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Berner erhalten nächstes Jahr nur ein Prozent mehr Lohn

Von Philippe Müller. Aktualisiert am 22.12.2011 1 Kommentar

Viele Bernerinnen und Berner können sich kurz vor Weihnachten auf eine Lohnerhöhung freuen. Diese fällt mit durchschnittlich 1 Prozent zwar tiefer aus als letztes Jahr. Dafür wird der Zustupf im Portemonnaie bleiben und nicht von der Teuerung zunichte gemacht werden.

Bild: Karrikatur: Max Spring

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Schwieriger Vergleich Kanton - Bund

Der Kanton Bern gewährt seinem Personal 1,5 Prozent mehr Lohn, der Bund 1,2 Prozent (siehe Tabelle): Ist also der Kanton grosszügiger als der Bund? Nein, im Gegenteil, findet die kantonale Finanzdirektion. Die beiden Werte seien nicht vergleichbar. Während der Kanton alle Lohnmassnahmen – individuelle wie generelle – ausweise, sei dies beim Bund nicht der Fall. Allen Vergleichen zum Trotz gewähre der Bund seit Jahren «deutlich grosszügigere» Lohnrunden als der Kanton.

Das Eidgenössische Personalamt hält dazu zweierlei fest: Der Bund kommuniziere stets, wie stark er die Lohnsumme erhöhe. Dies entspreche der Praxis der meisten Arbeitgeber. Insofern erscheint eher der Kanton als Exot: Er erhöht die Lohnsumme nicht so stark, wie man meinen könnte. 2012 wächst sie trotz einer Lohnrunde von 1,5 Prozent nur um etwa 1 Prozent.

Der Grund: Der Kanton schöpft den Grossteil der «Rotationsgewinne» aus der Lohnsumme ab und leitet sie in die Staatskasse. Dabei geht es primär um Einsparungen, die entstehen, wenn Pensionierte mit Maximallohn durch Neulinge mit Grundlohn ersetzt werden. Andere Arbeitgeber wie der Bund setzen diese Gewinne für individuelle Gehaltsaufstiege ein, kommunizieren dies aber nicht, da die Lohnsumme dadurch nicht ansteigt. 2012 ermöglicht dies dem Bund zusätzliche Lohnerhöhungen von 1 Prozent der Lohnsumme.

Ein fairer Vergleich sähe damit wohl etwa so aus – nach Rechnungsart des Kantons: Der Bund gewährt 2,2 und der Kanton

1,5 Prozent. Nach Rechnungsart des Bundes: Der Bund gibt 1,2 und der Kanton 1 Prozent.

Gewerkschaften: Durchzogene Bilanz

Vor dem Hintergrund sich eintrübender Konjunkturaussichten ziehen die Gewerkschaften eine gemischte Bilanz der Lohnverhandlungen für 2012. Die Bandbreite der nominellen Lohnerhöhungen liegt bei 0,3 bis 2,5 Prozent. Allerdings stellt der Gewerkschaftsdachverband Travailsuisse deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen fest.

In zahlreichen Branchen der Binnenwirtschaft seien ordentliche Lohnerhöhungen erreicht worden, sagte Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik bei Travailsuisse, am Mittwoch an einer Medienkonferenz. Die Verhandlungen in der exportorientierten Wirtschaft seien dagegen zäh verlaufen.

Arno Kerst, Vizepräsident der Gewerkschaft Syna, bezeichnete das Verhandlungsklima rückblickend als «sehr schwierig». Enttäuschend fällt seine Bilanz beim Detailhandel aus. Mit Coop sei keine Einigung erzielt worden, und die Lohnerhöhung bei der Migros falle mit 0,5 Prozent gering aus.

60 Franken: Ungefähr so viel haben die Bernerinnen und Berner nächstes Jahr mehr in ihrem Portemonnaie. Diesen Zustupf haben sie der durchschnittlichen Lohnerhöhung von 1 Prozent zu verdanken, welche die Berner Firmen ihrem Personal für 2012 gönnen. Wie eine Umfrage dieser Zeitung bei 30 Arbeitgebern des Kantons mit insgesamt mehr als 120'000 Angestellten ergab, kann die Lohnerhöhung je nach Firma und Branche stark variieren. Auf 60 Franken kommt man, wenn man vom Durchschnittslohn im Kanton Bern ausgeht: 2010 betrug dieser laut Bundesamt für Statistik (BFS) 5890 Franken.

