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Bei der BKW müssen Deutsche in den Integrationskurs gehen

Von Mischa Aebi. Aktualisiert am 08.06.2011 7 Kommentare

Deutsche stünden in der Öffentlichkeit im Ruf, arrogant zu sein, schreibt die BKW in einem Mail an ihre deutschen Mitarbeiter. Deshalb führt die BKW nun betriebsinterne Integrationskurse durch. Es gehe darum, unnötige Missverständnisse zu vermeiden. Nicht alle finden das eine gute Idee.

Arbeitsplatz bei der BKW: Fast fünf von hundert Mitarbeitern des Unternehmens sind Deutsche. Nun sollen sie besser integriert werden.

Arbeitsplatz bei der BKW: Fast fünf von hundert Mitarbeitern des Unternehmens sind Deutsche. Nun sollen sie besser integriert werden.
Bild: Keystone

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Der steigende Anteil deutscher Mitarbeiter beim Berner Elektrizitätskonzern BKW führt offenbar zu Konflikten. So interpretieren lässt sich jedenfalls ein Mail, das die BKW-Konzernleitung jüngst verschickte. Es richtete sich ausschliesslich an die 130 Deutschen in der 2800-köpfigen BKW-Belegschaft. Es war eine Einladung. Im Mail steht unter anderem diplomatisch formuliert: Deutsche stünden bei den Schweizer Medien im Ruf , «arrogant und direkt» zu sein. Deshalb plane die BKW für Mitarbeiter aus Deutschland nun interne Integrationskurse.

«Missverständnisse»

In deutschen Kreisen geriet die Einladung, vor allem aber deren Begründung, etlichen in den falschen Hals. Das sei ein Affront und zementiere bloss das leidige Klischee.

Anders sieht das BKW-Sprecher Antonio Sommavilla. Er betont, die Kurse seien freiwillig und die Zahl der Anmeldungen sei gross: «Rund die Hälfte der deutschen Mitarbeiter hat sich für den Kurs gemeldet.» Druck von den Vorgesetzten habe es nicht gegeben, versichert er. Auch von negativen Reaktionen habe er nichts gehört. Im Kurs gehe es darum, den Deutschen die Gepflogenheiten der Schweizer sowie hiesige sprachliche Umgangsformen näherzubringen – zum Beispiel den «Diskussionsstil» oder «auch typisch schweizerische Redewendungen».

BKW-Sprecher Sommavilla beteuert auch: «Uns sind keine anhaltenden Konflikte zwischen deutschen und Schweizer Mitarbeitern bekannt.» Warum aber kam die BKW überhaupt auf die Idee, solche Kurse durchzuführen? Sommavillas Antwort: Ein Mitarbeiter einer BKW-Geschäftseinheit sei mit dem Wunsch solcher Integrationskurse an die Personalabteilung gelangt. Bei der BKW-Geschäftsleitung ist das auf offene Ohren gestossen. Ziel der Kurse sei etwa, «unnötige Missverständnisse» zwischen Schweizern und Deutschen zu vermeiden.

Bei 11 Prozent unbeliebt

Solche Integrationskurse für Deutsche können je nach Absichten durchaus sinnvoll sein, findet Marc Helbling. Der Schweizer Forscher arbeitet am Wissenschaftszentrum für Sozialforschung in Berlin. Er hat in der Studie «Warum Deutschschweizer Deutsche nicht mögen» das Verhältnis zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen untersucht. Es sei tatsächlich so, dass viele Schweizer Deutsche arrogant und direkt finden, sagt er. Er hat dazu eine Umfrage ausgewertet, in welcher 1300 Schweizer zu diesem Thema befragt wurden. Das Resultat: 11 Prozent der Schweizer haben ein Problem mit Deutschen, «nur» rund 4 Prozent haben hingegen ein Problem mit Italienern, und ebenfalls nur 4 Prozent haben ein Problem mit Franzosen. Bei satten 51 Prozent stossen allerdings Menschen aus Ex-Jugoslawien auf Ablehnung.

Klischee bestätigt

Er selber habe kein Problem mit Deutschen, sagt Helbling. Allerdings ist er überzeugt, dass das Klischee über die Deutschen nicht bloss herbeigeredet ist: «Meine Erfahrung zeigt mir eindeutig, dass Deutsche direkter sind zueinander.»

Warum aber mögen Schweizer die Deutschen nicht? Helbling nennt verschiedene Gründe: Erstens könnten gewisse Grundhaltungen der Schweizer nach wie vor durch das nationalsozialistische Erbe Deutschlands erklärt werden. Wichtiger sei aber die starke Zunahme der Deutschen in der Schweiz in kurzer Zeit. Überall, wo eine Ausländergruppe über einen kurzen Zeitraum eingewandert sei, sei es zu ablehnenden Haltungen gekommen. Die Deutschen würden deshalb als kulturelle und ökonomische Bedrohung wahrgenommen.

In der Schweiz leben zurzeit rund 264'000 deutsche Staatsangehörige. Das sind 3,4 Prozent der Gesamtbevölkerung. Besonders gross ist die Ablehnung der Deutschen in Zürich: Dort machen sie rund 5,6 Prozent der Bevölkerung aus. Im Thurgau sind es gar 6,8 Prozent. Im Kanton Bern leben «nur» rund 25'000 Deutsche, was einem Anteil von 2,5 Prozent entspricht. (Berner Zeitung)

Erstellt: 08.06.2011, 08:21 Uhr

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7 Kommentare

tina wolf

08.06.2011, 09:20 Uhr
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ich finde das vorgehen der bkw, absolut vorbildlich ist auch eine wertschätzung der ch arbeitnehmer. es zeugt von interesse, wille, wenn sich ausländer hier niederlassen, arbeiten, integrieren wollen. absolut schockiernd aber nachvollziehbar find ich, dass 51% ex jugo auf ablehnung stossen. wie war die schlagzeile hier, von einem jus student aus zh? "einzelfälle" seien halt negativ! so arrogant! Antworten


Immanuel Wess

08.06.2011, 09:29 Uhr
Melden 9 Empfehlung

Gute Massnahme der BKW! Völlig normal, solch einen Kurs zu besuchen. Ich bin aus D und lebe seit mehr als 3 Jahren in CH. Hätte es damals einen Kurs in unserer Region gegeben, ich hätte ihn besucht. So aber haben wir versucht, uns aktiv zu integrieren. Die Verhaltensregeln jedoch haben wir persönlich von Schweizern erklärt bekommen. Eine ablehnende Haltung geht auch auf das Konto einiger D... Antworten