Berner Politiker sind nicht sehr präsent auf Facebook

Von Guy Huracek. Aktualisiert am 19.07.2010

Nur eine Minderheit der 26 Berner Nationalräte ist heute auf der Internetplattform Facebook aktiv. Sieben Bundesparlamentarier von SP, Grünen und FDP sind aktive Facebook-Nutzer. Von der SVP macht niemand mit.

Bild: Max Spring

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Von den 26 Berner Nationalräten haben 7 ein Facebook-Profil, wie eine Umfrage dieser Zeitung bei den Volksvertretern ergeben hat: drei gehören der SP an, zwei den Grünen und zwei der FDP. Auffallend ist, dass keiner der Berner 8 SVP-Nationalräte ein Facebook-Profil hat. Auf Anfrage sagten die SVP-Mitglieder übereinstimmend: «Ich habe keine Zeit für Facebook. ( 31.91 -3.39%) » Das scheint aber auch eine Generationenfrage zu sein: Thomas Fuchs, Ehrenpräsident der Jungen SVP Kanton Bern, Grossrat und bei den Nationalratswahlen 2007 erster Ersatz auf der SVP-Liste, ist als sehr aktiver Facebook-Nutzer bekannt.

Aus Neugierde mitgemacht

Aus welchem Grund haben sich die Facebook-Nutzer entschieden, sich bei Facebook anzumelden? «Ich habe mich aus Neugierde auf Facebook angemeldet», sagt der Berner Nationalrat Alec von Graffenried (Grüne) auf Anfrage. Er habe schon seit rund zwei Jahren ein Profil auf der sozialen Plattform im Internet. Doch von Graffenried ist nicht sehr aktiv: Am 22.Juni 2010 schrieb er zuletzt auf seiner PIN-Wand: «dr summer chunnt!»

«Zu wenig Zeit»

Auch der Berner Nationalrat Christian Wasserfallen (FDP) hat ein Facebook-Profil, benutzt es aber hauptsächlich für private Zwecke. «Ich habe zu wenig Zeit, täglich politische Inhalte auf Facebook zu schreiben», sagt er. Er könne sich aber dennoch gut vorstellen, sich für die Wahlen 2011 mehr im Internet zu profilieren. Bereits jetzt ist Wasserfallen auf der Facebook-Plattform beliebt: Er hat 656 Freunde, darunter Grossrat Thomas Fuchs und SP-Nationalrätin Evi Allemann. Die 32-jährige Allemann hat fast nichts Privates auf ihrem Profil ausgefüllt – auch nicht, ob sie in einer Beziehung ist oder nicht. Dagegen hält SP-Nationalrat Ricardo Lumengo auf seinem Profil fest: «In einer Beziehung». Auf Facebook geben die Nutzer viel Privates preis – dafür ist die Plattform schliesslich da. Beispielsweise kann man nachlesen, wer mit wem in einer Beziehung ist, wie man seine Freizeit verbringt oder welche Musik man gerne hört. Doch für Personen, die im Rampenlicht der Öffentlichkeit stehen wie Politiker, kann es heikel werden, wenn sie zu viele Details aus dem Privatleben bekannt geben.

Facebook und Wahlkampf

Wenn man die Profile der Berner Nationalräte durchklickt, findet man unproblematische Banalitäten aus dem Privatleben. Brisantes liest man nirgends. Beispielsweise erfährt man von Christian Wasserfallen, dass er Musik der Rockband AC/DC und Tennisspieler Roger Federer mag und ein SCB-Fan ist. Auch Nationalrat von Graffenried ist vorsichtig. Von ihm ist auf Facebook bloss zu erfahren, dass er ein Theaterliebhaber und Züri-West-Fan ist. «Ich würde auf Facebook nur Sachen schreiben, die man sowieso schon im Internet über mich findet», sagt er. Dennoch steht auf seinem Profil: «No risk, no fun!» Politiker sehen in Facebook vor allem auch eine weitere Möglichkeit, um Wahlkampf zu betreiben. «Die Medienlandschaft verändert sich, und viele Politiker wollen mit der Zeit gehen», sagt der Zürcher Medienwissenschaftler Christian Wassmer. Die Politiker möchten innovativ und modern wirken und mit Facebook könne man schnell, günstig und relativ einfach viele Leute erreichen, sagt der Experte.

Onlineaktivitäten pflegen

Im Rahmen der Umfrage haben einige Berner Parlamentarier, die noch nicht bei Facebook angemeldet sind, gesagt, dass sie sich erst kurz vor den Wahlen bei Facebook anmelden wollen. Das findet der Berner Politologe und Kampagnenspezialist Mark Balsiger sinnlos: «Es reicht nicht, zwei Monate vor den Wahlen eine Facebook-Fangruppe ins Leben zu rufen und danach repetitiv ‹Wählt mich!› zu vermelden. Das interessiert niemanden, ja es kann beim Publikum sogar Verärgerung auslösen.» Entscheidend sei, dass Politiker über Jahre hinweg ihre Onlineaktivitäten konstant und glaubwürdig pflegten. Angesichts der mangelnden Zeit empfiehlt der Kampagnenspezialist den Politikern, sich pro Woche zweimal eine Stunde fürs Internet zu reservieren.

Ruinen im Internet

Die Experten sind skeptisch, dass sich über Facebook zusätzliche Wähler gewinnen lassen: «Über Facebook werden hauptsächlich jene Personen mobilisiert, die mit dem entsprechenden Politiker sowieso schon sympathisieren», sagt Christian Wassmer. Daher würden beispielsweise Werbeplakate von Politikern nicht durch Internetplattformen wie Facebook abgelöst werden. Bereits bei den Grossrats- und Regierungsratswahlen vom letzten März erstellten laut Politologe Balsiger viele Berner Politiker ein Facebook-Profil, und es entstanden Hunderte Facebook-Gruppen. «Die meisten Gruppen wurden viel zu spät ins Leben gerufen und dümpelten mit rund 100 Mitgliedern vor sich hin», sagt er. Viele dieser Profile und Gruppen seien auch heute noch online und komplett eingeschlafen. Balsiger ist der Meinung, dass solche «Internetruinen» für Politiker zum Bumerang werden können: Facebook- Profile würden nur dann Wirkung erzielen, wenn ihre Mitglieder sich ernst genommen fühlten und ein echter Dialog stattfinde. (Berner Zeitung)

Erstellt: 19.07.2010, 07:24 Uhr

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