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Auf der Suche nach dem verletzten Reh

Von Anna Tschannen. Aktualisiert am 07.10.2011 3 Kommentare

Nicht immer treffen die Jäger richtig, wenn sie auf ein Reh oder eine Gämse schiessen. Was sie in einem solchen Fall machen müssen, ist genau geregelt – und es wird streng geahndet, wenn sich jemand nicht daran hält.

1/5 Wildhüter Peter Siegenthaler und seine Hündin Biene unterwegs im Wald.
Bild: Hans Wüthrich

   

Jägerethik

Beim Jägerverband ist man sich bewusst, dass die Jagd ein umstrittenes Thema in der Bevölkerung ist. Deshalb sind auch die Gesetze streng und die Bussen bei Verstoss happig. So kostet es beispielsweise 50 Franken, wenn ein Jäger die Nachsuche nicht meldet. Wenn er die gesetzlich vorgegebene Schussdistanz nicht einhält, zahlt er sogar 100 Franken.

Auf seiner Homepage veröffentlicht der Jägerverband auch einen moralischen Kodex. Dort ist aufgelistet, welche Pflichten die Jäger haben: Respekt und Sorge gegenüber der Umwelt, Rücksicht gegenüber den anderen Waldbenutzern, aber auch Vorsicht im Umgang mit Schusswaffen und Alkohol.

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Jetzt ist es passiert. Aus Nervosität, Müdigkeit oder welchen Gründen auch immer – der Jäger hat das Reh nicht richtig getroffen. Die Schrotladung hat das Tier zwar erwischt und gegen einen Baum geschleudert. Danach aber ist es blutend in den Wald geflohen – «nicht im Feuer geblieben», wie das im Jägerjargon heisst. Nun beginnt für den Jäger ein genau geregeltes Prozedere: die Nachsuche. Unterlässt er diese und wird erwischt, kassiert er eine saftige Busse. Dazu droht der Entzug des Jagdpatents.

Im Wald oberhalb von Langnau steht Wildhüter Peter Siegenthaler im Wald und erläutert Schritt für Schritt die Nachsuche. Den Fall, den er vorführt, hat Siegenthaler selbst inszeniert.

Markierungen sind wichtig

Als Erstes muss der Jäger den Ort markieren, wo er den Schuss abgegeben hat. Siegenthaler reisst einen Tannenzweig ab, steckt ihn in den Boden und bindet eine blaue Masche daran: «Der Platz muss so markiert sein, dass man ihn notfalls nur mit einer mündlichen Beschreibung finden kann.» Danach sucht er die genaue Stelle, wo das Reh verletzt wurde. Um die Spuren des verletzten Wilds nicht zu zerstören, macht Siegenthaler einen Bogen und nähert sich aus der Richtung, aus der das Reh gekommen ist.

«Hier muss es sein», sagt der Wildhüter. Auf dem moosigen Boden sind Blutspuren zu sehen, auch einige Haare liegen daneben. Ein kleines Bäumchen hat ein paar Schrotkörner abbekommen. All das sieht der langjährige Wildhüter sofort. «Nicht alle Jäger sehen das. Manchmal sind sie zu unerfahren, oft aber auch zu aufgeregt. An keinem Jäger geht spurlos vorbei, wenn ihm das Wild nicht im Feuer bleibt.» Auch an dieser Stelle steckt Siegenthaler einen Tannenzweig als Markierung in den Boden, einen zweiten Zweig legt er in der Fluchtrichtung des Wilds auf den Boden.

Hunde folgen der Blutspur

Wenn beide Stellen markiert sind, beginnt die Suche nach dem Wild. «Die Tiere sollen nicht leiden müssen und irgendwo im Wald verenden», sagt Siegenthaler. Darum geht man sie suchen. Für die Nachsuche gibt es die Freiwilligenorganisation Nasu, die während der Jagd Pikettdienst leistet. Dort können die Jäger ein Team anfordern. Es ist ihnen auch möglich, selbst suchen zu gehen – allerdings nicht mit den Hunden, die an der Jagd beteiligt waren. Die dritte Möglichkeit ist der Wildhüter.

Immer mit auf der Nachsuche dabei ist ein so genannter Schweisshund. Dieser muss eine Prüfung bestehen, die ihn zur Suche eines verletzten Wilds befähigt. Dazu folgt der Hund der Wundfährte. «Man muss üben, üben, üben», sagt Siegenthaler, der jeweils mit seiner deutschen langhaarigen Vorstehhündin Biene auf Nachsuche geht. Biene kommt an die Schweissleine, ein langes Band, das ihr guten Auslauf gewährt. Auf das Kommando ihres Herrchens läuft sie los, der Spur entlang. Diese führt bald einmal unsichtbar durch das wadenhohe Gestrüpp. Das verletzte Wild ist offenbar nicht geradeaus geflohen: «Darum sucht man mit Hunden, die auf Blut trainiert sind, Menschen würden die verletzten Tiere kaum finden», sagt Peter Siegenthaler.

Wenig Kontrollmöglichkeiten

Nach etwa vierhundert Metern liegt ein totes Reh im Unterholz, es ist wohl seiner Verletzung erlegen. «Manchmal lebt das Tier noch und versucht erneut zu fliehen», erklärt Siegenthaler. In diesem Fall erlegt das Nachsucheteam das Wild. «Es geht darum, dass die Tiere möglichst wenig leiden müssen.» Er ist während der Jagdsaison fast ständig in seinem Aufsichtskreis unterwegs, um zu kontrollieren, ob alles richtig zu- und hergeht. Praktisch täglich ist er auch an einer Nachsuche beteiligt.

Da die Jäger selber melden müssen, wenn ein Tier nicht im Feuer geblieben ist, hat Siegenthaler wenig Kontrollmöglichkeiten. Trotzdem hat er seine Kniffs, um Sünder ausfindig zu machen – und die Weidmannskollegen melden selbst auch manchen Fall: «Die Jäger sind sehr daran interessiert, dass sie nicht in Verruf kommen.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 07.10.2011, 06:02 Uhr

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3 Kommentare

Thomas Wüthrich

09.10.2011, 07:27 Uhr
Melden 7 Empfehlung

Schwarze Schafe gibt es überall - aber auch bei den Jägern nicht mehr als sonst wo. Auch wird jeder Jäger mal daneben oder eben schlecht schiessen - nur wer nicht schiesst, schiesst nie vorbei. Die Jagd ist kein Schiessstand, viele Faktoren spielen mit, egal ob professioneller Wildhüter oder so genannter Hobbyjäger. Hier zeigt sich der wahre Charakter und wohl weit über 95% werden korrekt handeln. Antworten


Simon Kaiser

07.10.2011, 07:40 Uhr
Melden 4 Empfehlung

Ich denke dass höchstens 50% aller Fälle wirklich gemeldet werden. Antworten