: Andreas Blatter)
Hinten die Bolliger Nationalrätin Margret Kiener Nellen, die die rote Karte zückt. Nicht, wie man meinen könnte, um Sommaruga vom Feld, sondern um sie ins Rennen zu schicken.
Kieners Lächeln kommt einem etwas unbeschwert vor, wenn man bedenkt, dass sie die Kronfavoritin Sommaruga noch Mitte Juli in ein eher kritisches Licht stellte. Sie sagte damals der «NZZ am Sonntag», das für mehr Eigenverantwortung und weniger Staatshilfe plädierende Gurten-Manifest von Sommaruga und anderen gemässigten SPlern habe «der nationalen und besonders der Berner SP Verluste eingetragen», und das schade nun Sommaruga. Kiener portierte gegenüber der «NZZ am Sonntag» denn auch Regierungsrä-tin Barbara Egger. Nicht Sommaruga.
Man muss hier noch – das Kurzzeitgedächtnis! – anmerken, dass Sommaruga bei der Ständeratswahl 2003 Kiener Nellen vor der Sonne stand. Sommaruga stach damals bei der Kandidatenkür Kiener deutlich aus. Obwohl das ominöse Gurten-Manifest von 2001 noch ganz frisch war. Im Oktober 2003 wurde Sommaruga dann triumphal als erstes Berner SP-Mitglied in den Ständerat gewählt.
Weil Niederlagen schmerzen, wäre eine gewisse Zurückhaltung zu verstehen. Margret Kiener Nellen aber dementiert auf Anfrage dezidiert, dass ihr Lächeln bei der vorgestrigen Kür dunklere Gefühle verberge: «Ich bin sportlich, wenn ich wie 2003 einmal die Zwei am Rücken habe, kann ich problemlos mit der Siegerin weiterarbeiten.» Sie habe Egger auch vorgeschlagen, um das Feld für die Moritz-Leuenberger-Nachfolgerinnen «breiter zu öffnen». Egger sei dann nicht angetreten. «Also wählte ich jetzt Sommaruga, so einfach ist das.» Sie sei übrigens nur über die Wirkung des Gurten-Manifests befragt worden, sagt Kiener Nellen, und sie habe sich nicht negativ über Sommaruga geäussert. «Ich pflege eine gute Zusammenarbeit mit ihr.»
Findet sie Sommaruga nun also gut? Kiener Nellen zögert kurz. «Ich habe sie bei jeder Ständeratswahl unterstützt und werde ihren Namen auch bei der Nomination in der SP-Bundeshausfraktion aufs Zweierticket schreiben.» Auch den anderen Berner, Johann Schneider-Ammann, unterstütze sie, versichert Kiener. Sommaruga sei übrigens kompetent, dossiersicher und habe ihre Position seit dem Gurten-Manifest verändert.
Ob innersozialdemokratische Harmonietrübungen einfach weggelächelt werden, obwohl sie weitergären, wird sich weisen. (Berner Zeitung)
Erstellt: 03.09.2010, 08:10 Uhr
Kommentar schreiben
2 Kommentare
Frau Sommaruga gehört in den Bundesrat. Nur schade, dass sie dann im Ständerat fehlen wird. Vermutlich wird ihr dann ein Nachfolger joderscher Prägung folgen. Schade für den SVP-lastigen (Lästigen!) Kanton Bern... Freundliche Grüsse am Sonntagnachmittag!l Antworten
wieso müssen die medien immer alles hinterfragen und irgendwelche verschwörungstheorien "aufdecken"? in der politik gibt es immer machtkämpfe, und es gibt immer leute die "gewinnen", das heisst nicht dass die verlierer immer böse gedanken hegen... im sport kann man nach einer niederlage auch wieder nach vorne schauen! Antworten






