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Ab 2013 dürfen Gemeinden die Basisstufe anbieten

Von Urs Egli. Aktualisiert am 24.11.2011 3 Kommentare

Mit 127 zu 23 Stimmen hat der bernische Grosse Rat am Mittwoch entschieden, dass die Gemeinden die Basisstufe einführen dürfen. Zentral ist die Freiwilligkeit. Zudem wird die Schulsozialarbeit vom Kanton finanziell unterstützt. Die neue Regelung tritt 2013 in Kraft.

Regierungspräsident Bernhard Pulver (Grüne) mochte erst lachen, als der Grosse Rat der freiwilligen Einführung der Basisstufe in den Gemeinden definitiv zugestimmt hatte.

Regierungspräsident Bernhard Pulver (Grüne) mochte erst lachen, als der Grosse Rat der freiwilligen Einführung der Basisstufe in den Gemeinden definitiv zugestimmt hatte.
Bild: Andreas Blatter

Neu ab 1. August 2013

Änderungen im Gesetz Der Grosse Rat des Kantons Bern hat gestern das Volksschulgesetz in erster Lesung beraten. Falls in der zweiten Gesetzeslesung keine wesentlichen Korrekturen vorgenommen werden, tritt das Gesetz am 1.August 2013 mit einigen Neuerungen in Kraft:

Basisstufe: Die Gemeinden können im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten des Kantons Basisstufenklassen führen. Will heissen: Kindergärteler im ersten und zweiten Jahr sowie Erst- und Zweitklässler werden gemeinsam unterrichtet. Der Unterricht wird von einem Lehrerteam geleitet. Der Kanton Bern rechnet mit jährlichen Zusatzkosten von 3,5 Millionen Franken. 30 Prozent der Kosten werden vom Kanton getragen, 70 Prozent müssen die Gemeinden übernehmen.

Schulsozialarbeit: Die Rechtsgrundlagen wurden geschaffen, damit der Kanton an Gemeinden Beiträge leistet, wenn sie Schulsozialarbeit zur Unterstützung der Schulen führen. Der Kantonsbeitrag beträgt höchstens
30 Prozent der Lohnkosten.

Schulsekretariate: Die Gemeinden müssen den Schulen Sekretariatsressourcen zur Verfügung stellen. Damit sollen Lehrkräfte und Schulleitungen von Administrativarbeiten entlastet werden.

Umgesetzt werden mit dem geänderten Volksschulgesetz auch die Ziele der Harmonisierung der Volksschule in der Schweiz (Harmos), wie sprachregionale Lehrpläne und Kurse in heimatlicher Sprache und Kultur. Zudem werden das Realniveau gestärkt und die Übertrittsverfahren vereinfacht.

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Über Jahre und Monate haben Gegner und Befürworter der Basisstufe – Kindergärteler sowie Erst- und Zweitklässler werden in einer Mehrjahrgangsklasse unterrichtet – diskutiert und gestritten. Gestern hat der bernische Grosse Rat der Diskussion ein Ende gesetzt. Mit 127 zu 23 Stimmen schickte das Parlament einen Streichungsantrag aus den Reihen der SVP bachab. Macht der Grosse Rat in der zweiten Lesung des Volksschulgesetzes im nächsten Frühjahr keine Kehrtwende, dürfen die Gemeinden im Kanton Bern ab 1.August 2013 Basisstufenklassen führen.

Sabina Geissbühler (SVP, Herrenschwanden) warb vehement für ein Nein zur Basisstufe. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis stimme nicht überein. Doch selbst in ihrer Fraktion bröckelte der Widerstand gegen die neue Schuleingangsphase. Leicht resigniert meinte Geissbühler: «Die Ergebnisse der Untersuchung über die Basisstufe liegen vor, aber ihr wollt diese einfach nicht wahrhaben.» Béatrice Struchen (Epsach) hatte die undankbare Aufgabe, die Haltung der in dieser Frage gespaltenen SVP-Fraktion darzulegen. Einige machten sich Sorgen wegen der entstehenden Mehrkosten, so Struchen, «aber wir haben auch Leute in der Fraktion, welche die Basisstufe eine gute Sache finden».

