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Berner Skiorte sind nicht wettbewerbsfähig

Von Philippe Müller. Aktualisiert am 07.12.2011 19 Kommentare

Zermatt und St.Moritz sind die attraktivsten und erfolgreichsten Wintersportorte der Schweiz. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Credit Suisse. Mehrheitlich mässige bis schlechte Noten gibt es dagegen für die Winterdestinationen im Berner Oberland.

1/8 Credit Suisse Economic Research

   

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Das sagen die Oberländer zur CS-Studie

Zwei Oberländer Touristiker erklären, wieso ihre Gemeinden bei der neusten CS-Studie im hinteren Feld der Bewertung liegen. Für Nils Glatthard, den Geschäftsleiter von Haslital Tourismus, ist die vorliegende Studie «mangelhaft», weil sie nur Aussagen über einzelne Gemeinden, nicht aber über Wintersportdestinationen macht, die sich über mehrere Gemeinden erstrecken; wie im Besonderen das Haslital, das sich über ein Gebiet von sechs Gemeinden erstreckt. Glatthard: «Es ist deshalb unerklärlich, dass bei dieser Studie die Gemeinden Meiringen und Hasliberg einzeln bewertet werden. Zahlreiche attraktive Angebote finden sich in den umliegenden Gemeinden. Gerade die verschiedenen Seitentäler sind prägend für die Attraktivität unseres Tals.» Wenn bei der Bewertung nur gerade auf ein Gemeindegebiet abgestellt werde, könnten Meiringen und Hasliberg für sich selber logischerweise nicht gut abschneiden, sagt der Touristiker. Und: «Unsere auf so viele Gemeinden verteilte Destination kann unmöglich 1:1 mit einer Gesamtdestination wie Zermatt verglichen werden. Meiner Meinung nach haben von Menschenhand erbaute, ‹künstliche› Angebote in dieser Studie zu viel Gewicht; die Natur als wichtigstes Element wird dagegen kaum berücksichtigt.» Als richtig beurteilt Glatthard hingegen die Feststellung der Studie, dass im Bereich der Hotellerie ein Mangel herrscht.

Ähnlich sieht das sein Amtskollege Jürg Blum, der Geschäftsleiter von Adelboden Tourismus: «Die Studie ist sicher eine wertvolle Standortbestimmung, die wir zur weiteren Optimierung nutzen können. Aber wenn darin unser ganzes Skigebiet Adelboden-Lenk als Massstab herangezogen worden wäre, dann würde unsere Region jetzt nicht im Mittelfeld herumdümpeln, sondern landesweit auf Platz 4
figurieren.» In einer anderen Studie sei Adelboden unlängst weltweit als Spitzendestination aufgeführt worden.

Entsprechend beurteilt Jürg Blum die neuste Studie nicht als sakrosankt. «Adelboden hat sich wesentlich besser entwickelt, als die Studie dies aufzeigt, die sich vor allem auf Übernachtungen ausrichtet. Und in den Sommermonaten sind wir sehr gut ausgelastet.»
Trotzdem will Adelboden den Tourismus weiter perfektionieren, weshalb zurzeit gerade die Gründung einer Aktiengesellschaft läuft. Jürg Blum: «Mit der neuen Marketing AG werden wir die ganze Hotellerie, den Weltcupanlass, Skibetriebe und alles weitere zentralisieren und so viel wirkungsvoller auftreten können.» Bruno Petroni

Noch liegt in den Bergen nur wenig Schnee. Der verzögerte Auftakt in die Wintersaison ist aber für viele Skigebiete noch das kleinste Problem. Einige sind schlicht nicht mehr konkurrenzfähig, haben zum Teil den Zeitpunkt für neue Investitionen verpasst. Das zumindest behauptet die Grossbank Credit Suisse in ihrer neusten Erhebung zur Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Wintersportdestinationen.

Das Fazit ist vor allem für den Tourismuskanton Bern einigermassen ernüchternd: Die Berner Wintersportorte schneiden punkto Beliebtheit schlechter ab als jene im Wallis und Graubünden. Nur gerade Gstaad und Grindelwald sind als Skidestinationen im schweizweiten Vergleich über alles gesehen richtig konkurrenzfähig. Die anderen Berner Gebiete wie Adelboden-Lenk, Wengen-Mürren und Meiringen-Hasliberg landen in der Beurteilung der Credit Suisse im hinteren oder gar hintersten Teil der Rangliste der erfolgreichsten Winterdestinationen. Die zweittiefste Nachfrage unter den 31 untersuchten Tourismusgemeinden verzeichnet Hasliberg (siehe Grafik). Mit Abstand am meisten Touristen locken die beiden Topdestinationen Zermatt und St.Moritz an.

