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Amstutz wirbt für sich – und Luginbühl

Von Susanne Graf. Aktualisiert am 01.11.2011 31 Kommentare

Die SVP des Kantons Bern will im zweiten Wahlgang zu den Ständeratswahlen sowohl den eigenen Kandidaten Adrian Amstutz als auch Werner Luginbühl (BDP) unterstützen. Dies, obwohl die BDP vor Wochenfrist anders entschieden hat.

Adrian Amstutz hat die SVP-Delegierten überzeugt: Ohne Gegenstimme haben sie gestern Abend beschlossen, im zweiten Wahlgang für die Ständeratswahlen auch Werner Luginbühl (BDP) zu unterstützen. Regierungsrat Christoph Neuhaus (rechts) scheints zu freuen.

Adrian Amstutz hat die SVP-Delegierten überzeugt: Ohne Gegenstimme haben sie gestern Abend beschlossen, im zweiten Wahlgang für die Ständeratswahlen auch Werner Luginbühl (BDP) zu unterstützen. Regierungsrat Christoph Neuhaus (rechts) scheints zu freuen.
Bild: Walter Pfäffli

«Wer als Vogel am Morgen zu laut pfeift, wird am Abend von der Katze gefressen.» Gemäss ihrem Präsidenten Rudolf Joder will sich die bernische SVP dieser Regel folgend «vorläufig» damit begnügen, die Diskussionen um die Bundesratswahlen «sehr genau» zu verfolgen.

Brennender als die Bundesratswahlen sind für die SVP des Kantons Bern dieser Tage ohnehin die Ständeratswahlen. Und hier ist das Ziel klar: «dass Adrian Amstutz gewählt wird und die bürgerlichen Kräfte gestärkt werden», repetierte Joder gestern Abend an der SVP-Delegiertenversammlung in Kirchberg. Wichtig sei es, dass Amstutz und Werner Luginbühl (BDP) an ihre Resultate vom ersten Wahlgang anknüpfen könnten und wieder die ersten Plätze belegten. In den nächsten vier Jahren stünden im eidgenössischen Parlament wichtige Beschlüsse an, deshalb sei entscheidend, dass die bürgerlichen Kräfte gestärkt würden. «Dies wollen wir, und dies wollen auch die Wirtschaftsverbände», sagte Joder. – Dass die BDP vor Wochenfrist entschieden hatte, alleine in den zweiten Wahlgang zu gehen, erwähnte Joder in seiner Eröffnungsrede mit keinem Wort.

Amstutz bittet

«Wir wollen die ungeteilte bürgerliche Standesstimme für den Kanton Bern», doppelte Adrian Amstutz später selber nach. Denn wenn der eine Ja stimme und der andere Nein, könnten beide genauso gut zu Hause bleiben. Wer das Oberziel der ungeteilten bürgerlichen Standesstimme also ernst nehme, schreibe «Amstutz» und «Luginbühl» auf den Wahlzettel.

Wer Hans Stöckli (SP) wähle, schade der bürgerlichen Seite. Amstutz warnte davor, in Stöckli einen wirtschaftsfreundlichen Vertreter zu sehen. Er verwies auf das hohe Gewaltvorkommen in der Stadt Biel und auf die «grösste Sozialhilfequote im ganzen Land», die Hans Stöckli als Erbe hinterlasse. «Amstutz liegt um Kilometer näher bei Luginbühl als bei Stöckli», sagte Amstutz und warnte weiter: Wer jemandem eins auswischen wolle, indem er Stöckli auf den Wahlzettel schreibe, strafe vor allem ihn und die Sache der Bürgerlichen.

Klares Zeichen

Eigentlich hatte die Parteileitung bereits beschlossen, dass die SVP beide Kandidaten formell unterstützen würde. Und sie hatte nicht vor, dies den Delegierten zur Abstimmung zu bringen. Doch aus der Versammlung wurde der Wunsch nach einer Abstimmung laut, «um jetzt ein klares Zeichen für die Doppelkandidatur zu setzen». Amstutz ergriff erneut das Wort und erklärte, warum trotz aller erlittenen Blessuren jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen sei, der BDP die Hand zu reichen: Jetzt besetzte die Partei nicht mehr Abzüglersitze, sondern Sitze, die ihnen die Wähler zugeteilt hätten. «Als Demokraten haben wir das zu akzeptieren und jetzt einen Schritt vorwärts zu tun», sagte Amstutz. Mit grossem Mehr folgten die 321 Delegierten dem Antrag, sowohl Amstutz als auch Luginbühl zu unterstützen. 16 enthielten sich der Stimme.

Der verpasste neunte Sitz

Schon bei der Analyse der Nationalratswahlen hatte Joder die fehlende Zusammenarbeit unter den bürgerlichen Parteien beklagt. Sehr früh habe er die EDU und die FDP für eine Listenverbindung angefragt. Beide hätten abgesagt, mit dem Resultat, dass die EDU nicht mehr vertreten, die FDP halbiert sei und die Berner SVP einen neunten Sitz knapp verpasst habe. Deshalb dürfe die Aufspaltung der bürgerlichen Kräfte nicht mehr passieren, man müsse wieder vermehrt zusammenarbeiten. Joder sagte: «Ich hoffe, dass es hier und dort nun definitiv zu tagen beginnt.»

Dass die SVP ihr Wahlziel, einen neunten Nationalratssitz, verpasst hat, «wurmte» Joder. Denn das Ziel lag nahe: 565 Wähler oder «zwei Leute pro Gemeinde» hätten gefehlt, rechnete SVP-Geschäftsführerin Aliki Panayides vor. Im Ständerat fehlten Adrian Amstutz für das absolute Mehr jedoch 20'000 Stimmen. «Dort müssen wir noch zünftig in die Hosen», sagte Panayides und rief die SVP-Mitglieder zu einem Schlussspurt auf: «Wir dürfen keinen Tag auslassen, die Leute zu überzeugen, sonst passiert, was uns am 23.10. passiert ist.»

Noch einmal 20'000 Franken

Die Delegierten bewilligten gestern Abend einen Nachtrag zum Budget, indem sie Ja sagten dazu, dass 20'000 Franken vom budgetierten Gewinn für Inserate eingesetzt werden dürfen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 01.11.2011, 07:14 Uhr

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31 Kommentare

kurt habegger

01.11.2011, 08:50 Uhr
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Bravo - Das ist bürgerliche Politik - da muss die BDP mit Grunder noch gewaltig dazu lernen - da kann man den Hut ziehen. Das ist keine Schmusepolitik - sondern klare Annalyse der Situation - wenn Stöckli gewählt würde ist im gleichen Zug Tschäppät im NR und der Berner Jura mit Biel hat keine Vertretung
mehr im Parlamant - aber Grunder spielt jetzt bei der SP lieb Kind für EWS - bürgerlich ade!
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Renate Mäder

01.11.2011, 12:51 Uhr
Melden 20 Empfehlung

Das Bundesparlament braucht nicht einen aktuellen und einen ehemaligen linken Stapi. Eine ungeteilte bürgerliche Standesstimme ist viel besser für den Kanton Bern als eine null Stimme. Den 1 + -1 gibt bekanntlich null. Stöckli hat Biel in einem desolaten sozialen Zustand hinterlassen. Die Stadt Biel ist CH-weit die Nr. 1 bei den Sozialhilfebezügern. Da gibt es wirklich nichts schönzureden. Antworten