SP wollte noch mehr

Die SP-Fraktion dagegen plädierte einstimmig für die freiwillige Einführung der Basisstufe. «Wir wären sogar für die flächendeckende Einführung», betonte Margrit Stucki (Bern), «aber dies liegt aus finanziellen Gründen einfach nicht drin.» Auf die Seite der SP schlugen sich auch die Grünen. Die Pilotgemeinden hätten mit der Basisstufe gute Erfahrungen gemacht, also dürfe diese jetzt nicht verunmöglicht werden, erklärte Anna-Magdalena Linder (Grüne, Bern).

Im Gegensatz zur EDU, die von der Basisstufe nichts wissen wollte, plädierte Marc Jost (EVP, Thun) eindringlich für das neue Schulmodell. Der Grosse Rat müsse langfristig denken «und darf sich nicht von der gegenwärtigen finanziellen Situation des Kantons leiten lassen». Gegen die Streichung der Basisstufe aus dem Gesetz machte sich namens der BDP auch Ueli Lehmann (Zäziwil) stark; sonst müssten die Gemeinden alles selbst bezahlen.

SVP-Einzelsprecher für ein Ja

Nicht grundsätzlich gegen die Basisstufe sprach FDP-Sprecherin Corinne Schmidhauser (Bremgarten). Gerne hätte sie aber das «Reizwort» Basisstufe vermieden. Deshalb stellte sie folgenden Antrag: «Wo die örtlichen Verhältnisse es erfordern, können Schülerinnen und Schüler der Kindergarten- und Primarklassen sowie der Primar- und der Realklassen gemeinsam unterrichtet werden.» Der Grosse Rat entschied, diesen Antrag erst in der zweiten Gesetzeslesung zu diskutieren.

Vehement legten sich Einzelsprecher für die Basisstufe ins Zeug – vor allem aus den Reihen der SVP. «Dort, wo für die Zukunft der Jungen etwas bewegt werden kann, sollten wir dies nicht verhindern», betonte Jürg Schürch (SVP, Huttwil). Für ein überzeugtes Ja machte sich auch Samuel Graber (Horrenbach) stark: «Für kleine Gemeinden ist die Basisstufe eine Chance.» Als überzeugter Vertreter der Basisstufe outete sich auch Alt-Oberrichter Walter Messerli (SVP, Interlaken). Letztlich brauchte Bildungsdirektor Bernhard Pulver (Grüne) keine Überzeugungskraft mehr. Die Meinungen zugunsten der freiwilligen Einführung der Basisstufe waren gemacht. Pulver meinte: «Ich will eine Lösung anbieten, die den Kanton weiterbringt.»

Hauchdünner Entscheid

Zu einer Zitterpartie wurde für Kommissionspräsident Daniel Steiner (EVP, Langenthal) die Frage, ob der Kanton Bern die Schulsozialarbeit in den Gemeinden unterstützen muss oder nur «kann». Steiner machte sich für die zwingende Unterstützung stark: «Der Kanton sollte den Gemeinden ein klares Zeichen senden.» Die Forderung von BDP und FDP nach der «kann»-Formulierung scheiterte dann knapp mit 72 zu 71 Stimmen. Keine Chance hatte zuvor die Forderung der SVP, auf die Unterstützung der Gemeinden durch den Kanton sei gänzlich zu verzichten. (Berner Zeitung)

Erstellt: 24.11.2011, 08:38 Uhr

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3 Kommentare

Nadine Vogler

24.11.2011, 15:39 Uhr
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Ich habe 2 Jungs welche die Basisstufe besuchen durften. Der ältere hat ADHS und der jüngere wird zu schnell müde(ist noch in Abklärung). Es giebt nur einen Punkt, den ich kritisiere und zwar finde ich, dass man die Kinder besser auf den Uebertritt in die Normale Schule vorbereiten sollte. Die meisten Kinder waren komplett überfordert in der 3. Klasse. Antworten


kurt habegger

24.11.2011, 18:17 Uhr
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Man hat einfach noch gar nichts gelernt - jetzt werden wieder Gesetze beschlossen, die über die zukünftigen Folgekosten nichts aussagen - in 10 Jahren beklagen sich dann Kanton und Gemeinden, weil man die Kosten nicht mehr im Griff hat - alles schon einmal in den 70ger-Jahren dagewesen - Schulhausbauten werden mit Harmos und Basisstufe provoziert - und niemand will es wahr haben !!! Antworten