Bauer Luder produziert Natur
Von Susanne Graf. Aktualisiert am 13.10.2011 1 Kommentar
Luder (links) und Rickenbacher. (Bild: Walter Pfäffli)
Es gab eine Zeit, da hat Stefan Luder mit seinen Schweinen «gut verdient». Doch heute sind die Preise im Keller, und der Bauer aus Oberösch musste nach Alternativen suchen. Weil er keine Lust hatte, «Geld in den Betrieb zu buttern», beschloss er, auf Biodiversität zu setzen. Nun profitiert Luder von zusätzlichen Direktzahlungen, weil er auf seinen normalen ökologischen Ausgleichsflächen zusätzliche Qualität produziert. So vernetzt er extensiv genutzte Wiesen etwa mit Hecken oder Buntbrachen. Oder er sät eine Ökowiese mit selten gewordenen Pflanzen an.
Der Lohn
Mit einer Ökowiese kann Luder pro Hektare 3500 bis 4000 Franken verdienen. Hatten die Direktzahlungen auf seinem Betrieb früher 5 Prozent des Einkommens ausgemacht, sind es heute 15 Prozent. Den Verdienstausfall in der Schweineproduktion kann er mit Biodiversität aber nicht kompensieren. Trotzdem möchte Volkswirtschaftsdirektor Andreas Rickenbacher, dass mehr Berner Bauern auf mehr biologische Vielfalt setzen. Noch würden sie die vom Bund zur Verfügung gestellten Mittel «nicht vollständig ausschöpfen», sagte Daniel Fasching von der Abteilung für Naturförderung im kantonalen Landwirtschaftsamt gestern vor den Medien.
Bern hat Nase vorn
Rickenbacher zeigte auf, was von biologischer Vielfalt abhängt: Er erwähnte etwa sauberes Trinkwasser, neue Medikamente, Naturlandschaften und den Schutz vor Naturgefahren. Doch weil die Biodiversität weltweit abnimmt, haben sich letztes Jahr 191 Staaten in Japan in einer Konvention verpflichtet, 17 Prozent ihrer Landfläche für Biodiversität zu reservieren. In der Schweiz – und im Kanton Bern – sind es heute laut Fasching rund 15 bis 16 Prozent. Es braucht also mehr Bauern, die in Hecken, Hochstammbäume oder Ökowiesen investieren. Mitte September hat der Bund mit seiner Biodiversitätsstrategie ein Papier in Vernehmlassung geschickt, in dem er zeigt, wie er die Ziele erreichen will. Rickenbacher ist stolz, als Volkswirtschaftsdirektor des Kantons Bern bereits 2008 ein Aktionsprogramm zur Stärkung der Biodiversität lanciert zu haben. Dessen Ziel war es, die ökologisch wertvollen Flächen im Talgebiet innerhalb von acht Jahren zu verdoppeln. Bisher konnte ihre Zahl um 30 Prozent gesteigert werden. Rickenbacher sagte: «Wir haben viel erreicht, es bleibt aber auch viel zu tun.» (Berner Zeitung)
Erstellt: 13.10.2011, 11:10 Uhr
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