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Das Seeland ist ein Sorgenkind der SP

Von Lucia Probst. Aktualisiert am 09.11.2010 4 Kommentare

Der Seeländer Wahlherbst bringt es an den Tag: Für die Sozialdemokraten ziehen immer mehr düstere Wolken auf. SP-Parteisekretär Daniel Furter räumt ein, dass die SP Wählerinnen und Wähler verliert.

1/3 Hugo Lobsiger, SP-Gemeinderat in Seedorf
Seit zwölf Jahren sitzt Hugo Lobsiger im Gemeinderat von Seedorf. Ende Jahr ist Schluss: Amtszeitbeschränkung. Einen Nachfolger aus der eigenen Partei wird es nicht geben. Bei den Wahlen vom Sonntag hat die SP ihren Gemeinderatssitz verloren. Lobsiger: «Wir hätten wohl für mich einen Nachfolger aufbauen sollen. Wäre ich vor einem Jahr zurückgetreten, hätte ein Bisheriger zu den Wahlen antreten können.»
Susanne Keller

   

Daniel Furter, Parteisekretär der SP Kanton Bern. (Bild: zvg)

Ein schwerer Stand

Diverse Wahlen bringen es an den Tag. Die Sozialdemokraten haben es im Seeland derzeit alles andere als leicht. Das jüngste Beispiel lieferte am Sonntag Seedorf,wo die SP ihren einzigen Sitz im Gemeinderat verloren hat.

Auch andernorts kämpfen die Sozialdemokraten im Seeland: Letztes Jahr in Lyss und dieses Jahr in Worben versuchten SP-Frauen das Gemeindepräsidium zu erobern. Dass die SP hier überhaupt Kandidatinnen stellen konnte, ist zwar ein Zeichen für die Stärke der Partei. Doch beide Frauen mussten harte Niederlagen einstecken, die ebenfalls aufhorchen lassen.

Busswil wählte Ende September die politischen Vertreterinnen und Vertreter, die es nach der Fusion nach Lyss schicken will. Dass der einzige von Busswil gestellte Gemeinderatssitz nicht an die SP ging, mag verständlich sein. Dass die SP aber auch keines der sieben Parlamentsmandate besetzt, zeigt auch hier deren schwachen Stand. In Kappelen und Grossaffoltern stehen die Gemeindewahlen noch bevor.

In Kappelen werden sie ohne SP stattfinden. Bereits vor vier Jahren löste sich die SP-Sektion auf. In Grossaffoltern, wo die SP aktuell zwei der sieben Sitze im Gemeinderat stellt, kommt es am 28. November zur Kampfwahl ums Gemeindepräsidium. SP-Gemeinderat Dominik Häusermann tritt dabei gegen Niklaus Marti (BDP) an. Er steigt zuversichtlich ins Rennen.

Die SP musste im Seeland in letzter Zeit etliche Wahlniederlagen einstecken. Jüngstes Beispiel: Die Seedorfer SP verlor am Sonntag ihren einzigen Sitz im Gemeinderat. Sind Sie in der Berner Parteizentrale alarmiert, Herr Furter?
Furter: Wir haben im Seeland tatsächlich Schwierigkeiten. Das hat sich vor allem bei den Grossratswahlen diesen Frühling deutlich gezeigt. Wir haben im Seeland viel verloren. Natürlich haben wir im Parteisekretariat auch bereits über die Seedorfer Wahlniederlage von diesem Sonntag gesprochen.

Und, wie lautet Ihr Fazit?
Das Ergebnis in der Gemeinde Seedorf ist wohl ein typisches Beispiel. Eine engagierte Person tritt von ihrem Amt zurück. Dann gibt es ein Loch bei der Nachfolge – und der Sitz ist weg. Wir werden aber noch detaillierter analysieren, wie die Niederlage in Seedorf zustande gekommen ist.

Inwiefern?
Lag es an den Köpfen? Oder an der Kampagne? Das wollen wir jetzt sicher noch genauer wissen. Ein wichtiger Faktor ist sicher auch, dass diesmal die BDP und die Grünen mit eigenen Listen antraten. Die Konkurrenz für uns war weit grösser.

Im Seeland fällt auf, wie erfolgreich die BDP bei Wahlen ist – oft auf Kosten der SP, oder?
Die SP-Wählerschaft auf dem Land ist nicht so dezidiert links wie jene in der Stadt. Zudem mobilisiert der Zweikampf zwischen BDP und SVP viele Wähler. Ja, wir stellen durchaus fest, dass wir an die BDP verlieren.

Was erhält eine Ortssektion von Ihrer Zentrale für Support bei Wahlen?
Wir bieten einer Sektion zum Beispiel bei Gemeindewahlen einen Kampagnenworkshop für den Wahlkampf an und stellen ihr auch Material zur Verfügung.

Ist das Seeland Ihr spezifisches Sorgenkind?
Wir haben es auch in andern ländlichen Gebieten teils schwierig. Im Emmental und im Berner Oberland zeigt sich ein sehr ähnliches Bild.

Wie erklären Sie sich das?
Die Gemeinden sind klein, wir haben oft Probleme, überhaupt Kandidierende zu finden. Sektionen verwaisen oder schliessen sich zusammen. Es gibt immer weniger Leute, die sich politisch engagieren wollen. Das geht aber nicht nur uns, sondern auch anderen Parteien so.

Was tun Sie gegen diesen Trend?
Das ist nicht so einfach. Letztlich steht und fällt praktisch alles damit, wie sehr sich Leute vor Ort engagieren. Es braucht gute Köpfe. Die werden in einem Dorf auch gewählt. Egal, welcher Partei sie angehören. Aber die können wir nicht einfach aus dem Hut zaubern.

Ein Beispiel für einen solchen Kopf?
Da kann ich Ihnen sogar ein Beispiel aus dem Seeland liefern. In Aegerten hat der damals 26-jährige SP-Mann Stefan Krattiger vor einem Jahr das Gemeindepräsidium erobert, und die SP hat die Mehrheit im Gemeinderat. Dabei hat auch Aegertens SP nicht nur goldige Zeiten erlebt.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 09.11.2010, 08:38 Uhr

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4 Kommentare

Ruedi Müller

09.11.2010, 09:31 Uhr
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Die Genossen aus ganz Europa verlieren Wahlen. Das ist auch gut so. Je schwächer die SP wird desto grösser werden die Staatskassen. Antworten


Hans Abbühl

09.11.2010, 09:46 Uhr
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Das Seeland das Sorgenkind der SP? Wenn ich an Biel denke, würde ich sagen: Die SP ist der Sorgenverursacher dieser Stadt. Hoffentlich laufen auch dort die Genossen davon, das würde Biel sehr gut tun. Antworten



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