1 Prozent mehr für Bernerinnen und Berner, das ist weniger als auch schon. Letztes Jahr zum Beispiel fiel die Lohnrunde mit durchschnittlich 1,7 Prozent im Kanton Bern grosszügiger aus. Auch im nationalen Vergleich schneidet Bern nicht besonders gut ab. Eine Vielzahl der Lohnabschlüsse in der Schweiz beliefen sich auf 1,3 bis 2 Prozent, teilte der Schweizerische Gewerkschaftsbund kürzlich mit. Noch ist es aber zu früh für eine Schlussbilanz, weil gerade in der von der Währungssituation stark betroffenen Maschinenindustrie schweizweit noch nicht viele Lohnabschlüsse vorliegen.

Trost: Keine Teuerung in Sicht

Auch wenn sich die meisten Berner Arbeitnehmer mit einer kleineren Lohnerhöhung begnügen müssen, ein Trost bleibt: Der grösste Teil des Zustupfs wird tatsächlich im Portemonnaie bleiben. Anders als für das laufende Jahr prognostiziert das BFS für 2012 eine Teuerung von –0,3 Prozent. Das heisst, die Konsumgüter werden in der Tendenz billiger, und die Kaufkraft steigt. Zudem fällt die durchschnittliche Erhöhung der Krankenkassenprämien für 2012 mit 2,2 Prozent moderater aus als in den letzten Jahren. Ein zusätzliches feines Nachtessen mit dem oder der Liebsten pro Monat sollte also dank der Lohnerhöhung allemal drinliegen.

Nicht alle profitieren

Im Kanton Bern profitieren jedoch längst nicht alle Beschäftigten von einer Lohnerhöhung. Zum einen richten viele Arbeitgeber die Erhöhung nicht generell, sondern leistungsbezogen aus, zum anderen haben einige Firmen eine Nullrunde beschlossen. So etwa der Lysser Industriebetrieb Feintool und der Neuenegger Systembauer Stoppani. Die Begründung ist bei beiden Firmen dieselbe: Die Währungssituation und die unberechenbare Wirtschaftslage liessen keine Lohnerhöhungen zu.

Enttäuscht dürften auch die rund 3600 Angestellten der Berner Stadtverwaltung sein, denn auch die Stadt Bern hat für 2012 eine Nullrunde beschlossen. Kleines Trostpflaster: Die Stadt bezahlt jedem Mitarbeiter immerhin eine Einmalprämie von bis zu 500 Franken, falls das Parlament dem Vorhaben zustimmt. Die Stadt Bern begründet den Entscheid, auf einen Teuerungsausgleich und eine Lohnerhöhung zu verzichten, mit der Negativteuerung zwischen November 2010 und November 2011 von –0,6 Prozent.

Sparsame Detailhändler

Ein Blick auf die Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen zeigt: Vor allem die Banken und die Detailhändler sind weniger grosszügig als noch letztes Jahr. Coop etwa, mit über 6000 Angestellten im Kanton Bern ein wichtiger Arbeitgeber, hatte die Lohntabelle in dieser Zeitung im letzten Jahr noch angeführt. Damals wurden die Mitarbeiter mit einer Lohnerhöhung von durchschnittlich 2,8 Prozent belohnt. Dieses Jahr landet der Detailhändler mit einer Anpassung von 0,3 Prozent im Tabellenkeller. Coop macht für die Zurückhaltung unter anderem die sich abschwächende Konsumentenstimmung verantwortlich.

Auch die Genossenschaft Migros Aare buchstabierte bei der Lohnerhöhung zurück: Gönnte sie ihren Angestellten 2011 noch einen Zustupf von 1,5 Prozent, sind es für 2012 noch 0,5 Prozent. Exakt die gleiche Reduktion ist auch bei der Grossbank Credit Suisse zu beobachten, die im Kanton Bern 1000 Mitarbeiter beschäftigt.

CSL Behring top

Die grosszügigste Lohnerhöhung im Kanton Bern gewährt in der laufenden Verhandlungsrunde das Pharmaunternehmen CSL Behring. Die Blutplasmaspezialistin mit Sitz im Wankdorfquartier erhöht die Gehälter ihrer 1000 Mitarbeiter um durchschnittlich 2,8 Prozent. Da können nur noch die Jungfraubahnen mit 2,7 Prozent mithalten.

Noch haben nicht alle grossen Berner Arbeitgeber Lohnentscheide gefällt. Valiant, Espace Media, Ruag und Ypsomed geben ihren Beschluss erst im Frühjahr bekannt. (Berner Zeitung)

Erstellt: 22.12.2011, 11:43 Uhr

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1 Kommentar

Urs Wälchli

22.12.2011, 12:29 Uhr
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Bei einer negativen Teuerung sollten die Löhne sinken und nicht steigen. Muss als Arbeitgeber mit immer tieferen Einnahmen mehr ausgeben, kann es nur ausgleichen indem ich von den Angestellten mehr Leistung bei gleicher Arbeitszeit fordere. Oder aber sie entlasse und im Ausland produziere. Antworten



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