Hasliberg: Kleines Angebot

Die Betten in Hasliberg erreichten in den letzten sechs Jahren nur eine Auslastung von durchschnittlich 35 Prozent – damit belegt Hasliberg in dieser Rangliste den letzten Platz. Untersucht hat die Credit Suisse alle Wintersportdestinationen, die mindestens 80'000 Logiernächte pro Jahr verbuchen. An der Spitze liegt auch in dieser Rangliste Zermatt. Und das ist laut der Grossbank kein Zufall: Die Betten seien nicht zuletzt deshalb so begehrt, weil Zermatt gemeinsam mit St.Moritz über das breiteste Angebot in der Schweiz verfüge. Sei es die Vielzahl an Unterhaltungsangeboten, der Ausbau der Skipisten, die Anzahl Restaurants oder die Hotelauswahl: Zermatt und St.Moritz sind in der Schweiz konkurrenzlos.

Der Umkehrschluss gilt allerdings auch: Hasliberg hat laut der CS-Studie die geringste Auslastung, weil es in jeder untersuchten Kategorie ein unterdurchschnittliches Angebot hat. Wegen des bescheidenen Angebots an Luxushotels sei zudem auch der Ertrag pro Zimmer bescheiden. Die Empfehlung der CS: Hasliberg solle sich stärker als Familiendestination positionieren.

Bern ist benachteiligt

Zur Verteidigung von Meiringen, Hasliberg und anderen Wintersportorten im Berner Oberland muss gesagt werden: Sie verfügen nicht über die gleiche geografische Ausgangslage wie andere Tourismusgemeinden. So sind etwa die Platzverhältnisse beschränkt. Auch die Höhenlage ist nicht dieselbe: Der höchste Punkt in Hasliberg liegt auf 2250 Metern über Meer, Zermatt ist bis weit über 3000 Meter über Meer erschlossen und damit deutlich schneesicherer als die Berner Konkurrenz.

Die Tourismuschefs von Adelboden und dem Haslital kritisieren die Studie der Credit Suisse und sind mit den Ergebnissen nur teilweise einverstanden (siehe Kasten).

Gstaad und Grindelwald top

Ein Beispiel dafür, dass man auch aus beschränkten Mitteln viel herausholen kann, ist Grindelwald. Die CS attestiert der Gemeinde nur ein unterdurchschnittliches Angebot. In der Erfolgstabelle sieht das aber ganz anders aus: Grindelwald belegt hier Rang 5 und gehört damit zu den konkurrenzfähigsten Skiorten der Schweiz. Grindelwald profitiert laut CS-Studie dabei stark von dem Bergpanorama: Eiger, Mönch und Jungfrau sind die Aushängeschilder.

Gstaad landet in der Studie auf Rang 3 und ist damit die attraktivste und erfolgreichste Wintersportdestination im Kanton Bern. Das wird damit begründet, dass sich Gstaad bei Superreichen und Prominenten den Ruf als diskreter Ruheort erworben und damit eine Nische gefunden habe.

Österreich holt mächtig auf

Auf die ganze Schweiz bezogen gilt: Wegen der unsicheren Wirtschaftslage und des starken Frankens drohen den Tourismusgebieten schwierige Zeiten. Österreich beispielsweise hat massiv aufgerüstet und der Schweiz in den letzten Jahren stetig Marktanteile weggenommen. Der Rat der Studienautoren der CS: Ferien in der Schweiz dürfen teuer sein – aber nur, wenn Service und Qualität stimmen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 07.12.2011, 07:21 Uhr

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19 Kommentare

Ulrich Scheidegger

07.12.2011, 07:36 Uhr
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Es ist einfach hirnverbrannt zu meinen, dass alles sein soll wie Zermatt und St. Moritz. Diese Beurteilungen sind einfach grossgekotzt -es gibt nicht nur solche übersteuerte Erdenbürger die sich Orte wie diese leisten können und wollen. Nein, es gibt sie in Masse -die genügsame und wertschätzende Menschheit welche solche Orte wie St. Moritz und Zermatt schon auch aus Ueberzeugung meiden. Antworten


Mark Keller

07.12.2011, 09:01 Uhr
Melden 15 Empfehlung

Und welcher normal Sterbliche kann es sich leisten in St. Moritz oder Zermatt Skiferien zu machen? Wer kann sich die Preise zum Skifahren in Zermatt leisten? Sind die neureichen Russen der Massstab aller Dinge? Es ist bedenklich wie - gerade in Zermatt - die Berglandschaft "umgestaltet", um nicht zu sagen dem Schneesport geopfert wurde. Wenn dies der Preis für den Erfolg ist, dann gute Nacht! Antworten



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